Lohnsteuerrechtliche Folgen... / 6 Auslandstätigkeitserlass

Der Auslandstätigkeitserlass[1] gilt für alle Arbeitnehmer, die im Inland beschränkt oder unbeschränkt steuerpflichtig sind und im Auftrag eines inländischen Arbeitgebers bzw. mit Sitz in einem anderen EU/EWR-Mitgliedstaat in einem ausländischen Staat, mit dem kein DBA besteht, eine Tätigkeit ausüben.[2]

Bei Arbeitnehmern eines inländischen Arbeitgebers[3] wird von der Besteuerung des Arbeitslohns abgesehen, den der Arbeitnehmer aufgrund eines gegenwärtigen Dienstverhältnisses für eine begünstigte Tätigkeit im Ausland erhält. Die Finanzverwaltung hat sich hierzu geäußert, wie die Ermittlung des steuerfreien und steuerpflichtigen Arbeitslohns nach den DBA sowie nach dem Auslandstätigkeitserlass im Lohnsteuerabzugsverfahren erfolgt.[4]

6.1 Voraussetzungen

Die Anwendung des Auslandstätigkeitserlasses setzt voraus, dass

  • der Arbeitnehmer bei einem inländischen Arbeitgeber bzw. mit Sitz in einem anderen EU/EWR-Mitgliedstaat beschäftigt ist[1],
  • es sich bei der Auslandstätigkeit um eine "begünstigte Tätigkeit" handelt,
  • die Tätigkeit mindestens 3 Monate in Staaten ausgeübt wird, mit denen kein DBA besteht[2],
  • der Arbeitslohn für ein gegenwärtiges Dienstverhältnis von einem privaten Arbeitgeber gezahlt wird und
  • die besonderen Verfahrensvorschriften beachtet werden: gesonderter Ausweis des Arbeitslohns im Lohnkonto und in den ELStAM sowie keine Durchführung des Lohnsteuer-Jahresausgleichs durch den Arbeitgeber.

Demgegenüber ist der Auslandstätigkeitserlass nicht anwendbar bei

  • einer Tätigkeit von Bordpersonal von Seeschiffen,
  • einer Tätigkeit von Leiharbeitnehmern, für deren Arbeitgeber die Arbeitnehmerüberlassung Unternehmenszweck ist,
  • einer finanziellen Beratung außerhalb der deutschen Entwicklungshilfe und
  • der Akquisition von Aufträgen außerhalb von Ausschreibungen.

Ferner scheidet die Anwendung des Auslandstätigkeitserlasses aus, wenn

  • der Arbeitslohn aus inländischen öffentlichen Kassen[3] gezahlt wird oder
  • die Tätigkeit in einem Staat ausgeübt wird, mit dem ein DBA besteht, in das Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit einbezogen sind.
 
Hinweis

Unterbrechung oder Beendigung der Tätigkeit aufgrund der Corona-Krise

Wird eine nach dem Auslandstätigkeitserlass begünstigte und für mindestens 3 Monate geplante Auslandstätigkeit aufgrund der Corona-Krise unterbrochen oder beendet, ist der Arbeitslohn auch dann steuerfrei, wenn die Mindestdauer von 3 Monaten nicht erreicht wird.

Wird eine im Ausland vorgesehene Tätigkeit wegen der Corona-Krise hingegen im Inland ausgeübt oder fortgesetzt, ist der hierauf entfallende Arbeitslohn nicht nach dem Auslandstätigkeitserlass steuerfrei.[4]

6.2 Begünstigte Auslandstätigkeit

Die Auslandstätigkeit ist nur dann begünstigt, wenn sie für einen inländischen Lieferanten, Hersteller, Auftragnehmer oder Inhaber ausländischer Mineralaufsuchungs- oder -gewinnungsrechte erbracht wird. Ob deren Auftraggeber im In- oder Ausland ansässig ist, spielt keine Rolle.

6.2.1 Nur bestimmte Tätigkeiten fallen unter den Auslandstätigkeitserlass

Ferner muss die Auslandstätigkeit mit bestimmten Tätigkeiten in Zusammenhang stehen. Dabei handelt es sich um:

  • die Planung, Errichtung, Einrichtung, Inbetriebnahme, Erweiterung, Instandsetzung, Modernisierung, Überwachung oder Wartung von Fabriken, Bauwerken, ortsgebundenen großen Maschinen oder ähnlichen Anlagen sowie den Einbau, die Aufstellung oder Instandsetzung von sonstigen Wirtschaftsgütern; ebenso ist das Betreiben der Anlage bis zur Übergabe an den Auftraggeber begünstigt,
  • das Aufsuchen oder die Gewinnung von Bodenschätzen,
  • die Beratung ausländischer Auftraggeber oder Organisationen im Hinblick auf die oben genannten Vorhaben und
  • die deutsche öffentliche Entwicklungshilfe im Rahmen der technischen und finanziellen Zusammenarbeit.

Hilfstätigkeiten wie der Transport oder die Schulung von Mitarbeitern vor Ort rechnen zur begünstigten Tätigkeit. Dies gilt auch für die Tätigkeit von Subunternehmern, denn ein ausländischer Auftraggeber ist grundsätzlich nicht mehr erforderlich. Vielmehr sind auch eigene Investitionen inländischer Unternehmen im Ausland begünstigt.

6.2.2 Mindestdauer der Tätigkeit im Nicht-DBA-Ausland

Die Auslandstätigkeit muss mindestens 3 Monate ununterbrochen in Staaten ausgeübt werden, mit denen kein DBA besteht. Beginn und Ende dieser Frist müssen indes nicht im gleichen Kalenderjahr liegen. Wegen der Fristberechnung ist darauf hinzuweisen, dass die Auslandstätigkeit mit dem Antritt der Reise ins Ausland beginnt und mit der endgültigen Rückkehr ins Inland endet, wobei es auf den Zeitpunkt des Grenzübertritts ankommt. Eine vorübergehende Rückke...

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