Disability Management

Zusammenfassung

 
Begriff

Unternehmen müssen nach längerer Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit oder Unfall für die Eingliederung ihrer Beschäftigten sorgen (Betriebliches Eingliederungsmanagement, BEM). Allerdings legt der Gesetzgeber nicht fest, wie ein BEM im Einzelnen gestaltet werden soll.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat das sog. Disability Management in Deutschland eingeführt, ein international anerkanntes und standardisiertes Konzept. Disability Management ist eine Querschnittsaufgabe und soll Unternehmen – unabhängig von Betriebsgröße oder Branche – dabei unterstützen, die Arbeitsfähigkeit ihrer Beschäftigten zu erhalten, wieder herzustellen bzw. zu fördern. Disability Management beinhaltet neben dem BEM auch betriebliche Gesundheitsförderung sowie Arbeitsschutz bzw. Arbeitssicherheit.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

1 Ziele

Disability Management hat zum Ziel, krankheitsbedingte Fehltage zu reduzieren und damit

  • die Erwerbsfähigkeit der Arbeitnehmer zu erhalten,
  • Wissen und Erfahrung der Beschäftigten für das Unternehmen zu erhalten,
  • Kosten und Organisationsaufwand als Folge der Arbeitsunfähigkeit zu verringern,
  • Zufriedenheit der Mitarbeiter und Bindung an das Unternehmen zu erhöhen.

Disability Management setzt v. a. auf Prävention, um gesundheitliche Beeinträchtigungen am Arbeitsplatz zu vermeiden bzw. frühzeitig zu erkennen, es arbeitet vernetzt und nachhaltig.

2 Disability Manager

Die Deutsche gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) bildet mit weiteren Partnern Disability Manager aus und verleiht geprüften Managern die Zulassung. Das Zertifikat gilt für ein Jahr, regelmäßige Weiterbildungen sind Pflicht. Inzwischen gibt es viele sog. "Certified Disability Management Professionals" (CDMP), meist Betriebsärzte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Betriebsräte, Personalverantwortliche und Führungskräfte von Unternehmen, Experten von Versicherungen sowie Ärzte und Therapeuten, die die Weiterbildung absolviert und die Zusatzqualifikation erhalten haben. Der Disability Manager[1]:

  • führt ein Disability Management im Unternehmen ein,
  • entwickelt Konzepte und Strategien für sichere und gesunde Arbeitsplätze,
  • berät Arbeitgeber und Arbeitnehmer,
  • ist Bindeglied zwischen allen Beteiligten,
  • organisiert die Zusammenarbeit zwischen betroffenen Arbeitnehmern, Arbeitgeber, Personalvertretung, Sozialversicherungen, behördlichen Stellen, Ärzten und Reha-Einrichtungen, Berufsförderungswerken und anderen,
  • betreut den Einzelfall,
  • übernimmt häufig die Gesamtkoordination des Disability Managements im Unternehmen.

In großen Unternehmen sind Disability Manager häufig fest angestellt, arbeiten jedoch eigenverantwortlich und unabhängig. Kleine Unternehmen beauftragen sie als externe Dienstleister, die dann meist für mehrere Unternehmen tätig sind. In KMU erledigen häufig die Betriebsärzte die Aufgaben eines Disability Managers.

[1] Quelle: DGUV.

3 Bedeutung für das Unternehmen

Arbeitgeber sind zu einem BEM verpflichtet. Ein Nachweis darüber kann z. B. dann erforderlich werden, wenn eine krankheitsbedingte Kündigung ausgesprochen werden soll, im Fall von Schadensersatzklagen Betroffener oder bei möglichen Regressforderungen von Renten- oder Sozialversicherungsträgern.

Unternehmen können ihr Disability Management im Rahmen eines Audits prüfen und zertifizieren lassen und dann mit dem Zertifikat bei Versicherungen Prämien einfordern.

Gesetzliche Renten- bzw. Unfallversicherung können sich an den Kosten für eine Eingliederung beteiligen z. B. für eine veränderte ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes.

Insgesamt lohnt sich für Unternehmen die Investition in Disability Management. So kalkuliert z. B. die Ford-Werke GmbH die Kosten zur Überbrückung und Neubesetzung einer vorübergehend vakanten Stelle mit ca. 60.000 EUR und beschäftigt deshalb einen Disability Manager.[1] Laut BMGS kostet jeder Fehlzeitentag 400 EUR. Fehlzeiten können für KMU stärker ins Gewicht fallen als für Großunternehmen.

[1] Quelle: DGUV.

4 Bedeutung für Beschäftigte

Beschäftigte haben nach längerer Krankheit oder Unfall, besser noch bereits bei auftretenden gesundheitlichen Beschwerden mit dem Disability Manager einen zentralen Ansprechpartner, der sie berät und betreut.

Durch die Zusammenarbeit aller Beteiligten und das gebündelte Fachwissen kann für den Einzelfall eine optimale Lösung gefunden werden, z. B.:

  • veränderte ergonomische Gestaltung des Arbeitplatzes,
  • ggf. finanzielle Unterstützung (z. B. Rente wegen Erwerbsminderung) des Beschäftigten.
 
Achtung

Demografischen Wandel beachten

Disability Management gewinnt auch vor dem Hintergrund einer zunehmend älteren Erwerbsbevölkerung an Bedeutung. Wegen zunehmender Lebensarbeitszeit und drohendem Fachkräftemangel müssen Arbeitgeber dafür sorgen, dass ältere Arbeitnehmer möglichst lange gesund und leistungsfähig bleiben. Die Investition in Disability Management lohnt sich für Unternehmen und sichert den wirtschaftlichen Erfolg.

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