Fahrten Wohnung - Tätigkeitsstätte und Familienheimfahrten im Lohnsteuerrecht

Zusammenfassung

 

Überblick

Aufwendungen für Fahrten zur Arbeit können nicht ohne Weiteres in tatsächlicher Höhe als Werbungskosten angesetzt werden, sondern nur nach Maßgabe der Entfernungspauschale. Arbeitstäglich können 0,30 EUR pro Entfernungskilometer zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte angesetzt werden. Eine Ausnahme gilt für Aufwendungen, die für Fahrten bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel entstehen. Diese können in voller Höhe steuerlich berücksichtigt werden. Ebenso dürfen bestimmte behinderte Arbeitnehmer höhere Kilometersätze in Anspruch nehmen. Zuschüsse des Arbeitgebers für Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte können steuerfrei oder -pflichtig sein, je nachdem, ob der Arbeitnehmer öffentliche Verkehrsmittel oder seinen eigenen Pkw benutzt. Ab 1.1.2019 sind Arbeitgeberleistungen (Zuschüsse und Sachbezüge) zu Jobtickets im Linienverkehr lohnsteuerfrei. Außerdem wurde rückwirkend ab 2019 für die unter die Steuerbefreiung fallenden Lohnvorteile die Möglichkeit der Pauschalbesteuerung mit 25 % eingeführt, bei der im Unterschied zur Steuerfreistellung keine Anrechnung auf die Entfernungspauschale und damit keine Kürzung des Werbungskostenabzugs vorzunehmen ist. Für die übrigen (nichtöffentlichen) Verkehrsmittel bleibt es bei der Steuerpflicht. Vom Arbeitgeber gewährte Zuschüsse, etwa bei Benutzung des eigenen Pkws zu Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, können bis zu dem Betrag, den der Arbeitnehmer ansonsten als Werbungskosten ansetzen könnte, mit 15 % pauschal besteuert werden.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Lohnsteuer: Der Werbungskostenabzug für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte ist in § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 und Abs. 2 EStG geregelt. Weitergehende Regelungen finden sich in R 9.10 LStR und im BMF-Schreiben v. 31.10.2013, IV C 5 - S 2351/09/10002:002, BStBl 2013 I S. 1376, das die durch die gesetzliche Neuregelung der steuerlichen Reisekostenvorschriften erforderlichen Änderungen, insbesondere die formelle und inhaltliche Anpassung an die neue Arbeitsortbestimmung "erste Tätigkeitsstätte" berücksichtigt. Die Möglichkeit der Pauschalbesteuerung ist in § 40 Abs. 2 Sätze 2 und 3 EStG verankert. Hierzu finden sich weitergehende Regelungen in R 40.2 Abs. 6 LStR sowie im o. g. BMF-Schreiben unter Tz.5. Die Steuerfreiheit für Arbeitgeberzuschüsse und geldwerte Vorteile bei Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit öffentlichen Verkehrsmitteln ab 2019 ergibt sich aus § 3 Nr. 15 EStG sowie den ergänzenden Verwaltungsanweisungen in BMF-Schreiben v. 15.8.2019, IV C 5 S 2342/19/10007 :001, BStBl 2019 I S. 875.

Lohnsteuer

1 Anwendungsbereich der Entfernungspauschale

1.1 Arbeitsort "erste Tätigkeitsstätte"

Die Regelungen zur Anwendung und Berechnung der Entfernungspauschale bleiben durch das gesetzlich geregelte Reisekostenrecht unverändert. Die Gesetzesfassung ist an den neuen Arbeitsortbegriff "erste Tätigkeitsstätte" angepasst worden, der die regelmäßige Arbeitsstätte zum 1.1.2014 abgelöst hat. Überall dort, wo die Entfernungspauschale an die regelmäßige Arbeitsstätte geknüpft war, ist diese im Gesetz auch formal durch den Begriff der ersten Tätigkeitsstätte ersetzt worden.

Folgewirkungen durch das Reisekostenrecht 2014 ergeben sich dort, wo durch die inhaltlich grundlegend geänderte Abgrenzung des dauerhaften Arbeitsortbegriffs die bisherige regelmäßige Arbeitsstätte nicht zugleich die Kriterien der ersten Tätigkeitsstätte erfüllt.

Die Entfernungspauschale berechnet sich seit diesem Zeitpunkt nach der Wegstrecke, die für die arbeitstäglichen Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte maßgebend ist. Immer dann, wenn die tatsächliche Arbeitsstätte zugleich auch die erste Tätigkeitsstätte ist, kann der Arbeitnehmer keine Reisekosten erhalten. Die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte unterliegen in diesem Fall der begrenzten Abzugsfähigkeit der Entfernungspauschale von 0,30 EUR pro Entfernungskilometer, die den steuerfreien Arbeitgeberersatz ausschließt und beim Dienstwageninhaber den Ansatz eines zusätzlichen geldwerten Vorteils bewirkt.

Die gesetzliche Fiktion der Entfernungspauschale für Arbeitnehmer ohne erste Tätigkeitsstätte betrifft Fahrten, die den Reisekostenbegriff der beruflichen Auswärtstätigkeit erfüllen. Arbeitnehmer, die keine erste Tätigkeitsstätte haben, aufgrund Anweisung des Arbeitgebers aber dauerhaft denselben Ort bzw. ein weiträumiges Tätigkeitsgebiet aufsuchen müssen, um von dort typischerweise die arbeitstägliche berufliche Tätigkeit aufzunehmen, dürfen für diese Fahrten nur noch die einschränkenden Regelungen der Entfernungspauschale anwenden. Im Übrigen gelten für diese Fahrten jedoch die Reisekostenbestimmungen.

1.2 Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte

Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sind nach Maßgabe der Entfernungspauschale als Werbungskosten zu berücksichtigen. Dabei werden ab dem ersten Entfernungskilometer verkehrsmittelunabhängig 0,30 EUR pro vollen Entfernungskilometer für jeden Arbeitstag angesetzt, an dem der Arbeitnehmer von der Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte gelangt.

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