Trinkgeld / Lohnsteuer

1 Trinkgelder als Arbeitslohn von dritter Seite

Zum Arbeitslohn gehören alle Vorteile, die für eine Beschäftigung im öffentlichen oder privaten Dienst gewährt werden. Dies gilt auch für die Zuwendung eines Dritten, wenn diese ein Entgelt "für" eine Leistung bildet, die der Arbeitnehmer im Rahmen des Dienstverhältnisses für seinen Arbeitgeber erbringt, erbracht hat oder erbringen soll. Voraussetzung ist, dass sie sich für den Arbeitnehmer als Frucht seiner Arbeit für den Arbeitgeber darstellt und im Zusammenhang mit dem Dienstverhältnis steht. Trinkgelder stellen sich als Frucht der Arbeit dar, wenn sie im zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit der Leistung stehen.[1] Der Arbeitgeber ist auch zum Lohnsteuereinbehalt für von einem Dritten im Rahmen des Dienstverhältnisses gewährten Arbeitslohn verpflichtet.[2]

2 Steuerfreie freiwillige Trinkgelder

Freiwillige Trinkgeldzahlungen, die der Arbeitnehmer anlässlich von Dienstleistungen von Dritten erhält, stellen Entgelt für die erbrachte Leistung und damit Arbeitslohn dar.[1] Freiwillige Trinkgelder sind in voller Höhe steuerfrei.[2] Deshalb ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet, Trinkgelder im Lohnkonto aufzuzeichnen und der Arbeitnehmer muss steuerfreie Trinkgelder dem Arbeitgeber nicht anzeigen. Zu den steuerfreien Trinkgeldern gehören auch die üblichen Geldgeschenke zu Weihnachten und Neujahr, z. B. an Post- und Zeitungsboten, Arbeiter der Müllabfuhr, Hausmeister usw.

 
Wichtig

Keine Steuerfreiheit für Zahlungen aus einem Spielbanktronc

Unter das Trinkgeld[3] fallen begrifflich zusätzliche Vergütungen, die der Gast oder Kunde dem Arbeitnehmer zur Honorierung der erbrachten (Dienst-)Leistung erbringt.[4] Steuerfreies Trinkgeld setzt deshalb ein Mindestmaß an persönlicher Beziehung zwischen Trinkgeldgeber und -nehmer voraus. Trinkgelder, die in Spielbanken von den Gästen in den sog. Tronc[5] gegeben werden, gehören nach der Verteilung an das Spielbankpersonal in voller Höhe zum steuerpflichtigen Arbeitslohn.[6]

Freiwillige Sonderzahlungen an Arbeitnehmer konzernverbundener Unternehmen sind keine steuerfreien Trinkgelder, sondern steuerpflichtige sonstige Bezüge. Es fehlt das für den Trinkgeldbegriff charakteristische Gast- bzw. Kunden-Dienstleistungsverhältnis.[7]

3 Steuerpflichtige Trinkgelder

Lohnsteuerpflichtig sind Trinkgelder, auf die der Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch hat. Zu den steuerpflichtigen Trinkgeldern, auf die der Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch hat, gehören z. B.

  • der Bedienungszuschlag von 10 % oder 15 % im Gaststättengewerbe,
  • das Metergeld im Möbeltransportgewerbe und
  • das Treppengeld im Kohlehandel.

Sie sind zusammen mit dem übrigen Arbeitslohn des Lohnzahlungszeitraums zu besteuern.

Ist das Trinkgeld steuerpflichtig, haftet der Arbeitgeber für die richtige Ermittlung des Trinkgeldbetrags und demgemäß auch für die zutreffende Einbehaltung der Lohnsteuer. Ob der Arbeitnehmer Trinkgelder mit Rechtsanspruch oder freiwillige Trinkgelder erhält, muss von Fall zu Fall festgestellt werden. Nicht zulässig ist es, Pflichttrinkgelder in steuerfreie freiwillig gezahlte Trinkgelder umzudeuten. Geschenke des Arbeitgebers an seinen Arbeitnehmer sind keine Trinkgelder und steuerpflichtig.

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