Corona-Krise: Talent Empowerment und interne Talentmobilität

Corona hat gezeigt, wie flexibel, kreativ und produktiv Menschen Herausforderungen annehmen und gestalten – wenn man sie denn lässt. In vielen Unternehmen haben Mitarbeitende in den vergangenen Monaten über Teamgrenzen hinweg virtuell zusammengearbeitet. Darauf sollten wir aufbauen: mit interner Talentmobilität.

Keine Frage: Corona ist die größte Herausforderung für Gesellschaft und Wirtschaft, die wir in Deutschland seit vielen Jahrzehnten erleben. Etwas Vergleichbares gab es bislang eigentlich nicht. Die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen haben wohl dazu beigetragen, die Ausbreitung des Virus zu kontrollieren – der Preis dafür ist eine Rezession.

Corona-Krise: Kostensenkungen stehen vielerorts im Vordergrund

Entsprechend standen die vergangenen Wochen bei vielen Unternehmen unter dem Vorzeichen, das Überleben zu sichern. Kostensenkungen standen im Vordergrund. Dank der Kurzarbeitsregelung hat Corona in Deutschland nicht zu Massenentlassungen geführt. Im Vergleich zu den USA, wo sich innerhalb weniger Tage Millionen Menschen arbeitslos melden mussten, sind wir in Deutschland bislang glimpflich davongekommen.

Remote Work ist in der Corona-Krise zum Standard geworden

Das hat seinen Grund zum einen in der massiven staatlichen Unterstützung von Unternehmen, die wochenlang schließen oder die Produktion zurückfahren mussten. Zum anderen haben viele Unternehmen extrem schnell und flexibel reagiert, indem sie Millionen MitarbeiterInnen quasi über Nacht in die Homeoffices geschickt haben. Über Nacht wurde möglich, was bis dato als unvorstellbar galt: Remote Work wurde Standard. All die Diskussionen über Sinn und Unsinn von Homeoffice waren innerhalb weniger Tage Makulatur. Wenn man so will, haben sich Millionen Menschen Mitte März auf eine Lernreise begeben, die noch lange nicht zu Ende ist.

Mitarbeiter zeigen im Homeoffice eine große Flexibilität

Dies war nur möglich, weil die Menschen mitgemacht haben. Weil sie bereit und offen dafür waren, ihre gewohnten Arbeitsweisen über den Haufen zu werfen und sich vorbehaltlos auf neue Wege zu begeben. Das dürfen wir bei allen Diskussionen über die Zeit nach Corona nicht vergessen. So viele Menschen haben den Sprung in neue Formen der Zusammenarbeit gewagt, in Nullkommanichts den Umgang mit Videokonferenzsystemen und Tools für die digitale Zusammenarbeit gelernt und in den Teams sowie teamübergreifend zusammengearbeitet. Und das unter oft erschwerten Bedingungen, weil viele zusätzlich Kinderbetreuung und Homeschooling meistern mussten.

Umso erstaunlicher ist, was die Menschen in diesen Monaten geleistet haben: Kostensenkungen umgesetzt, das Produktportfolio an die neue Situation angepasst. Neue Wege in der Vermarktung und im Vertrieb von Angeboten des Unternehmens gefunden, bestehende Produkte und Services erweitert und weiterentwickelt. Oder komplett neue Geschäftsfelder eröffnet und neue Geschäftsmodelle etabliert. Die vergangenen Wochen haben eindrücklich gezeigt, was alles geht und zu welchen Leistungen Menschen im Stande sind – wenn man sie denn lässt.

Talent Empowerment: Interne Mobilität für mehr Innovation

Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Umgang mit Corona: Menschen wollen wirksam sein, sie möchten etwas bewegen und Dinge voranbringen. Damit das gelingt, brauchen sie ein Umfeld, in dem das möglich ist. In dem sie sich und ihre Fähigkeiten entfalten können. Das ist der Kern dessen, was ich Talent Empowerment nenne: die Überzeugung, dass Menschen etwas bewegen möchten. Und dass sie dafür die passenden Rahmenbedingungen brauchen.

Vor kurzem ist in dieser Serie "Führen in der Krise" der beeindruckende Bericht darüber erschienen, wie der Geschäftsreisenspezialist Baldaja aus Oberhausen innerhalb ganz kurzer Zeit ein völlig neues Geschäftsfeld eröffnet und sich als Anbieter einer Plattform für virtuelle Events positioniert hat. Die Mitarbeiter dort haben aus den Homeoffices heraus bereichs- und teamübergreifend in wenigen Wochen ein neues Angebot entwickelt und auf den Markt gebracht.

Es gibt zahlreiche weitere Beispiel für entsprechendes Engagement und Intrapreneurship. Sei es der Messebauer aus Freiburg, der sofort auf die Produktion von Spuckschutzwänden aus Plexiglas umgestellt und seine MitarbeiterInnen nach wenigen Tagen aus der Kurzarbeit zurückgeholt hat. Oder das Start-up Artnight, das mit den Kontaktbeschränkungen sein Geschäftsmodell über Nacht verloren hatte und innerhalb weniger Tage auf virtuelle Begegnungen umgestellt und dafür einen davor nicht geplanten Online-Shop eröffnet hat.

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Skill-basierte Teambildung als Ziel

All dies und mehr macht eines deutlich: Vieles scheinbar Unmögliche wird möglich, wenn Menschen mit den passenden Skills zusammenkommen und an den passenden Projekten arbeiten. Ob bei Baldaja oder Artnight – die Mitarbeitenden waren flexibel und mobil innerhalb des Unternehmens und haben sich dort eingebracht, wo sie wirksam werden konnten. In meinen Augen ist diese "interne Talentmobilität" ein interessanter und gangbarer Weg, mit Mitarbeitern neue, zukunftsgerichtete Geschäftsideen zu entwickeln. Vor allem in Krisenzeiten wie den aktuellen. Aber nicht nur.

Interne Talentmobilität ist im Kern ein interner Stellenmarkt

Im Kern ist interne Talentmobilität ein interner Stellenmarkt, auf dem neue Projekte und die Skills und Fähigkeiten, die für das neue Projekt benötigt werden, ausgeschrieben werden. Offen, transparent und für alle sichtbar. Und Mitarbeiter können sich auf diese Projekte bewerben. Sie können das schnell tun, weil sie ihr Profil ebenfalls offen, transparent und für alle sichtbar auf dem Marktplatz veröffentlicht haben. Mit all ihrem Wissen, Können und Erfahrung. Auch und gerade mit den Dingen, die nicht aus der aktuellen Jobbeschreibung und Aufgabenstellung ersichtlich sind. So können einfach und in kurzer Zeit neue, crossfunktionale Teams entstehen, die an neuen Themen arbeiten – zeitlich begrenzt oder dauerhaft.

Offene Unternehmenskultur als Voraussetzung der Talentmobilität

Dieser interne Marktplatz für Mobilität setzt voraus, dass Unternehmen Mitarbeiter wollen, die über den Tellerrand schauen. Er ist zugleich Ausdruck und Gravitationszentrum einer offenen, innovativen und auf Zusammenarbeit ausgerichteten Unternehmenskultur. Einer Unternehmenskultur, die unternehmerisches Denken fördert, Experimente zulässt und Fehler akzeptiert. Kurz: einer Mut-Kultur, die Menschen dabei unterstützt, sich zu entwickeln. Und die permanentes Lernen ermöglicht – im Austausch von Mensch zu Mensch, mithilfe von Wissens-Nuggets, die jede und jeder nach Bedarf nutzen kann oder über Job-Rotation.

Talent Empowerment ist Grundlage für den unternehmerischen Erfolg

Denkbar ist eine Lernplattform, auf der selbstproduzierte Videos, Youtube-Videos, User Generated Content der Mitarbeiter, Schulungen, E-Learning-Einheiten und Artikel zur Verfügung stehen und die alle im Unternehmen nutzen können und sollen. Selbstgesteuert und interessengeleitet. Alle können ihre Lernfortschritte in ihren Profilen auf dem Mobilitätsmarktplatz hinterlegen und sich so für neue Projekte ins Gespräch bringen.

Diese Form des Talent Empowerment, das MitarbeiterInnen fördert, unterstützt und begleitet, ist die entscheidende Grundlage für den langfristigen unternehmerischen Erfolg. Weil es die Basis legt für Innovationen und sicherstellt, dass Unternehmen schnell und flexibel, im besten Sinne agil, auf Herausforderungen aus dem Markt reagieren können. Talent Empowerment macht Menschen und damit Unternehmen zu Gestaltern der eigenen Zukunft. Wir müssen nur anfangen.


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