Repetitive Strain Injury (RSI)

Zusammenfassung

 

Begriff

RSI ist ein internationaler Fachbegriff, der in der deutschen Übersetzung "Schädigung durch wiederholte Belastung" bedeutet. Er wird von Arbeitsmedizinern und Ergonomie-Spezialisten zur Beschreibung für arbeitsbedingte Muskel-Skelett-Erkrankungen an Bildschirm-Arbeitsplätzen benutzt, die verursacht werden durch:

  • extrem schnelle Bewegungen und extrem häufige sich ständig wiederholende gleichartige Bewegungen (Tastatur- und Mausarbeit, Klick/Doppelklick),
  • zig-tausendfache Wiederholungen (Repetitionen),
  • schlechte ergonomische Arbeitsbedingungen,
  • schlechte Arbeitshaltung,
  • Stress, Zeitdruck,
  • fehlende Pausen,
  • fehlende Mischarbeit,
  • den überwiegenden Teil der Arbeitszeit am Bildschirm.

1 Wie entsteht RSI?

Obwohl RSI sich zur typischen Berufserkrankung des Multimedia-Zeitalters entwickelt hat, war das Krankheitsbild schon im Mittelalter bekannt. Die stereotypen Bewegungen der Landsknechte, die auf den langen Märschen stundenlang trommelten, führten zur sog. "Trommlerlähmung". Dabei wurde die Strecksehne des Daumens einseitig überfordert.

Sehnen und Muskeln können durch schnelle, kurze und täglich zig-tausendfach wiederholte Bewegungen (z. B. einseitige Mausarbeit) so geschädigt werden, dass sie sich in der nächtlichen Ruhephase nur unzureichend erholen. Die am nächsten Tag noch nicht vollständig reparierten Schäden summieren sich bei weiterer Bildschirmarbeit und im Verlaufe eines mehrjährigen Berufslebens zu Schmerzen und Funktionseinschränkungen. Die geschädigten und verkürzten Muskeln und Sehnen vermitteln Schmerzempfindungen.

2 RSI in Deutschland

RSI ist in Deutschland nahezu unbekannt. Es gibt viele RSI-Betroffene, aber die neue "Krankheit des Multimedia Zeitalters" ist nicht anerkannt. In den Niederlanden, England und Australien haben sich RSI-Zentren etabliert, in denen Betroffene medizinisch kompetent betreut werden. In Deutschland hingegen stehen RSI-Erkrankte alleine mit ihrer Krankheit da und haben nicht selten eine Odyssee auf der Suche nach Ärzten, die helfen können, hinter sich. In der Medizin ist der Begriff RSI noch nicht etabliert. 

3 Welche Symptome treten auf?

Die Intensität und die Lokalisation der Symptome eines RSI-Syndroms wechseln häufig, in manchen Fällen täglich. Meist sind die Symptome schon im Ruhezustand vorhanden und verschlimmern sich rasch, nachdem die Arbeit wieder aufgenommen wurde. Bei intensiver Tastatur- und/oder Mausarbeit ohne entsprechende regelmäßige Pausen kommt es zu kleinsten Muskelfaserrissen. Diese Muskelschmerzen werden im Anfangsstadium jedoch kaum wahrgenommen. Eine automatische Schonhaltung und Unterdrückung der Schmerzen sowie beruflicher Stress "Ich muss unbedingt noch fertig werden!!!" verhindern den notwendigen Heilungsprozess. Es entstehen weitere Muskelrisse und Schäden an den Sehnen, die zu mechanischer Reibung in den Sehnenscheiden und Handgelenken führen.

Das RSI äußert sich durch:

  • steife Gelenke in Schultern, Armen und Händen,
  • Schmerzen in Gelenken, Handrücken, Unterarm,
  • Kraftlosigkeit,
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Fingern, Händen oder Unterarmen,
  • Kalte und schmerzende Hände vor allem morgens,
  • Koordinationsstörungen der Arme und Hände.

4 Wie kann man dem RSI-Syndrom vorbeugen?

Einige Dinge kann man sofort ändern, um eine RSI-Erkrankung zu vermeiden: Die wichtigsten Vorbeugemaßnahmen sind regelmäßige Pausen beim Schreiben am Computer, z. B. Pausenprogramme i. V. mit Dehn- und Entspannungsübungen.

  • den Arbeitsplatz systemergonomisch gestalten,
  • die ergonomischen Eingabegeräte richtig nutzen (Trackball, optische Maus, V-förmige Tastatur) (Bildschirm-Kompetenztraining),
  • ergonomisch richtige Arbeitshaltung (Bildschirm-Kompetenztraining),
  • Mausklickgeschwindigkeit auf langsam stellen, Tastenkombinationen (Shortcuts) nutzen und die Mausarbeit möglichst vermeiden,
  • Mischarbeit zur Entlastung der Hände und Arme,
  • Füßchen der Tastatur einklappen,
  • Schreiben mit 10 Fingern,
  • Hand entspannen.

5 Berufskrankheit RSI?

Australien erkannte 1984 als erstes Land RSI als Berufskrankheit an. In Australien, Kanada und den USA ist RSI heute die Berufskrankheit Nummer eins. In den Ländern der Europä­ischen Union befasst man sich seit 1999 sehr intensiv mit dem Thema RSI. Die Ergebnisse wurden von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit in einem umfangreichen Bericht veröffentlicht ("Schädigungen durch wiederholte Belastungen (RSI) in den EU-Mitgliedsstaaten" vom August 2000). Die Zahlen verdeutlichen, dass sich die RSI-Erkrankungen in den letzten Jahren in den EU-Staaten weiter verbreitet haben.

Obwohl die durch jahrelange Bildschirmarbeit verursachte Schmerzkrankheit (Repetitive Strain Injury) seit Jahren diskutiert wird und in vielen Ländern längst als Berufskrankheit anerkannt ist, wird sie hierzulande i. d. R. kaum als solche akzeptiert.

Für die Anerkennung einer Erkrankung als Berufskrankheit müssen in Deutschland die folgenden 2 Bedingungen zwingend erfüllt werden:

  • Die Krankheit muss auf der Berufskrankheitenliste stehen.
  • Die Krankheit muss durch den Beruf verursacht sein (Kausalitäts-Prinzip).

Sehnenerkrankungen können der Berufskrankheit mit der Ziffer BK 2101 zugeordnet wer...

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