Wissenschaft für Praktiker

Editorial


PERSONALquarterly 3/2026

Der demografische Wandel wird in der betrieblichen Praxis zu oft verdrängt. Solange der Handlungsdruck fehlt, bleibt das Thema strategisch unterpriorisiert. Dieses Schwerpunktheft tritt dem entgegen und versammelt fünf Beiträge, die zeigen, wie weitreichend die Konsequenzen des demografischen Wandels für HR-Verantwortliche bereits heute sind.

Der Schwerpunkt startet mit einem Interview: Jürgen Deller, einer der profiliertesten deutschen Forscher zum Altersmanagement, räumt mit einem häufigen Missverständnis auf. Demografiemanagement ist kein Seniorenprogramm, sondern eine altersinklusive Aufgabe. Katharina Wrohlich vom DIW Berlin und der Universität Potsdam analysiert den Gender Pay Gap und zeigt, dass die Lohnlücke stark nach Region, Branche und Alter variiert. Carolina Opitz und Florian Kunze von der Universität Konstanz untersuchen die Schnittstelle zwischen demografischem Wandel und KI-Transformation. Ihre repräsentative Studie zeigt, wie Alter die Einstellungen gegenüber KI und die Weiterbildungsbereitschaft beeinflusst und welche organisationalen Rahmenbedingungen altersbedingte Unterschiede abmildern. Oliver Stettes vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln setzt den gesamtwirtschaftlichen Rahmen: Der Renteneintritt der Babyboomer-Jahrgänge wird das Arbeitsvolumen in Deutschland dauerhaft verringern. Nadine Schlömer-Laufen und Rosemarie Kay vom IfM Bonn zeigen, warum klassische HR-Instrumente der Nachfolgeplanung bei Familienunternehmen nicht greifen.

Die Folgen des demografischen Wandels verstehen

So ergibt sich ein vielschichtiges Bild: Demografischer Wandel ist weit mehr als eine Frage des Personalabbaus oder der Rentenübergänge. Er verändert Eigentümerstrukturen, entscheidet über den Erfolg der KI-Transformation und prägt Lohnstrukturen. Das HRM ist gefordert, systemisch zu denken, statt reaktiv auf den nächsten Engpass zu warten.

Wir wünschen eine anregende Lektüre!


Schlagworte zum Thema:  PERSONALquarterly
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