Serienelemente
Digitales Lernen in der Praxis: Der Fall des Programmierer Zack Thoutt zeigt, wie digitales lernen attraktiver wird, meint Kolumnistin Gudrun Porath. Bild: pixabay

Der Programmierer Zack Thoutt hat sich in der Szene der „Game of Thrones“-Fans einen Namen gemacht, indem er ein Computerprogramm die Fortsetzung der Serie schreiben ließ. In der HR-Szene steht sein Name nun für gelungene digitale Weiterbildung und für die attraktive Bewerbung von E-Learnings.

Die Geschichte von Zack Thoutt beginnt mit einem Artikel in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ): Darin ging es um die Bücher und die Fernsehserie „Game of Thrones“ des Fantasy-Autors George R. R. Martin. Die Fans der Serie können es kaum erwarten, dass Martin ein neues Buch auf den Markt bringt, dem eine neue Verfilmung folgt. Zu diesen Fans gehört auch der Programmierer Zack Thoutt. Er beschloss, nicht einfach auf die Fortsetzung von Martin zu warten, sondern selbst aktiv zu werden und auf bislang noch außergewöhnliche Weise Fan-Fiction zu erschaffen.

Vom E-Learning über künstliche Intelligenz zur Buchfortsetzung

Er tippte jedoch nicht selbst einfach drauflos, sondern ließ alle bislang erschienenen Folgen von seinem Computer auswerten. Mittels künstlicher Intelligenz eignete sich so ein von ihm konstruiertes Computerprogramm den Stil an, den George R. R. Marin in „Game of Thrones“ verwendet hatte und lernte, welche Ausdrucksweisen und sprachlichen Mittel besonders häufig und in welchen Situationen verwendet wurden. Auf Basis dieser Auswertung schuf das Programm – eine Art künstliches neuronales Netzwerk – nahezu eigenständig fünf kurze Kapitel, die Thoutt auf der Internetplattform „Github“ veröffentlichte.

In einem Nebensatz hatte Thoutt dem Internetportal Motherboard, welches die Nachrichtenquelle der FAZ war, auch gesagt, wie er gelernt hat, ein solches Netzwerk zu nutzen: in einem Kurs über Künstliche Intelligenz und „Deep Learning“ bei der Online-Bildungsplattform Udacity. Das zeigt klar, wie modernes digitales Lernen vom abstrakten Begriff zu einer Attraktion wird, für das sich Menschen interessieren könnten. Es geht weniger um bloße Skills als vielmehr um Themen und um das, was digitales Lernen ermöglicht.

Weiterbildung besser verkaufen: Themen vor Skills stellen

Dass der „Game of Thrones“-Fan Thoutt damit der Plattform  Udacity zusätzliche Aufmerksamkeit brachte, war wohl eher ein Zufall. Wie man für digitales Lernen oder Lernen überhaupt wirbt, hatte das Unternehmen schon vorher erkannt: Um zum Beispiel die einzelnen Module des Kurses „Machine Learning Engineer“ vorzustellen, werden keine technischen Begriffe benutzt. Da heißt es stattdessen, die Überlebenschancen auf der Titanic zu erkunden, die Immobilienpreise in Boston vorherzusagen und einem Auto das autonome Fahren beizubringen.  Das ist spannend statt stupide und vermittelt sogleich eine Vorstellung davon, was beim Lernen herauskommt.

Wenn in den Vordergrund rückt, welchen Sinn und Zweck Lerninhalte haben, welche Möglichkeiten das Lernen eröffnet, dann kommt zuerst die Motivation und danach die Anstrengung. Es könnte ein Modell sein, digitales Lernen attraktiver und ansprechender darzustellen, sei es in der Schule oder in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung.


Über die Kolumnistin: Gudrun Porath ist freie Journalistin. Sie beobachtet unter anderem für www.haufe.de/personal und "Wirtschaft + Weiterbildung" die Trends auf dem E-Learning-Markt. Ihre Schwerpunktthemen sind das Lernen mit digitalen und sozialen Medien.

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI), E-Learning, Weiterbildung, Software, Personalentwicklung

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