In Zusammenarbeit mit Techniker Krankenkasse

Kapitel
Dr. Jens Baas ist Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse. Bild: Techniker Krankenkasse

Einen Blick in die Zukunft werfen wollte der TK-Vorstandsvorsitzende Jens Baas mit der großen Trendstudie "#whatsnext BGM". Viele Studienergebnisse haben seine Ansicht bestätigt, manche überraschen. Hier spricht er über die wichtigsten Erkenntnisse zum künftigen betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Haufe Online-Redaktion: Was hat Sie an den Ergebnissen der Studie "#whatsnext BGM" am meisten überrascht?

Jens Baas: In knapp vier von zehn Unternehmen passiert laut unserer Umfrage in Sachen Gesundheitsmanagement nichts, es werden höchstens einzelne Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) angeboten. Und vermutlich gibt es noch eine große Dunkelziffer, da an einer solchen Studie erfahrungsgemäß eher diejenigen teilnehmen, die sich für das Thema schon interessieren. Auf die Frage, was es braucht, um das betriebliche Gesundheitsmanagement weiterzuentwickeln, ist die Top-Antwort: den stärkeren Einsatz der Führungskräfte. Das sagen neun von zehn Befragten.

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Damit zeigt die Studie, dass die Führungskräfte die wichtigste Stellschraube für ein erfolgreiches BGM sind. Die Zustimmung zu diesem Befund fällt bei den Geschäftsführern selbst – wenig überraschend – geringer aus. Aber auch von ihnen benennen 63 Prozent die Führungskräfte, also auch sich selbst, als wichtigsten Erfolgsfaktor. Auf den weiteren Plätzen der ausschlaggebenden Kriterien für ein gutes BGM stehen das Engagement der Unternehmensleitung und personelle Ressourcen mit jeweils 74 Prozent. Sieben von zehn Befragten finden, dass es auch einen größeren finanziellen Aufwand braucht.

Haufe Online-Redaktion: Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Botschaften?

Baas: Unternehmen machen es sich manchmal zu leicht, sie widmen sich eher der Verhaltens- als der Verhältnisprävention. Mit Einzelmaßnahmen wie einem Stresspräventionskurs nehmen sie die Mitarbeiter in die Pflicht, verändern aber nicht die ungesunden Arbeitsprozesse in ihrer Organisation, die die Ursache für den Stress sind. Bei den heutigen Erwerbsbiografien geht es aber um die Langstrecke – der demografische Wandel und die Rente mit 67 werden unsere Lebensarbeitszeit verlängern. Und da wir uns nicht über die Ziellinie quälen wollen, müssen wir dafür sorgen, unsere Arbeitswelt gesund zu gestalten.

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Haufe Online-Redaktion: Wo gibt es den größten Handlungsbedarf für die Unternehmen?

Baas: "Mitarbeitern den Rücken stärken" – das geht am besten, indem man ihnen den Rücken freihält, damit sie ihren Job gut machen können. Das bringt mehr als eine Rückenschule. Dafür braucht es vor allem eine gesunde Unternehmenskultur. Deshalb müssen wir Unternehmen und Einrichtungen des öffentlichen Diensts weiter sensibilisieren und BGM-Verantwortliche qualifizieren. Geld allein schießt bekanntlich keine Tore. Ohne geht es allerdings auch nicht: Wer als Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich sein will, muss in die Gesundheit seiner Beschäftigten investieren – finanziell und personell. Der Gesetzgeber hat mit dem Präventionsgesetz den Rahmen geschaffen, die Krankenkassen haben ihren Einsatz erhöht, aber ohne die Anstrengung der Unternehmen gibt es kein nachhaltiges und zukunftsfähiges BGM. Vier von zehn Befragten gehen davon aus, dass sich das BGM-Budget in den nächsten fünf Jahren erhöhen wird. Das ist gut, aber nicht genug.

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Haufe Online-Redaktion: Welche Veränderungen in der Arbeitswelt erwarten Sie vor dem Hintergrund der Digitalisierung?

Baas: Die digitale Transformation eröffnet uns völlig neue Möglichkeiten und bringt Arbeitserleichterungen. Die körperliche Belastung nimmt ab. Digitalisierung und globalisierte Märkte stellen aber auch höhere Ansprüche an Flexibilität, Informationsverarbeitung und Agilität. Menge und Komplexität der Arbeit sind laut unserer Studie die Themen, die nach Ansicht der Befragungsteilnehmer am stärksten an Bedeutung gewinnen. Auch die ständige Erreichbarkeit, Arbeitsunterbrechungen und Mobilität stehen weit vorn. Arbeit wird durch Digitalisierung immer mobiler. Teams arbeiten von vielen Standorten aus zusammen. Das bedeutet, dass auch digitale Führung ein immer größeres Thema wird und dass wir dafür auch digitale Lösungen für das Gesundheitsmanagement brauchen.

Haufe Online-Redaktion: Wie können Unternehmen ihre Beschäftigten darauf vorbereiten?

Baas: Themen wie "Leistungsfähigkeit" und "Motivation" sind intrinsisch, sie müssen von den Beschäftigten kommen. Sie können nicht einfach verordnet werden. Aber die Unternehmen können viel dafür tun. Je besser man kommuniziert, die Beteiligten abholt und ihnen die Chance gibt, den Sinn von Veränderung zu verstehen, desto größer ist die Akzeptanz. Ausgleichsstrategien, Achtsamkeit, Resilienz und Burn-out-Prophylaxe sind und werden in Zukunft wichtig. Das bedeutet allerdings auch, dass Beschäftigte noch mehr gefordert sind, sich eigenverantwortlich um ihre Gesundheit zu kümmern. Mit ihrem Lebensstil – auch außerhalb der Arbeitszeit – stellen sie die Weichen für ein gesundes Leben. In der digitalen Arbeitswelt, in der die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer mehr verschwimmen, in der Führungskräfte und Kollegen manchmal weit weg sind, müssen wir diese Eigenverantwortung stärken.

Dr. Jens Baas ist Vorsitzender des Vorstands der TK und hat die Studie "#whatsnext – Gesund arbeiten in der digitalen Welt" mitinitiiert.

Hier lesen Sie eine Zusammenfassung der "#whatsnext"-BGM-Studie.

Die komplette "#whatsnext"-BGM-Studie steht hier zum kostenlosen Download bereit.

Das Interview führte Katharina Schmitt, Redaktion Personalmagazin

Schlagworte zum Thema:  Gesundheitsmanagement, Betriebliches Gesundheitsmanagement

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