| Mitarbeiterzufriedenheit

Kein Stress dank Mitarbeitergespräch und Co.

Nutzen Unternehmen mitarbeiterorientierte Personalinstrumente wie Feedbackgespräche, verkraften Mitarbeiter Stress und Belastungen besser, so eine IAB-Studie.
Bild: Eric Audras / PhotoAlto

Eine IAB-Studie kommt zu dem Schluss, dass Unternehmen mir mitarbeiterorientierten Personalmaßnahmen (wie Gesundheitsschutz, Qualifizierungsangeboten oder regelmäßigen Mitarbeitergesprächen) Engagement und Bindung der Mitarbeiter erhöhen  – auch, wenn diese oft unter Stress stehen.

Grundlage der kürzlich veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sind Befragungen von mehr als 7.000 Beschäftigten und rund 1.000 Betrieben mit mindestens 50 Mitarbeitern.

Zwar berichten sechs von zehn von ihnen von belastenden Arbeitsbedingung wie Termindruck, Informationsflut, körperlicher Anstrengung oder von unangenehmen Umgebungsbedingungen wie Hitze, Kälte oder Lärm an ihrem Arbeitsplatz.

Offenbar scheinen diese Faktoren das Engagement und die Bindung der Mitarbeiter aber nur wenig zu trüben, wenn im Unternehmen passende mitarbeiterorientierte Personalinstrumente zum Einsatz kommen.

Termindruck und Multitasking verschlechtern das Wohlbefinden

Die Antworten der Befragten zeigen auch: Bereits acht von zehn Unternehmen sind in diesem Bereich aktiv – etwa, indem sie Maßnahmen zum Gesundheitsschutz und zur Gesundheitsförderung anbieten, die über die gesetzlich verpflichtenden Maßnahmen hinausgehen.

So analysiert der Studie zufolge mehr als die Hälfte der Betriebe den Krankenstand im Betrieb. Je ein Drittel führt Mitarbeiterbefragungen zum Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz durch oder hat innerbetriebliche Angebote wie etwa eine aktive Pausengestaltung, Betriebssport oder Gesundheitstage. Schulungen und Beratungen werden von mehr als einem Viertel der Betriebe angeboten, externe Gesundheitsangebote werden von einem Sechstel finanziell unterstützt.

"Auf Dauer können körperliche und psychische Belastungen am Arbeitsplatz ein Gesundheitsrisiko darstellen", kommentieren die IAB-Forscher die Ergebnisse. "Zwar sind Beschäftigte, die von Termindruck und Multitasking oder von einer schwer zu bewältigenden Menge an Information berichten, nicht häufiger krank als andere Beschäftigte; sie äußern aber zum Befragungszeitpunkt ein schlechteres allgemeines Wohlbefinden", schreiben sie in ihrer Studie.

Gesundheitsförderung allein reicht nicht

Betriebe könnten ihren Beschäftigten durch das Angebot von Gesundheitsmaßnahmen zeigen, dass sie sich der bestehenden Belastungen bewusst sind und auf diese reagieren, so die Arbeitsmarktforscher.

Sie machen aber auch klar: Beschäftigte in Betrieben, die das gesundheitsbewusste Verhalten ihrer Mitarbeiter fördern, sind im Durchschnitt zwar zufriedener. Gesundheitsförderung sei allerdings nur ein Teilaspekt guter Personalführung und bestimme damit letztlich auch nur einen Teil der subjektiv empfundenen Arbeitsqualität von Beschäftigten.

Neben dem richtigen Umgang mit potenziellen Belastungen bei der Arbeit hänge Arbeitsqualität auch maßgeblich mit Entwicklungsförderung und Wertschätzung durch den Betrieb zusammen. "Beschäftigte in Betrieben, die dies in ihren Personalmaßnahmen berücksichtigen, sind zufriedener und engagierter, fühlen sich stärker ihrem Arbeitgeber verbunden und denken deutlich seltener über einen Arbeitgeberwechsel nach", erklären die Arbeitsmarktforscher.

Mitarbeitergespräche erhöhen Mitarbeiterzufriedenheit

Einen positiven Einfluss von mitarbeiterorientierten Personalinstrumenten konnte auch eine großangelegte Studie nachweisen, über die wir in Ausgabe 03/2016 des Personalmagazins (hier gelangen Sie zur App-Version der Ausgabe) ausführlich berichten. Die Forscher um Professor Dirk Sliwka von der Universität zu Köln stellten unter anderem fest, dass in Betrieben, in denen regelmäßig Mitarbeitergespräche geführt werden, ist die Arbeitszufriedenheit signifikant höher ist.

Den positiven Effekt des umstrittenen Personalinstruments Mitarbeitergespräch erklärt sich Sliwka so: Vorgesetzte würden im Alltag häufig Feedback vermeiden oder einfach vergessen. Durch eine Struktur seien sie gezwungen sind, sich für Mitarbeiter Zeit zu nehmen. Damit kämen Dinge auf den Tisch kommen, die im Alltag untergehen. "Übrigens ist auch die Gesprächsdauer ein signifikanter Prädiktor für die empfundene Qualität der Arbeit", ergänzt Sliwka.

 

Hinweis: Mehr zur Studie und dem Thema "Mitarbeitergespräche" lesen Sie im Titelthema "Wir müssen reden" in Ausgabe 03/2016 des Personalmagazins. Hier können Sie die Ausgabe als App herunterladen.

 

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Schlagworte zum Thema:  Gesundheitsförderung, Gesundheitsmanagement, Mitarbeiterzufriedenheit, Performance-Management, Mitarbeitergespräch, Leistungsbeurteilung

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