Mindestlohn: Was ist bei Mi... / 5.7 Ehegatten/Lebenspartner

Für Ehegatten und gleichgeschlechtliche Lebenspartner ist die Umstellung eines 450-EUR-Minijobs auf eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Regelfall keine gute Wahl. Einkommensteuer fällt bereits dann an, wenn das von beiden Partnern erzielte zu versteuernde Einkommen im Jahr insgesamt 18.816 EUR (doppelter Grundfreibetrag für das Jahr 2020) überschreitet. Überschreitet das zu versteuernde Einkommen diesen Betrag – ggf. aufgrund der Einkünfte aus einem Midijob – fällt Einkommensteuer an. Im Gegensatz hierzu bleibt ein pauschal besteuerter 450-EUR-Minijob bei der Einkommensteuerveranlagung der Partner unberücksichtigt. Die Einkommensteuer ist durch die vom Arbeitgeber entrichtete Pauschsteuer abgegolten.

Bedeutung des bereits erwirtschafteten zu versteuernden Einkommens

In welcher Höhe bei der Umstellung von einem 450-EUR-Minijob auf eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit im Übergangsbereich (zusätzlich) Einkommensteuer anfällt, hängt maßgeblich vom bereits erwirtschafteten zu versteuernden Einkommen ab. Aufgrund der stufenweisen Steuerprogression steigt die Steuerlast mit steigendem Einkommen überproportional an.

 
Praxis-Beispiel

Ehepartner mit Beschäftigung im Übergangsbereich

Ein gemeinsam veranlagtes Ehepaar verfügt im Jahr 2020 über ein zu versteuerndes Einkommen von insgesamt 30.000 EUR. Daneben übt einer der beiden Ehepartner einen 450-EUR-Minijob aus. Der Arbeitgeber führt vom Arbeitsentgelt aus dem Minijob die 2 %-ige Pauschsteuer ab. Das Jahresentgelt aus dem 450-EUR-Minijob beträgt 5.400 EUR.

Ergebnis: Nur auf das zu versteuernde Einkommen von 30.000 EUR ist Einkommensteuer zu zahlen. Es ergeben sich folgende Beträge:

 
Einkommensteuer: 2.170,00 EUR  
Solidaritätszuschlag: 45,20 EUR  
Summe: 2.215,20 EUR  
Der bisherige 450-EUR-Minijob wird wegen der Erhöhung des monatlichen Arbeitsentgelts auf 500 EUR zum Midijob. Das Jahresentgelt liegt somit bei 6.000 EUR. Die bisherigen bereits bestehenden Einkünfte von 30.000 EUR ändern sich nicht. Nach den Steuertabellen ergeben sich aufgrund des nunmehr zu versteuernden Einkommens von 36.000 EUR folgende höhere Beträge:
Einkommensteuer: 3.658,00 EUR (+ 1.488,00 EUR)
Solidaritätszuschlag: 201,19 EUR (+ 155,99 EUR)
Summe: 3.859,19 EUR (+ 1.643,99 EUR)
Ergebnis: Das im Midijob erzielte Bruttoarbeitsentgelt von 6.000 EUR vermindert sich um die zusätzlich anfallende Einkommensteuer und den Solidaritätszuschlag, sodass das Nettoentgelt im Jahr nur noch 4.356,01 EUR (6.000 EUR ./. 1.643,99 EUR) beträgt bzw. 363,00 EUR pro Monat (ohne Berücksichtigung von Arbeitnehmeranteilen zur Sozialversicherung).
Abwandlung
Der bisherige 450-EUR-Minijob wird wegen der Erhöhung des monatlichen Arbeitsentgelts auf 500 EUR zum Midijob. Das Jahresentgelt liegt somit bei 6.000 EUR. Anstelle der Einkünfte von 30.000 EUR wird ein zu versteuerndes Einkommen von 60.000 EUR unterstellt (ohne Midijob). Die auf den Midijob entfallende (zusätzliche) Einkommensteuer ergibt sich aus den Differenzbeträgen zwischen dem zu versteuernden Einkommen von 60.000 EUR zu 66.000 EUR.
a) zu versteuerndes Einkommen: 60.000 EUR
Einkommensteuer: 10.374,00 EUR  
Solidaritätszuschlag: 570,57 EUR  
Summe: 10.944,57 EUR  
b) zu versteuerndes Einkommen: 66.000 EUR
Einkommensteuer: 12.244,00 EUR (+ 1.870,00 EUR)
Solidaritätszuschlag: 673,42 EUR (+ 102,85 EUR)
Summe: 12.917,42 EUR (+ 1.972,85 EUR)
Ergebnis: Das im Midijob erzielte Bruttoarbeitsentgelt von 6.000 EUR vermindert sich um die zusätzlich anfallende Einkommensteuer und den Solidaritätszuschlag, so dass das Nettoentgelt im Jahr nur noch 4.027,15 EUR (6.000 EUR ./. 1.972,95 EUR) bzw. 335,60 EUR pro Monat (ohne Berücksichtigung von Arbeitnehmeranteilen zur Sozialversicherung) beträgt.

Die Umwandlung eines 450-EUR-Minijobs in eine Beschäftigung im Übergangsbereich wird umso unattraktiver, je mehr zu versteuerndes Einkommen bereits ohne Berücksichtigung des Midijobs erzielt wird. Soweit der Midijob nicht in erster Linie zur Aufrechterhaltung einer Krankenkassenmitgliedschaft oder einer Familienversicherung ausgeübt wird, stellt der 450-EUR-Minijob – insbesondere bei höheren Gesamteinkünften der Partner – die sinnvollere Alternative dar.

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