Jobsharing ist nicht nur eine Lösung für berufstätige Mütter: Im „Legacy Tandem“ zum Beispiel wird ein Tandem zwischen ausscheidenden Mitarbeitern und ihren potenziellen Nachfolgern kreiert. Bild: Corbis

Die einen halten Jobsharing für ein überhyptes New-Work-Thema, die anderen für ein Mutti-Modell. Dabei kann man es als handfestes HR-Instrument einsetzen. Durch strategische Tandemkonstellationen und Zeitmodelle lassen sich passgenaue Lösungen finden.

Oft verbindet man mit Jobsharing in erster Linie Begriffe wie Work-Life-Balance, Frauenförderung oder Familienfreundlichkeit. Das kann zutreffen. Aber Jobsharing kann mehr sein als ein nettes HR-Teilzeit-Goodie - und als businessorientiertes, strategisches Instrument eingesetzt werden. Folgende Job-Sharing Modelle lassen sich unterscheiden.

Jobsharing-Modelle für unterschiedliche Anforderungen

Das „Hop-On Tandem“ ermöglicht einen spannenden Berufseinstieg noch während des Studiums, zum Beispiel während der Masterarbeit. Gemeinsam mit einem erfahrenen Mitarbeiter des Unternehmens bildet der Absolvent ein Tandem und wird so frühzeitig gebunden und lernt „on the job“. Das ist ein Jobsharing-Modell für schwer zu besetzende Einstiegspositionen oder als Alternative zum oft kostenintensiven Traineeprogramm.

Im „Succession Tandem“ arbeitet ein erfahrener Mitarbeiter mit einem Juniorpartner als seinem Nachfolger temporär auf seiner Stelle. Ein Entwicklungsschritt nicht nur für den Junior, denn für den Senior bietet sich so zum Beispiel eine erste Führungserfahrung vor einer Position mit breiterer Teamverantwortung. Dieses Tandem ist ein gezieltes Instrument im internen „Succession Planning“ und eignet sich besonders zum Überwinden hierarchischer Barrieren und zur Aufstockung einer dünnen „Succession Pipe“. 

Im „Legacy Tandem“ wird im klaren Kontext des Wissensmanagements frühzeitig ein Tandem zwischen ausscheidenden Mitarbeitern und ihren potenziellen Nachfolgern kreiert; beispielsweise kombiniert mit einem Altersteilzeitmodell.

„Cross-functional Tandems“, zum Beispiel mit jeweils einem Mitarbeiter aus Vertrieb und Marketing, tragen zum Aufbrechen von Silos bei und schaffen messbare Synergieeffekte.

„Diversity Tandems“, die mit zwei Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund besetzt sind, fördern gezielt Innovation und/oder Integration.

Die bekannteste Jobsharing-Form: Topsharing

Genauso wie bei geteilten Fachfunktionen ("Peer Tandem") oder den oben genannten Modellen macht "Topsharing" nicht nur Sinn, wenn zwei qualifizierte MitarbeiterInnen reduziert arbeiten wollen, sondern auch, wenn sich die Position selbst verändert hat, zum Beispiel hin zu einer größeren Führungsspanne oder erweiterter inhaltlicher Verantwortung.

Im Falle einer Führungsposition heißt die Lösung häufig noch: Ein wachsender Bereich wird aufgeteilt in zwei Unterbereiche mit jeweils einer Führungskraft. Damit wäre ein neues Silo geschaffen – und das Team womöglich zerrissen. Unter der Überschrift „Agile Leadership“ beginnen daher erste Unternehmen, auch mit Vollzeit-Topsharing-Varianten zu experimentieren.

Jobsharing über die klassische Aufteilung 50/50 oder 60/60 hinaus ist also vor allem mit Blick auf Stellen interessant, deren Anforderungen sich stark diversifiziert oder im Volumen erhöht haben. So entsteht eine Win-win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, da der entsprechende Anstieg der Aufgaben über 100 Prozent hinaus nicht durch Überstunden (mit sämtlichen gesundheitlichen und kulturellen Begleiteffekten), sondern durch eine weitere Person abgedeckt wird und zwei Mitarbeiter ein entsprechend vielfältiges Kompetenzportfolio mitbringen, das in einer Person alleine nur schwer zu finden ist.

So lassen sich also unterschiedliche Überschriften für Jobsharing finden: Agile Leadership, Succession Planning, Direkteinstieg für Young Professionals, Cross-functional Cooperation oder Wissensmanagement.


Die Autoren:

Yannic Franken ist Geschäftsführer mit Schwerpunkt Business Strategy beim Unternehmen The Jobsharing Hub.

Svenja Christen ist Geschäftsführerin mit Schwerpunkt HR Strategy beim Unternehmen The Jobsharing Hub.


Hinweis: Welche Zielgruppen für Jobsharing noch wenig erschlossen sind, welche Anforderungen an ein Tandem gestellt werden und welche Kosten auf Unternehmen zukommen, lesen Sie im gesamten Beitrag im personalmagazin 3/2018.


Weitere News zum Thema Jobsharing:

Was bei Jobsharing rechtlich zu beachten ist

Jobsharing-Tandems machen Teilzeit perfekt

Infografik: Jobsharing

Schlagworte zum Thema:  Jobsharing, Arbeitszeit, Führung

Aktuell
Meistgelesen