In Zusammenarbeit mit Techniker Krankenkasse

Flexible Arbeitszeiten gelten als eine der großen Errungenschaften der modernen Arbeitswelt. Doch gerade unregelmäßige Arbeitszeiten und Schichtdienst rauben vielen Beschäftigten den Schlaf. Eine neue Studie der TK zeigt die Bedeutung des Schlafs für Arbeitnehmer.      

Die meisten Menschen in Deutschland sind ausgeschlafen: Zwei von drei Erwachsenen schlafen gut oder sehr gut - das geht aus der Studie "Schlaf gut, Deutschland" hervor. Im verbleibenden Drittel, das nur mittelmäßig, schlecht oder sehr schlecht schläft, ist allerdings der Anteil der Berufstätigen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten oder Schichtdienst sehr hoch. 40 Prozent der sogenannten Flex-Beschäftigten klagen über schlechte Schlafqualität, die Hälfte schläft höchstens fünf Stunden.

Schlaf als Beitrag zum betrieblichen Gesundheitsmanagement

Der Produktivität im Arbeitsleben ist das nicht zuträglich: Wer nicht ausreichend schläft, wird krank und gefährdet nicht nur die eigene Gesundheit, sondern steigert auch das Unfallrisiko und die Fehlerquote im Job, so die Ergebnisse der Studie.

Der Mensch muss sich erholen, um kreativ und leistungsfähig zu sein. "Im Schlaf sortiert das Gehirn seinen Zwischenspeicher. Dafür muss das System herunterfahren, das ist im laufenden mentalen Betrieb nicht möglich", so TK-Chef Dr. Jens Baas. "Gerade in einer Wissensgesellschaft wie der unseren ist erholsamer Schlaf nicht nur physiologisch, sondern auch gesellschaftlich wichtig. Deshalb sollten wir unser Schlafverhalten optimieren, nicht rationalisieren." Schlaf gehört nach einer früheren Auswertung der TK zu den Themen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements, die derzeit am meisten bei der Krankenkasse nachgefragt werden.

Flexible Arbeitszeiten prallen gegen innere Uhr

Laut der Studie liegt der Anteil der Flex-Beschäftigten in Deutschland mittlerweile bei 30 Prozent. Und der Bedarf steigt mit dem Anspruch der Verbraucher, rund um die Uhr alles erledigen zu können. Digitalisierung und internationale Märkte fördern Produktion, Handel und Logistik, verändern auch die Arbeitswelt und die Anforderungen an die Beschäftigten.

Die innere Uhr des Menschen tickt im Tag-Nacht-Rhythmus, ist also am Tag auf Aktivität und in der Nacht auf Ruhe programmiert. Sie lässt sich bei allem gesellschaftlichen Hang zur Selbstoptimierung nicht verstellen. So geben 42 Prozent der Schichtarbeiter in der TK-Schlafstudie an, dass sie Umstellungs- und Schlafprobleme haben, wenn sich ihr Schichtplan ändert. Untersuchungen zeigen, dass Beschäftigte bei gleicher Tätigkeit zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich beansprucht werden.

Wer flexible Arbeitszeiten hat, bekommt auch insgesamt weniger Schlaf. 37 Prozent schlafen höchstens fünf Stunden – Gesundheitsexperten empfehlen sechs Stunden als Mindestschlafpensum eines Erwachsenen. Das entspricht auch etwa dem durchschnittlichen Schlafpensum der Erwachsenen in Deutschland insgesamt.

Smartphone und beruflicher Stress stören die Nachtruhe

Beruflicher und privater Stress bringen nach der Erhebung der TK jeweils drei von zehn Menschen in Deutschland regelmäßig um den Schlaf. Besonders groß ist der Stress, wenn Familie und Beruf unter einen Hut gebracht werden müssen. 41 Prozent der Studienteilnehmer, die mit Kindern im Haushalt leben, berichten von beruflichem Stress, der sich negativ auf ihren Schlaf auswirkt. Bei denen, die keine Kinder im Haushalt haben, sind es 24 Prozent. 

Aber auch Betroffene selbst können viel dazu beitragen, dass sie gut durch die Nacht kommen. Gewohnheiten und Umstände, die den gesunden Schlaf fördern, bezeichnen Experten als Schlafhygiene. So beklagen 41 Prozent die Zimmertemperatur, 23 Prozent konsumieren vor dem Schlafen schwere Mahlzeiten und 15 Prozent koffeinhaltige Getränke. Bei sieben Prozent der Erwachsenen liegt das Smartphone auf dem Nachttisch oder unter dem Kopfkissen. Besonders hoch ist der Anteil bei den Unter-30-Jährigen: Hier stört das Handy bei jedem Fünften den Schlaf.

Mittagsschlaf und Powernapping für Schichtarbeiter

Wer in Schicht arbeitet, sollte auch in Schichten schlafen: Gesundheitsexperten empfehlen das sogenannte Powernapping am Tag vor allem denjenigen, die ansonsten nicht auf sieben Stunden Schlaf pro Tag kommen. Die Studienautoren machen sich stark für den Mittagsschlaf: Drei von zehn Erwachsenen geben in der Befragung an, dass sie gerne einen Mittagsschlaf machen würden. Bei den Beschäftigten, die auch Nachtschicht arbeiten, ist der Anteil mit 39 Prozent besonders hoch.

Doch Schlafpausen und Mittagsschlaf werden in Deutschland als Schwäche und Produktionshemmer  angesehen, erklärt Dr. Utz Niklas Walter, Leiter des Instituts für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG), bei der Vorstellung der TK-Studie. Vor allem in Deutschlands Betrieben und Behörden sei das Thema Schlaf nicht akzeptiert: „Wer sich am Nachmittag für einen Mittagsschlaf zurückzieht, wird häufig belächelt. Wer hingegen nahezu ohne Pausen durcharbeitet, gilt als fleißig," erklärt Walter.

Solange Erwerbstätige aber ihrem erhöhten Schlafbedürfnis am Nachmittag nicht nachgehen könnten, würden enorme Chancen für Produktivitätszuwächse und höheres Wohlbefinden verschenkt. Walter verweist dazu auf zahlreiche Studien, die sich auf den Nutzen von Schlafpausen beziehen. So gelten etwa positive Auswirkungen auf Grundgestimmtheit, kognitive Leistungsfähigkeit und Aufmerksamkeit als nachgewiesen. Lediglich bei Personen mit Schlafstörungen sei Vorsicht geboten, da eine mittägliche Schlafperiode den Schlafdruck am Abend reduzieren kann. Für unmittelbare Leistungsverbesserungen empfiehlt Walter eine Schlafpause am Mittag, die nicht länger als 15 Minuten dauern sollten.        

Gesunder Schlaf als Handlungsfeld  im BGM

Als Handlungsfelder im betrieblichen Gesundheitsmanagement lassen sich, so das Fazit der Studienautoren, insbesondere zwei Handlungsfelder identifizieren: Das sei zum einen Aufklärung zum Nutzen von Schlaf auf allen Führungsebenen, zum zweiten eine Anpassung der Verhältnisse im Unternehmen. Gemeint sind damit etwa Veränderungen betrieblicher Pausenregelungen oder die Schaffung von Rückzugsmöglichkeiten. Außerdem können hohe Hygienestandards, klare Verhaltensregeln und schalldämmende Sichtschutzwände die Akzeptanz der Rückzugsorte bei Beschäftigten erhöhen.


Für die Praxis 

zum Download der TK-Studie "Schlaf gut, Deutschland"

Tipps und Handlungshilfen der TK für Führungskräfte von Schichtarbeitern


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