Zusammenfassung

 
Überblick

Aufwendungen für Fahrten zur Arbeit können nicht ohne Weiteres in tatsächlicher Höhe als Werbungskosten angesetzt werden, sondern nur nach Maßgabe der Entfernungspauschale. Arbeitstäglich können 0,30 EUR pro Entfernungskilometer zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte angesetzt werden bzw. ab dem 21. Entfernungskilometer 0,38 EUR.

Eine Ausnahme von der Entfernungspauschale gilt für Aufwendungen, die für Fahrten bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel entstehen. Diese können in voller Höhe steuerlich berücksichtigt werden. Ebenso dürfen bestimmte Arbeitnehmer mit Behinderungen höhere Kilometersätze in Anspruch nehmen. Zuschüsse des Arbeitgebers für Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte können steuerfrei oder -pflichtig sein, je nachdem, ob der Arbeitnehmer öffentliche Verkehrsmittel oder seinen eigenen Pkw benutzt. Arbeitgeberleistungen (Zuschüsse und Sachbezüge) zu Jobtickets im Linienverkehr sind lohnsteuerfrei. Außerdem besteht für die unter die Steuerbefreiung fallenden Lohnvorteile die Möglichkeit der Pauschalbesteuerung mit 25 %, bei der im Unterschied zur Steuerfreistellung keine Anrechnung auf die Entfernungspauschale und damit keine Kürzung des Werbungskostenabzugs vorzunehmen ist. Für die übrigen (nichtöffentlichen) Verkehrsmittel besteht Steuerpflicht. Vom Arbeitgeber gewährte Zuschüsse, etwa bei Benutzung des eigenen Pkws zu Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, können bis zu dem Betrag, den der Arbeitnehmer ansonsten als Werbungskosten ansetzen könnte, mit 15 % pauschal besteuert werden.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Lohnsteuer: Der Werbungskostenabzug für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte ist in § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 und Abs. 2 EStG geregelt. Weitergehende Regelungen finden sich in R 9.10 LStR und im BMF-Schreiben v. 18.11.2021, IV C 5 - S 2351/20/10001 :002, BStBl 2021 I S. 2315, das die durch die gesetzliche Neuregelung der steuerlichen Reisekostenvorschriften erforderlichen Änderungen, insbesondere die formelle und inhaltliche Anpassung an die neue Arbeitsortbestimmung "erste Tätigkeitsstätte" berücksichtigt. Die Möglichkeit der Pauschalbesteuerung ist in § 40 Abs. 2 Sätze 2 und 3 EStG verankert. Hierzu finden sich weitergehende Regelungen in R 40.2 Abs. 6 LStR sowie im oben genannten BMF-Schreiben unter Tz.5. Die Steuerfreiheit für Arbeitgeberzuschüsse und geldwerte Vorteile bei Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit öffentlichen Verkehrsmitteln ergibt sich aus § 3 Nr. 15 EStG sowie den ergänzenden Verwaltungsanweisungen in BMF-Schreiben v. 15.8.2019, IV C 5 S 2342/19/10007 :001, BStBl 2019 I S. 875.

Lohnsteuer

1 Anwendungsbereich der Entfernungspauschale

1.1 Arbeitsort "erste Tätigkeitsstätte"

Die Regelungen zur Anwendung und Berechnung der Entfernungspauschale bleiben durch das gesetzlich geregelte Reisekostenrecht unverändert. Die Gesetzesfassung ist an den neuen Arbeitsortbegriff "erste Tätigkeitsstätte" angepasst worden, der die regelmäßige Arbeitsstätte zum 1.1.2014[1] abgelöst hat. Überall dort, wo die Entfernungspauschale an die regelmäßige Arbeitsstätte geknüpft war, ist diese im Gesetz auch formal durch den Begriff der ersten Tätigkeitsstätte ersetzt worden.

Folgewirkungen durch das Reisekostenrecht 2014 ergeben sich dort, wo durch die inhaltlich grundlegend geänderte Abgrenzung des dauerhaften Arbeitsortbegriffs die bisherige regelmäßige Arbeitsstätte nicht zugleich die Kriterien der ersten Tätigkeitsstätte erfüllt.

Die Entfernungspauschale berechnet sich seit diesem Zeitpunkt nach der Wegstrecke, die für die arbeitstäglichen Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte maßgebend ist. Immer dann, wenn die tatsächliche Arbeitsstätte zugleich auch die erste Tätigkeitsstätte ist, kann der Arbeitnehmer keine Reisekosten erhalten. Die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte unterliegen in diesem Fall der begrenzten Abzugsfähigkeit der Entfernungspauschale von 0,30 EUR bzw. ab dem 21. Entfernungskilometer 0,38 EUR (2021: 0,35 EUR).[2] pro Entfernungskilometer, die den steuerfreien Arbeitgeberersatz ausschließt und beim Dienstwageninhaber den Ansatz eines zusätzlichen geldwerten Vorteils bewirkt.

 
Praxis-Tipp

Anhebung der Fernpendlerpauschale ab 2022

Mit Wirkung zum 1.1.2022 hat sich die sog. Fernpendlerpauschale ab dem 21. Entfernungskilometer auf 0,38 EUR erhöht. Der Gesetzgeber hat die ursprünglich erst für 2024 vorgesehene Anhebung wegen der gestiegenen Benzinpreise durch das Steuerentlastungsgesetz 2022 bereits vorgenommen.[3] Die Erhöhung erfolgt im Lohnsteuerabzugsverfahren rückwirkend für Lohnzahlungszeiträume ab 1.1.2022.

Vorteilhafte Auswirkungen ergeben sich nicht nur für den Werbungskostenabzug des Arbeitnehmers. Durch die höhere Entfernungspauschale ab dem 21. Kilometer steigt auch das Pauschalierungsvolumen für Arbeitgeberleistungen (Fahrtkostenzuschüsse und geldwerte Vorteile) bei Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte.

Die gesetzliche Fiktion der Entfernungspauschale für Arbeitnehmer ohne erste Tätigkeitsstätte betrifft Fahrten, die den Reisekostenbegriff der ...

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