Jansen, SGB VI § 255a Bestimmung des aktuellen Rentenwerts (Ost) für die Zeit vom 1. Juli 2018 bis zum 1. Juli 2023

0 Rechtsentwicklung

 

Rz. 1

Die am 1.1.1992 in Kraft getretene Vorschrift wurde mehrfach geändert, seit 2004 wie folgt:

  • Die Vorschrift wurde ab 1.8.2004 durch das RV-Nachhaltigkeitsgesetz v. 21.7.2004 (BGBl. I S. 1791) neu gefasst und an die Ermittlung des aktuellen Rentenwerts unter Berücksichtigung eines Nachhaltigkeitsfaktors (vgl. § 68) und unter Beachtung der Einkommensentwicklung in den neuen Bundesländern angepasst.
  • In Abs. 1 Satz 4 ist "§ 68 Abs. 2 Satz 3" durch "… Satz 2" aufgrund des 5. SGB VI-ÄndG v. 4.12.2004 (BGBl. I S. 3183) – als redaktionelle Folgeänderung zur Änderung des § 68 (vgl. dort Rz. 1) – ersetzt worden (Inkrafttreten am 10.12.2004).
  • In Abs. 3 Satz 3 wurden die Begriffe Arbeiterrenten- und Angestelltenversicherung ab 1.1.2005 durch "allgemeine Rentenversicherung" ersetzt (Gesetz zur Organisationsreform in der gesetzlichen Rentenversicherung [RVOrgG] v. 9.12.2004, BGBl. I S. 3242).
  • Abs. 1 Satz 3 und 4 wurden mit Wirkung zum 12.12.2006 durch Art. 5 des Gesetzes zur Änderung des Betriebsrentengesetzes und anderer Gesetze v. 2.12.2006 (BGBl. I. S. 2742) neu gefasst. Dabei handelt es sich um Folgeänderungen aufgrund der Einführung des neuen Begriffs "Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer" (bisher: Bruttolohn- und -gehaltssumme je durchschnittlich beschäftigten Arbeitnehmer). Zur Definition dieses Begriffs vgl. § 68 Abs. 2 Satz 1.
  • Der Vorschrift ist mit Wirkung zum 1.3.2007 Abs. 4 durch Art. 1 des Gesetzes zur Anpassung der Regelaltersgrenze an die demografische Entwicklung und zur Stärkung der Finanzierungsgrundlagen der gesetzlichen Rentenversicherung (RV-Altersgrenzenanpassungsgesetz) v. 20.4.2007 (BGBl. I S. 554) angefügt worden.
  • Durch Art. 1 Nr. 17 des Gesetzes über den Abschluss der Rentenüberleitung (Rentenüberleitungs-Abschlussgesetz) v. 17.7.2017 (BGBl. I S. 2575) – mit dem insgesamt die Rentenangleichung Ost und West erreicht werden soll – ist die Vorschrift des § 255a über die Bestimmung des aktuellen Rentenwerts (Ost) für die Zeit vom 1.7.2018 bis zum 1.7.2023 vollständig neu geregelt worden.

Gültig ist die Vorschrift i. d. F. v. 17.7.2017 ab 1.1.2018 bis 30.6.2024.

1 Allgemeines

1.1 Rentenangleichung Ost und West

 

Rz. 2

Der Gesetzgeber hat mit dem Rentenüberleitungs-Abschlussgesetz v. 17.7.2017 (BGBl. I S. 2575) und der damit verbundenen Neuregelung des § 255a (ab 1.1.2018 in Kraft gesetzt) die Angleichung des aktuellen Rentenwerts (Ost) an den aktuellen Rentenwert umgesetzt. Dabei versucht der Gesetzgeber der Lebenswirklichkeit Rechnung zu tragen. Da der Angleichungsprozess hinsichtlich der Lohnentwicklung in den alten Ländern und im Beitrittsgebiet nicht sicher prognostiziert werden kann und weil selbst bei gleicher Dynamik wie in den letzten Jahren die vollständige Angleichung kurzfristig nicht erreicht werden kann, wird zum 1.7.2024 eine vollständige Rentenangleichung stattfinden (vgl. BT-Drs. 18/11923 S. 2). Die Angleichung des aktuellen Rentenwerts (Ost) an den aktuellen Rentenwert (West) vollzieht sich dabei sukzessive in 7 Schritten durch eine jährliche – gesetzlich angeordnete – Anhebung des aktuellen Rentenwertes (Ost) bis zur vollständigen Angleichung zum 1.7.2024 (zu dieser Angleichung in 7 Schritten vgl. auch BT-Drs. 18/11923 S. 2, 29, 30, sowie S. 22, 38 f.).

1.2 Korrespondierende Regelungen

 

Rz. 3

Der in § 68 geregelte aktuelle Rentenwert ist der Teil der Rentenformel (vgl. §§ 64, 254b), der die Rentendynamik bewirkt. Das bezieht sich zum einen auf die aktuelle Bewertung der während des gesamten "Versicherungslebens" erworbenen persönlichen Entgeltpunkte (vgl. § 66) und zum anderen auf die Anpassung der bereits laufend gezahlten Renten zum 1. Juli eines jeden Jahres (§ 65).

§ 68 wird bis zur Herstellung einheitlicher Einkommensverhältnisse in "Ost und West" durch § 255 a ergänzt, der sich auf die Anpassung des aktuellen Rentenwerts (Ost) bezieht und für Renten mit persönlichen Entgeltpunkten (Ost) gilt (vgl. § 254 b Abs. 1, § 254 c).

 

Rz. 4

Die Vorschrift steht im Zusammenhang mit § 255c, der die Anwendung des aktuellen Rentenwerts zum 1.7.2024 regelt und anordnet, dass ab diesem Zeitpunkt an Stelle des aktuellen Rentenwerts (Ost) der aktuelle Rentenwert tritt.

1.3 Gemeinsame Rechtliche Anweisungen

 

Rz. 5

Die Deutsche Rentenversicherung hat im Anwendungsbereich des SGB VI umfangreiche Gemeinsame Rechtliche Anweisungen (GRA) geschaffen, die auch § 255a erfassen. Die GRA der DRV zu § 255a hat den Stand 23.11.2017 (bereits in der Fassung des Gesetzes über den Abschluss der Rentenüberleitung (Rentenüberleitungs-Abschlussgesetz) v. 17.7.2017 in Kraft getreten am 1.1.2018) und ist abrufbar im Internet unter der Adresse: https://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/rvRecht/01_GRA_SGB/06_SGB_VI/pp_0251_275/gra_sgb006_p_0255a.html (zuletzt abgerufen am 15.11.2020).

2 Rechtspraxis

2.1 Neue Rechtslage ab 1.1.2018

2.1.1 Angleichungsregelung – 7 Schritte – Referenzwert (Abs. 1)

 

Rz. 6

Abs. 1 sieht eine gesetzlich angeordnete Anhebung des aktuellen Rentenwerts (Ost) ausschließlich noch in Anlehnung des aktuellen Rentenwerts (West) vor; damit sieht die Grundregel bereits jetzt einen Entkopplung des aktuellen Rentenwerts (Ost) von den Lohn- und Gehaltsentwicklung in den Beitrittsgebieten vor; nur so kann das gesetzgeber...

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