Bewirtung / 6 Bewirtung bei Incentive-Maßnahmen

6.1 Steuerfreie Bewirtung bei Incentive-Veranstaltungen

Oft laden Firmen im Rahmen des Vertriebs der eigenen Produkte (potenzielle) Kunden zu Informations- oder Werbeveranstaltungen ein. Diese meist ganz- oder halbtägigen betrieblichen Veranstaltungen werden häufig mit einem Unterhaltungsprogramm verbunden, die geschäftliche Bewirtung ist nur Teil des Gesamtrahmenprogramms. Neben der Bewirtung werden Vorträge von Personen des öffentlichen Lebens, Aktivitäten von Stars aus Funk und Fernsehen, sonstige künstlerische oder kulturelle Darbietungen sowie Varieté-Auftritte und Musikprogramme angeboten. Der Unterhaltungsteil bewirkt, dass eine zweifelsfrei betrieblich veranlasste Werbe- oder Informationsveranstaltung den Charakter einer Eventveranstaltung erhält. Die Aufwendungen für die geschäftlich veranlasste Bewirtung bleiben ungeachtet der übrigen "Incentive-Maßnahmen" bei der steuerlichen Erfassung beim Dritten als Betriebseinnahme bzw. beim Arbeitnehmer als lohnsteuerpflichtiger Arbeitslohn außer Ansatz.[1]

Anders verhält es sich mit der Sachzuwendung "Unterhaltungsprogramm". Sie ist mit den hierfür entstandenen Aufwendungen beim Geschäftspartner eine steuerpflichtige Betriebseinnahme bzw. beim teilnehmenden Arbeitnehmer lohnsteuerpflichtiger Arbeitslohn. Im Falle der Pauschalbesteuerung sind die Aufwendungen für den Programmteil in die Bemessungsgrundlage des § 37b EStG einzubeziehen. Auch wenn die Veranstaltung insgesamt den Zweck verfolgt, für die vom Unternehmen vertriebenen Produkte zu werben, ist dennoch dieser Teil der Veranstaltung des Unternehmens getrennt zu beurteilen, wenn die unterhaltende Darbietung auch ohne die Werbeveranstaltung einen eigenständigen, objektiven marktgängigen Wert hat. Dies gilt auch für Sachzuwendungen in Form von Vorträgen über allgemeine Themen.

 
Praxis-Beispiel

Aufteilung der Aufwendungen bei Incentive-Veranstaltungen

Eine Möbelfirma lädt seine Einzelhändler zu einer Abendveranstaltung mit dem Thema "Träume wohnen" ein. Neben einem Ausblick auf die neue Möbelkollektion wird den teilnehmenden Kunden ein reichhaltiges Buffet geboten. Zur Abrundung des Abends tritt ein namhafter Varietékünstler auf, der Teile seines Tourneeprogramms "Traumwelt" zeigt.

Ergebnis: Die Verköstigung der Teilnehmer stellt eine steuerfreie geschäftliche Bewirtung dar und fällt daher nicht unter den Anwendungsbereich des § 37b Abs. 1 EStG. Die Aufwendungen für die künstlerische Darbietung sind als eigenständige steuerpflichtige Sachzuwendung zu beurteilen. Die Möbelfirma kann die Steuer mit 30 % für die Zuwendungsempfänger übernehmen.

Zur Aufteilung der Gesamtaufwendungen für "VIP-Logen" in Sportstätten o. Ä. gelten die von der Finanzverwaltung festgelegten Aufteilungssätze.[2] Der dort festgelegte Aufteilungsmaßstab ist bei anderen (eintägigen) betrieblichen Veranstaltungen mit Event-Charakter entsprechend anzuwenden, d. h. der Anteil der geschäftlich veranlassten Bewirtung ist herauszurechnen und stellt keine Betriebseinnahme bzw. keinen Arbeitslohn dar.[3]

6.2 Steuerpflichtige Bewirtung bei Incentive-Reisen

Eine Sonderstellung nehmen geschäftliche Bewirtungen ein, die im Rahmen von Incentive-Reisen durchgeführt werden. Eine Incentive-Reise ist ein Pauschalpaket mit touristischem (privatem) Charakter. Sie entspricht nach ihren Leistungs- und Erlebnismerkmalen regelmäßig einer am Markt angebotenen Gruppenreise, bei der Reiseziel, -programm und -dauer festgelegt sind und der Teilnehmerkreis begrenzt ist. Incentive-Reisen sind ertragssteuerlich als Gesamtpaket zu beurteilen.[1] Beim Empfänger ist die Reise als Gesamtleistung zu erfassen und der Wert sämtlicher Reiseleistungen als Betriebseinnahme bzw. Arbeitslohn zu erfassen. Beim Zuwendenden sind die Kosten für eine Incentive-Reise, die als Geschenk i. S. v. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 EStG oder zusätzlich zur ohnehin geschuldeten Leistung gewährt wird, in vollem Umfang in die Bemessungsgrundlage des § 37b EStG einzubeziehen. Die auf die Bewirtung entfallenden Kosten sind Teil der Gesamtleistung. Die Aufwendungen für geschäftliche Bewirtungen im Rahmen von Incentive-Reisen sind nicht steuerfrei und dürfen deshalb nicht aus der Bemessungsgrundlage für die 30-%-Pauschalsteuer herausgerechnet werden.

 
Praxis-Beispiel

"Incentive-Reise" als steuerpflichtige Gesamtleistung

Ein Bürofachgroßhändler lädt seine 10 besten Einzelhändler zu einer 2-tägigen Reise zum Großen Preis von Monaco nach Monte Carlo ein. Die Gesamtkosten inkl. Zugfahrt, Hotelunterbringung, Stadtbesichtigung und sonstigem Rahmenprogramm betragen 20.000 EUR. Darin enthalten sind 3.000 EUR für ein Galadiner an der Rennstrecke am Samstagabend. Der Bürofachgroßhändler übernimmt die Besteuerung nach § 37b EStG.

Ergebnis: Die Vorteilsgewährung bei Incentive-Reisen ist als Gesamtleistung zu beurteilen. Der pauschalen Einkommensteuer von 30 % unterliegen demzufolge sämtliche Kosten, die für die einzelnen Reiseleistungen 20...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge