In Zusammenarbeit mit Techniker Krankenkasse

Kapitel
Bild: IFBG

Flyer auf Toiletten, Guerilla-Marketing oder auch Überraschungsbesuche am Arbeitsplatz: Der Leiter des Instituts für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG), Utz Niklas  Walter, gibt einen Einblick in ungewöhnliche Ansätze, die das Gesundheitsbewusstsein wecken.

Die besten Gesundheitsangebote nützen nichts, wenn von Seiten der Mitarbeiter kein Interesse besteht.  Doch wie werden – insbesondere bisher eher gesundheitsferne – Mitarbeiter erreicht? Betriebliche Gesundheitskommunikation ist hier eine wichtige Stellschraube. Immer mehr Unternehmen greifen zu immer progressiveren Wegen, um das Gesundheitsbewusstsein ihrer Mitarbeiter zu steigern und ihre Gesundheitsangebote bekannt zu machen.

Je näher Gesundheitsangebote an den Arbeitsplätzen stattfinden, desto wahrscheinlicher ist es, dass auch die weniger gesundheitsaffinen Beschäftigten daran teilnehmen. Angelehnt an Maßnahmen aus dem Bereich "Ambient Media", bei dem Werbemittel im direkten Lebensumfeld der Zielgruppen platziert werden, können dementsprechend zur Gesundheitskommunikation beispielsweise Flyer zum Grippeschutz auf den Toiletten, Informationen zum Trinken an Wasserspendern oder Details zum Mehrwert von Treppensteigen in Fahrstühlen ausgelegt werden.  

Gesundheits-Flashmob: Überraschung in der Produktionshalle

Auf einen Überraschungseffekt setzt der sogenannte Gesundheits-Flashmob, der auf Maßnahmen aus dem Bereich Guerilla-Marketing zurückgreift. Umgesetzt wurde er vom IFBG bereits erfolgreich im Produktionsbereich. Zum Ablauf: Geschäftsführung, Betriebsrat, Führungskräfte, BGM-Beauftragte und externe Trainer betraten unangekündigt die Werkhalle und verteilten sich auf den Produktionsflächen. Die Bänder wurden für einige Minuten abgestellt, was den Überraschungseffekt für die Beschäftigten erhöhte. Dann führten die Besucher bestimmte Trainingsübungen im Sinne einer zuvor einstudierten Choreographie durch – vor den verdutzten Beschäftigten. Mittels Trillerpfeife signalisierten die externen Trainer nach und nach einen Wechsel der Übungen, was für zusätzliches Staunen bei den Beschäftigten sorgte. Im Anschluss an die etwa fünfminütige Choreographie wurden die Beschäftigten aufgefordert mitzumachen. Auf diese Weise wurden sie auch gleich aktiv eingebunden. 

Erst danach wurden die Beschäftigten über die anstehenden Gesundheitskurse im Unternehmen informiert. Auch die Geschäftsführung richtete einige persönliche Worte an die Anwesenden und warb für das BGM.

Die dabei entstandenen Fotos des Gesundheits-Flashmobs wurden im Nachgang über die unterschiedlichen Kanäle im Unternehmen gestreut. Die Rückmeldungen seitens der Belegschaft waren sehr erfreulich. Besonders das Mitwirken der oberen und mittleren Führungsebene wurde positiv hervorgehoben.

Aufsuchende Schlafberatung als neuer Ansatz

Ein ganz neuer Ansatz ist auch, Schlafberatung in direkter Arbeitsplatznähe anzubieten. Das IFBG hat dies ebenfalls in einem Produktionsbereich während der Nachtschicht praktiziert: Die Beschäftigten wurden zunächst in Abstimmung mit den Führungskräften zu einem kurzen interaktiven und praxisnahen Impulsvortrag in die Pausenräume gebeten. Die Produktionsbänder standen in der Zeit still. In knapp 30 Minuten wurden allgemeine Fragen zum Leben in Schichtarbeit und zum Schlaf beantwortet. Im Anschluss wurden die Beschäftigten direkt an den Arbeitsplätzen aufgesucht und konnten im persönlichen Gespräch ihre konkreten Schlafprobleme ansprechen. 

Meist halfen den Beschäftigten schon einfache praktische Tipps, um ihre Schlafqualität zu verbessern, eine nachhaltige Veränderung erfordert jedoch eine kontinuierliche Unterstützung durch Wiederholung.


Über den Autor:

Dr. Utz Niklas  Walter ist Leiter des Instituts für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG). Das Insitut hat in Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse und der Haufe Gruppe die Studie "#whatsnext – Gesund arbeiten in der digitalen Arbeitswelt" erstellt. Die Studie können Sie hier herunterladen.

Schlagworte zum Thema:  Betriebliches Gesundheitsmanagement, Gesundheitsmanagement

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