Leistungsumfang des Kurzarb... / 2 Höhe des Kurzarbeitergeldes

Das Kurzarbeitergeld richtet sich nach dem pauschalierten Nettoentgeltausfall im jeweiligen Anspruchsmonat. Es beträgt 60 % bzw. 67 % der sog. Nettoentgeltdifferenz.[1]

2.1 Leistungssatz

Zum Leistungssatz verweist das Kurzarbeitergeld auf die entsprechenden Regelungen zum Arbeitslosengeld. Den erhöhten Leistungssatz von 67 % erhalten danach Arbeitnehmer,

  • die mindestens ein Kind i. S. d. § 32 Abs. 1, 3 bis 5 EStG haben sowie
  • deren Ehegatte oder Lebenspartner mindestens ein Kind in diesem Sinne hat, wenn beide Ehegatten oder Lebenspartner unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind und nicht dauernd getrennt leben.[1]

Die Zahl der berücksichtigungsfähigen Kinder ist für den erhöhten Leistungssatz nicht von Bedeutung.

Für die übrigen Berechtigten gilt der allgemeine Leistungssatz in Höhe von 60 %.

 
Wichtig

Bis 31.12.2020: Höheres Kurzarbeitergeld

Aufgrund des derzeit für viele Beschäftigte gravierenden Arbeitsentgeltausfalls gelten bis zum 31.12.2020 im Falle eines längeren Kurzarbeitergeldbezugs erhöhte Leistungssätze. Danach beträgt das Kurzarbeitergeld

  • ab dem 4. Bezugsmonat für Arbeitnehmer mit Kind 77 % und für Arbeitnehmer ohne Kind 70 %
  • ab dem 7. Bezugsmonat für Arbeitnehmer mit Kind 87 % und für Arbeitnehmer ohne Kind 80 %

der maßgeblichen Nettoentgeltdifferenz.

Voraussetzung für den jeweils erhöhten Leistungssatz ist, dass die Differenz zwischen dem Sollentgelt und dem Istentgelt (d. h. der Entgeltausfall) im Bezugsmonat mindestens 50 % beträgt. Für die Berechnung sind Monate mit Kurzarbeit ab März 2020 zu berücksichtigen.[2]

Beispiel 1:

März 2020: Arbeitsausfall 20 %

April 2020: Arbeitsausfall 40 %

Mai 2020: Arbeitsausfall 50 %

Juni 2020: Arbeitsausfall 60 %

Ab Juni 2020 erhöht sich der Leistungssatz des Kurzarbeitergeldes von 67 % auf 77 %. Die Arbeitsausfälle von weniger als 50 % in den Monaten März und April sind unschädlich. Entscheidend ist, dass im 4. Bezugsmonat Juni 2020 der Arbeitsausfall mindestens 50 % beträgt.

Beispiel 2:

Ein Arbeitnehmer (ohne Kind) arbeitet in Kurzarbeit:

März 2020: Arbeitsausfall 50 %

April 2020: Arbeitsausfall 40 %

Mai 2020: Arbeitsausfall 50 %

Juni 2020: Kein Arbeitsausfall

Juli 2020: Arbeitsausfall 60 %

Der erhöhte Leistungssatz von 70 % kann erst ab Juli 2020 gewährt werden; der Monat Juni 2020 ohne individuelle Kurzarbeit wird nicht berücksichtigt (dies gilt auch dann, wenn ansonsten im Betrieb Kurzarbeit angeordnet war).

2.2 Nettoentgeltdifferenz

Die für die Ermittlung des Kurzarbeitergeldes maßgebliche Nettoentgeltdifferenz errechnet sich als Unterschiedsbetrag aus

  • dem Arbeitsentgelt, das ohne den Arbeitsausfall im Anspruchszeitraum erzielt worden wäre (dem Sollentgelt) und
  • dem Arbeitsentgelt, das bei Kurzarbeit tatsächlich erzielt worden ist (dem Istentgelt).
 
Achtung

Keine Nachteile bei Beschäftigungssicherungsvereinbarung

Arbeitnehmer, die aufgrund einer kollektivrechtlichen Beschäftigungssicherungsvereinbarung ihre vertraglich vereinbarte Arbeitszeit vorübergehend reduzieren (und insoweit nur ein vermindertes Entgelt erzielen), haben dadurch keine Nachteile bei der Höhe des Kurzarbeitergeldes. In diesen Fällen ist das Sollentgelt – fiktiv – nach dem Entgelt festzulegen, das dem Arbeitnehmer ohne die Beschäftigungssicherungsvereinbarung zugestanden hätte.[1] Als vorübergehend in diesem Sinne sieht die Bundesagentur für Arbeit Arbeitszeitminderungen dann an, wenn sie innerhalb eines Jahres vor Einführung der Kurzarbeit vorgenommen worden sind.

Zur Berechnung der Nettoentgeltdifferenz sind zunächst die Bruttobeträge für das Sollentgelt und das Istentgelt festzustellen. Den Bruttobeträgen wird anschließend ein pauschaliertes Nettoentgelt zugeordnet. Die pauschalierten Nettoentgelte aus Sollentgelt und Istentgelt bilden die Grundlage für die Berechnung der Nettoentgeltdifferenz.

 
Praxis-Beispiel

Berechnung des Kurzarbeitergeldes

  1. Ermittlung des Sollentgelts (Bruttoentgelt ohne den Arbeitsausfall)
  2. Feststellung des Istentgelts (tatsächliches Bruttoentgelt)
  3. Zuordnung des pauschalierten Nettoentgelts zum Sollentgelt
  4. Zuordnung des pauschalierten Nettoentgelts zum Istentgelt
  5. Ermittlung des Leistungsbetrags

    Pauschaliertes Nettoentgelt aus Sollentgelt

    ./. Pauschaliertes Nettoentgelt aus Istentgelt

    = Nettoentgeltdifferenz

    × 60 % bzw. 67 %

    = Kurzarbeitergeld

2.2.1 Sollentgelt

Sollentgelt ist das Bruttoentgelt, das der Arbeitnehmer ohne den Arbeitsausfall im Anspruchsmonat (Kalendermonat) erzielt hätte, vermindert um Entgelte für Mehrarbeit.[1]

Entgelte für Mehrarbeit sind alle Entgeltbestandteile, mit denen eine Arbeitsleistung entlohnt wird, die über die regelmäßige betriebsübliche Arbeitszeit hinausgeht, einschließlich der Mehrarbeitszuschläge. Neben den Entgelten für Mehrarbeit bleibt auch einmalig gezahltes Arbeitsentgelt[2] bei der Berechnung des Sollentgelts (wie auch bei der Berechnung des Istentgelts) außer Betracht.

Als Sollentgelt ist damit grundsätzlich das regelmäßige laufende Arbeitsentgelt im Sinne der Sozialversicherung[3] bis zur jew...

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