BFH VI R 38/93
 

Entscheidungsstichwort (Thema)

Keine Verlängerung der Dreimonatsfrist bei Dienstreisen durch vorübergehende Rückkehr in den Betrieb

 

Leitsatz (amtlich)

Die Unterbrechung einer Dienstreise durch vorübergehende Rückkehr des Arbeitnehmers in den Betrieb führt nicht zu einer Verlängerung der Dreimonatsfrist des Abschn.25 Abs.3 LStR 1987.

 

Normenkette

EStG § 9 Abs. 1 S. 1; LStR 1987 Abschn. 25 Abs. 3

 

Tatbestand

Der Kläger und Revisionsbeklagte (Kläger) ist als Angestellter in einem Schwimmbad beschäftigt. In den Jahren 1988 und 1989 ließ er sich in einer anderen Stadt zum geprüften Schwimmmeister ausbilden. Der Lehrgang wurde als Einheit angeboten und in Rechnung gestellt; er umfaßte folgende Zeitabschnitte:

10. Oktober bis 3. November 1988 berufs- und arbeitspädagogischer

Teil mit Prüfung;

14. November bis 16. Dezember 1988 fachtheoretischer,

fachpraktischer, rechts- und

verwaltungskundlicher Teil;

9. Januar bis 28. Februar 1989 fachtheoretischer,

fachpraktischer, rechts- und

verwaltungskundlicher Teil

mit Prüfung;

19. Mai 1989 Verleihung des Meisterbriefes.

Zwischen den einzelnen Lehrgangsabschnitten war der Kläger jeweils an seiner regelmäßigen Arbeitsstätte tätig.

In der Einkommensteuererklärung 1989 machte der Kläger Aufwendungen für den Lehrgang (Verpflegungs-, Unterkunfts- und Fahrtkosten) nach Dienstreisegrundsätzen in Höhe von insgesamt 8 320 DM als Werbungskosten geltend. Der Beklagte und Revisionskläger (das Finanzamt --FA--) sah eine Dienstreise nur während der ersten drei Monate der Auswärtstätigkeit als gegeben an. Diese Frist habe im Streitfall am 8. Januar 1989 geendet. Für die Zeit danach seien die Grundsätze der doppelten Haushaltsführung anzuwenden. Verpflegungsmehraufwendungen seien ohne Nachweis mit 16 DM täglich anzusetzen; die Unterkunftskosten seien mangels Nachweises zu schätzen. Die Fahrt zur Entgegennahme des Meisterbriefes wurde als neue Dienstreise behandelt. Nach Abzug eines bisher unberücksichtigten Zuschusses des Arbeitsamtes erkannte das FA 3 407 DM als Werbungskosten an.

Die Klage, zu deren Begründung der Kläger sich darauf berief, mit jedem Lehrgangsabschnitt habe eine neue Dienstreise begonnen, hatte zum Teil Erfolg. Das Finanzgericht (FG) führte zur Begründung seiner Entscheidung im wesentlichen aus:

Die Lehrgangszeiten bis zum 9. Februar 1989 stellten eine Dienstreise dar. Entgegen der Auffassung des Klägers habe die Dreimonatsfrist des Abschn.25 Abs.3 der Lohnsteuer-Richtlinien (LStR) 1987 nicht für jeden Lehrgangsabschnitt neu zu laufen begonnen. Andererseits führten die Unterbrechungen des Lehrgangs vom 4. bis 13. November 1988 und vom 17. Dezember 1988 bis zum 8. Januar 1989 dazu, daß sich die Dreimonatsfrist bis zum 9. Februar 1989 verlängere.

Dies ergebe sich bereits aus dem Wortlaut des Abschn.25 Abs.3 Satz 1 LStR 1987. Denn die Tätigkeit an der regelmäßigen Arbeitsstätte sei nicht "diese Tätigkeit" am auswärtigen Beschäftigungsort. Aus Abschn.25 Abs.3 Nr.1 Satz 2 LStR 1987, wonach in anderen Fällen als Krankheit oder Urlaub die Dreimonatsfrist erst bei einer Unterbrechung von mindestens vier Wochen neu zu laufen beginne, folge nichts anderes. Die Vorschrift regele nur eine von drei möglichen Rechtsfolgen der Tätigkeitsunterbrechung, nämlich den Neubeginn der Dreimonatsfrist. Sie lasse die Möglichkeit unberührt, daß sich bei einer Unterbrechung von weniger als vier Wochen durch Rückkehr an die regelmäßige Arbeitsstätte die Dreimonatsfrist um den Zeitraum der Unterbrechung verlängere. Damit stehe in Einklang, daß eine Verlängerung des Dreimonatszeitraums lediglich bei einer Unterbrechung durch Urlaub oder Krankheit ausgeschlossen sei. Das Ergebnis entspreche auch dem Grundsatz der Gleichmäßigkeit der Besteuerung, da sonst Steuerpflichtige mit dreimonatiger Auswärtstätigkeit unterschiedliche Werbungskostenpauschalen erhielten, je nachdem ob sie die auswärtige Tätigkeit in einem Zuge oder mit Unterbrechungen durchführten.

Mit der Revision rügt das FA eine Verletzung des § 9 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Es führt aus, bei der --vom Bundesfinanzhof (BFH) gebilligten-- Dreimonatsfrist handele es sich um eine Typisierung zum Zwecke der Gleichbehandlung und Verwaltungsvereinfachung. Die LStR träfen nur insofern eine Unterscheidung, als in bestimmten Fällen eine neue Dreimonatsfrist beginne, aber generell eine Verlängerung nicht in Betracht komme.

Das FA beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben, soweit das FG der Klage stattgegeben habe, und die Klage abzuweisen.

Der Kläger beantragt unter Bezugnahme auf die Gründe der Vorentscheidung, die Revision zurückzuweisen.

 

Entscheidungsgründe

Die Revision des FA ist begründet. Sie führt zur teilweisen Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Abweisung der Klage.

1. a) Das FG ist zutreffend davon ausgegangen, daß der Kläger mit seiner Teilnahme an dem beruflichen Lehrgang eine Dienstreise durchgeführt hat (vgl. BFH-Urteil vom 18. Mai 1990 VI R 180/88, BFHE 161, 365, BStBl II 1990, 863; Abschn.25 Abs.2 Satz 1 LStR 1987) und daß die einzelnen Ausbildung...

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