Fahrten Wohnung - Tätigkeit... / 2 Berechnung der Entfernungspauschale in Sonderfällen

2.1 Mehrere Beschäftigungen eines Arbeitnehmers

Rückkehr zur Wohnung

Die Entfernungspauschale darf für jeden Arbeitstag, an dem der Arbeitnehmer die erste Tätigkeitsstätte aufsucht, nur einmal angesetzt werden. Die Begrenzung auf eine arbeitstägliche Fahrt gilt nicht für Arbeitnehmer, die in mehreren Dienstverhältnissen stehen und denen Aufwendungen für Fahrten zu mehreren auseinander liegenden ersten Tätigkeitsstätten entstehen. Bei diesen Arbeitnehmern ist die Entfernungspauschale für jeden Weg zur ersten Tätigkeitsstätte anzusetzen, wenn der Arbeitnehmer am Tag zwischenzeitlich in die Wohnung zurückkehrt.

Keine Rückkehr zur Wohnung

Werden mehrere Arbeitsstätten unterschiedlicher Arbeitgeber ohne Rückkehr zur Wohnung nacheinander angefahren, so ist für die Entfernungsermittlung die erste Fahrt zur ersten Tätigkeitsstätte als Umwegfahrt zur nächsten ersten Tätigkeitsstätte zu berücksichtigen. Die für die Ermittlung der Entfernungspauschale anzusetzende Entfernung darf höchstens die Hälfte der Gesamtstrecke betragen.

 

Praxis-Beispiel

Umwegfahrt zwischen 2 Arbeitgebern

Ein Arbeitnehmer mit 2 Beschäftigungen fährt vormittags von seiner Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte des Arbeitgebers A, nachmittags fährt er weiter zur ersten Tätigkeitsstätte des Arbeitgebers B und abends zur Wohnung zurück. Die Entfernungen betragen zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte A 30 km, zwischen Arbeitgeber A und Arbeitgeber B 40 km und zwischen erster Tätigkeitsstätte B und Wohnung 50 km.

Ergebnis: Die Gesamtentfernung beträgt 120 km (30 km + 40 km + 50 km). Die Entfernung zwischen der Wohnung und den beiden Arbeitsstätten beträgt 80 km (30 km + 50 km). Da dies mehr als die Hälfte der Gesamtentfernung ist, können nur 60 km (120 km/2) für die Ermittlung der Entfernungspauschale angesetzt werden.

2.2 Mehrere Wohnungen

Lebensmittelpunkt ist entscheidend

Hat ein Arbeitnehmer mehrere Wohnungen, werden Fahrten von der näher gelegenen Wohnung immer anerkannt, Fahrten von der weiter entfernt gelegenen Wohnung dagegen nur unter weiteren Voraussetzungen. Die weiter entfernt gelegene Wohnung wird nur berücksichtigt, wenn sie den "Mittelpunkt der Lebensinteressen" des Arbeitnehmers bildet. Ohne weitere Prüfung wird der geltend gemachte Lebensmittelpunkt anerkannt, wenn der unverheiratete Arbeitnehmer die Wohnung im Durchschnitt mindestens zweimal monatlich aufsucht. Daneben ist Voraussetzung, dass die weiter entfernt gelegene Wohnung nicht nur gelegentlich aufgesucht wird. Die Finanzverwaltung hält 6 Fahrten jährlich für ausreichend. Nach der Rechtsprechung ist diese Voraussetzung unter Berücksichtigung der Umstände des jeweiligen Einzelfalls zu prüfen.

Lebensmittelpunkt im Ausland

Bei großer Entfernung, insbesondere bei Arbeitnehmern mit Familienwohnung im weiter entfernten Ausland, kann die Entfernungspauschale auch bei weniger als 6 jährlichen Fahrten zum Lebensmittelpunkt beim Werbungskostenabzug berücksichtigt werden.

2.3 Einbeziehung von Fährverbindungen

Für die Berechnung der Entfernungspauschale ist auf die kürzeste Straßenverbindung abzustellen. Eine Fährverbindung ist, soweit sie zumutbar und wirtschaftlich sinnvoll erscheint, mit in die Entfernungsberechnung einzubeziehen. Die Fahrstrecke der Fähre selbst ist jedoch nicht Teil der maßgebenden Entfernung und muss wieder abgezogen werden; die verbleibende Kilometerentfernung wird auf volle Kilometer abgerundet.

Abzug der tatsächlichen Aufwendungen

Fährkosten dürfen stattdessen als Aufwendungen für öffentliche Verkehrsmittel in tatsächlicher Höhe neben der Entfernungspauschale als Werbungskosten berücksichtigt werden.

 

Praxis-Beispiel

Entfernungspauschale bei Fährverbindungen

Ein Arbeitnehmer mit Wohnort in Konstanz hat seine erste Tätigkeitsstätte auf der gegenüber liegenden Seite des Bodensees. Für die Fahrten zum Betrieb benutzt er seinen Pkw und die Fähre von Konstanz nach Meersburg. Die kürzeste Fahrstrecke einschließlich der Fährverbindung von 4,8 km beträgt insgesamt 25,6 km. Die Monatskarte für die Fähre kostet 150 EUR.

Ergebnis: Bei 230 Arbeitstagen im Jahr errechnen sich folgende Werbungskosten für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte:

 
230 Arbeitstage × 20 km (25,6 km ./. 4,8 km) × 0,30 EUR 1.380 EUR
Fährkosten 12 × 150 EUR 1.800 EUR
Insgesamt abzugsfähig 3.180 EUR

Die tatsächlichen Fährkosten dürfen neben der Entfernungspauschale angesetzt werden, da der nachgewiesene Kostenabzug für öffentliche Verkehrsmittel zulässig ist. Dementsprechend dürfen auch Gebühren für die Benutzung eines Straßentunnels oder einer mautpflichtigen Straße neben der Entfernungspauschale berücksichtigt werden.

Nutzung einer längeren, nicht verkehrsgünstigeren Straßenverbindung

Benutzt der Arbeitnehmer für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte eine andere als die kürzeste Straßenverbindung, obwohl sich die längere Umwegstrecke nicht als "offensichtlich verkehrsgünstiger" erweist, ist die kürzere Kilometerstrecke für die Entfernungspauschale maßgebend. Die (fiktiven) Kosten für die Fährverbindung bleiben dabei außer Ansatz, weil sie aufgrund der anders gewählten Fahrstrecke für ...

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