Fahrten Wohnung - Tätigkeit... / 6 Dienstwagen: Fahrten Wohnung – erste Tätigkeitsstätte

6.1 Lohnsteuerpauschalierung

6.1.1 0,03-%-Monatspauschale

Bei Wahl der 1-%-Regelung für die Ermittlung des geldwerten Vorteils aus der Privatnutzung des Dienstwagens durch den Arbeitnehmer wird der arbeitstagebezogene Zuschlag des geldwerten Vorteils für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte i. d. R. durch eine feste monatliche Pauschale i. H. v. 0,03 % des Bruttolistenpreises ersetzt. Der 0,03-%-Zuschlag stellt nicht darauf ab, wie oft der Arbeitnehmer das Fahrzeug tatsächlich benutzt. Die Finanzverwaltung sieht insoweit in § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG eine eigenständige Regelung zur Erfassung eines Nutzungsvorteils, wenn für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte ein Firmenfahrzeug zur Verfügung steht.

Dieser lohnsteuerpflichtigen Pauschale von 0,03 % des maßgeblichen Bruttolistenpreises pro Entfernungskilometer liegt eine unterstellte Nutzung an 15 Arbeitstagen pro Monat zugrunde.

6.1.2 0,002-%-Tagespauschale

Für die Anwendung des 0,002-%-Zuschlags kommt es auf die tatsächliche Anzahl der Nutzungstage an.[1] Bei einem Nutzungsumfang von weniger als 15 Arbeitstagen pro Monat verlangt der BFH eine Einzelbewertung der Fahrten mit 0,002 % des Bruttolistenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung je Entfernungskilometer.

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6.1.3 Wahlrecht zwischen Tages- und Monatspauschale

Die Finanzverwaltung gewährt bei der 1-%-Methode ein Wahlrecht zwischen dem 0,03-%-Monatszuschlag und der 0,002-%-Tagespauschale, bei der die Firma den geldwerten Vorteil nur noch für die tatsächlich durchgeführten Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte versteuern muss.[1]

Bei Ermittlung des geldwerten Vorteils nach der 0,03-%-Regelung gestattet die Verwaltung für Zwecke der pauschalen Lohnsteuerberechnung den Ansatz von mindestens 15 arbeitstäglichen Fahrten, auch wenn feststeht, dass der Arbeitnehmer mit dem Fahrzeug tatsächlich an weniger Tagen im Monat fährt.[2]

Erfolgt demgegenüber eine Einzelbewertung der Fahrten mit 0,002 % des Bruttolistenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung je Entfernungskilometer, kommt eine Pauschalbesteuerung des geldwerten Vorteils gemäß § 40 Abs. 2 Satz 2 EStG nur anhand der vom Arbeitnehmer erklärten Anzahl der Tage, an denen Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit dem Firmenfahrzeug tatsächlich erfolgten, in Betracht.[3]

 
Praxis-Beispiel

Pauschalbesteuerung des geldwerten Vorteils bei Dienstwagenüberlassung

Ein Arbeitnehmer erhält von seinem Arbeitgeber einen gebraucht angeschafften Dienstwagen auch zur Privatnutzung und für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Der Bruttolistenpreis im Zeitpunkt der Erstzulassung 2019 hat 29.750 EUR betragen. Die Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte beträgt 30 km.

Bis Dezember 2020 wurde der geldwerte Vorteil für die Nutzung des Pkw pauschal mit 0,03 % des Bruttolistenpreises je Entfernungskilometer erfasst und dem Lohnsteuerabzug unterworfen. Ab Januar 2021 geht der Arbeitgeber in Abstimmung mit dem Arbeitnehmer dazu über, den geldwerten Vorteil fahrtagebezogen nach der 0,002-%-Regelung zu ermitteln, weil sich für den Arbeitnehmer monatlich nur an 10 bis 12 Tagen solche Fahrten ergeben.

Aus der Erklärung des Arbeitnehmers für Januar 2021, die dem Arbeitgeber am 31.1.2021 vorgelegt wurde, ergibt sich, dass es im Januar 2021 an 10 Tagen zu Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit dem überlassenen Firmenfahrzeug kam. Der geldwerte Vorteil soll so weit wie möglich mit 15 % pauschal versteuert werden.

Ergebnis: Für die private Nutzung des Dienstwagens ergibt sich ein monatlicher geldwerter Vorteil i. H. v. 297 EUR (1 % aus 29.700 EUR), der individuell nach den ELStAM versteuert und dem Lohnsteuerabzug unterworfen werden muss. Eine Pauschalbesteuerung ist insoweit nicht möglich.

Hinzu kommt ein weiterer geldwerter Vorteil für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Dieser belief sich in den Monaten Januar bis Dezember 2020 jeweils auf 267,30 EUR (29.700 EUR x 0,03 % x 30 km). Hiervon konnten 135 EUR mit 15 % Lohnsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchenlohnsteuer pauschal versteuert werden. Es konnte davon ausgegangen werden, dass das Firmenfahrzeug an 15 Tagen zu Fahrten von der Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte genutzt wurde, auch wenn es an weniger Tagen im jeweiligen Kalendermonat zu solchen Fahrten kam.

Dies ist im Januar 2021 und auch in den folgenden Kalendermonaten anders, in denen eine Einzelbewertung der geldwerten Vorteile erfolgt. lm Januar 2021 ergibt sich für lediglich 10 Fahrtage ein geldwerter Vorteil i. H. v. 178,20 EUR (29.700 EUR x 0,002 % x 10 Tage x 30 km). Hiervon können 95 EUR, nämlich 10 Tage x (20 km x 0,30 EUR + 10 km x 0,35 EUR), mit 15 % pauschal versteuert werden.

Das Beispiel zeigt, dass der nach den ELStAM-Daten individuell zu versteuernde Restanteil des Nutzung...

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