Mobilitätsprämie

Zusammenfassung

 
Begriff

Berufspendler, die mit ihrem zu versteuernden Einkommen den Grundfreibetrag nicht überschreiten, haben für die Jahre 2021 bis 2026 die Möglichkeit, als Alternative zum Werbungskostenabzug einer erhöhten Entfernungspauschale von 0,35 EUR ab dem 21. Entfernungskilometer eine Mobilitätsprämie i. H. v. 14 % zu erhalten. Der Prozentsatz entspricht dem Eingangssteuersatz im Einkommensteuertarif. Hierdurch werden auch diejenigen Arbeitnehmer entlastet, bei denen der höhere Werbungskostenabzug als Folge der angehobenen Entfernungspauschale zu keiner entsprechenden steuerlichen Entlastung führt. Die Mobilitätsprämie können auch Selbstständige für die Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte in Anspruch nehmen, wenn entsprechend der Regelungen für die Werbungskosten in gleicher Weise der Betriebsausgabenabzug beim Selbstständigen ohne steuerliche Auswirkung bleibt.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Lohnsteuer: Die Mobilitätsprämie ist geregelt in §§ 101-109 EStG.

Lohnsteuer

1 Anspruchsvoraussetzungen der Mobilitätsprämie

Die Mobilitätsprämie wird für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowie für die wöchentliche Familienheimfahrt im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung gewährt. In die Bemessungsgrundlage der Mobilitätsprämie werden die vollen 0,35 EUR ab dem 21. Entfernungskilometer einbezogen und nicht nur der Erhöhungsbetrag von 5 Cent. Eine Begünstigung ergibt sich für Arbeitnehmer sowohl bei den Werbungskosten als auch bei der Mobilitätsprämie allerdings nur, soweit die 0,35 EUR ab dem 21. Entfernungskilometer zu einer Überschreitung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags führen. Darüber hinaus besteht ein Anspruch auf die Prämie nur, soweit das zu versteuernde Einkommen, welches sich unter Berücksichtigung der erhöhten Entfernungspauschalen ergibt, unterhalb des Grundfreibetrags liegt. Hierdurch soll eine doppelte Begünstigung durch die erhöhte Entfernungspauschale und die Gewährung der Mobilitätsprämie vermieden werden.

 
Praxis-Beispiel

Berechnung der Mobilitätsprämie 2021

Ein Arbeitnehmer (Steuerklasse I) fährt im Kalenderjahr 2021 an 220 Tagen von seiner Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte, die 30 km entfernt liegt. Weitere Werbungskosten hat er nicht. Einkommensteuer fällt aufgrund des geringen, unter dem Grundfreibetrag liegenden Einkommens von 9.000 EUR nicht an.

Ergebnis: Es ergibt sich folgende Entfernungspauschale:

 
220 Tage x 20 km x 0,30 EUR 1.320 EUR
220 Tage x 10 km x 0,35 EUR + 770 EUR
Entfernungspauschale gesamt 2.090 EUR

Die Entfernungspauschale übersteigt den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 EUR um 1.090 EUR. Diese Aufwendungen entfallen i. H. v. 770 EUR auf die erhöhte Entfernungspauschale ab dem 21. Entfernungskilometer als Bemessungsgrundlage für die Mobilitätsprämie. Das zu versteuernde Einkommen von 9.000 EUR liegt 744 EUR unterhalb des Grundfreibetrags, der 2021 9.744 EUR beträgt. Von der erhöhten Entfernungspauschale bleiben damit 744 EUR ohne steuerliche Auswirkung, sodass sich eine Mobilitätsprämie von 104 EUR (= 14 % von 744 EUR) errechnet.

2 Antragsverfahren

Die Mobilitätsprämie wird im Rahmen des Einkommensteuerveranlagungsverfahren festgesetzt. Sie wird auf Antrag des Arbeitnehmers nach Ablauf des Kalenderjahres durch Einkommensteuerbescheid festgesetzt.[1] Eine Festsetzung erfolgt nur, wenn die Mobilitätsprämie mindestens 10 EUR beträgt. Bei Arbeitnehmern gilt der Antrag auf Mobilitätsprämie zugleich als Antrag auf Einkommensteuerveranlagung. Allerdings wird die Einkommensteuer mit 0 EUR festgesetzt, sofern keine Veranlagungspflicht besteht und kein Antrag auf Erstattung zu viel bezahlter Lohnsteuer gestellt wird. Dadurch ist sichergestellt, dass der Einkommensteuerbescheid nur die Erstattung der Mobilitätsprämie zum Inhalt hat.[2]

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