1 Unbeschränkte Einkommensteuerpflicht

Ist ein Arbeitnehmer mit Wohnsitz im Inland im Ausland tätig, bleibt er unbeschränkt einkommensteuerpflichtig.[1] Im Inland wird grundsätzlich das Welteinkommen erfasst, wobei die Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) und der Auslandstätigkeitserlass eine eventuelle Steuerfreiheit oder einen Progressionsvorbehalt regeln.[2] Die Nationalität des Arbeitnehmers ist unbeachtlich. Dieser Grundsatz gilt unabhängig davon, ob der Arbeitnehmer im Ausland seinen Arbeitslohn von einem inländischen oder ausländischen Arbeitgeber bezieht.

Jeder inländische Arbeitgeber hat grundsätzlich auch von dem im Ausland gezahlten Arbeitslohn die Lohnsteuer zu erheben. Für die Auslandstätigkeit können aber auch steuerfreie Lohnteile gezahlt werden, z.  B. bleibt ein etwa gezahlter Kaufkraftausgleich in bestimmten Grenzen steuerfrei.[3]

2 Besteuerungsrecht des Tätigkeitsstaates

Bei Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit liegt das Besteuerungsrecht regelmäßig beim Tätigkeitsstaat. Dies wird durch das jeweils abgeschlossene Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) geregelt.[1]

Ausnahme beachten

Nach den DBA behält i.  d.  R. Deutschland das Besteuerungsrecht, wenn

  • sich der Arbeitnehmer nicht länger als 183 Tage im Steuer- bzw. Kalenderjahr oder innerhalb von 12 Monaten in dem anderen Staat aufhält,
  • der Arbeitslohn nicht von oder für einen Arbeitgeber gezahlt wird, der im Tätigkeitsstaat ansässig ist und
  • der Arbeitslohn nicht von einer Betriebsstätte getragen wird, die der Arbeitgeber im Tätigkeitsstaat unterhält.

Progressionsvorbehalt beachten

Hat das DBA-Land als Tätigkeitsstaat das Besteuerungsrecht, bleiben die Arbeitslöhne (Einkünfte) in Deutschland regelmäßig steuerfrei. Sie unterliegen jedoch dem Progressionsvorbehalt[2] bei der Einkommensteuerveranlagung. Dies bedeutet, dass die übrigen im Inland erzielten steuerpflichtigen Einkünfte mit dem Steuersatz besteuert werden, der sich unter Einbeziehung der steuerfreien ausländischen Einkünfte ergeben würde.

Zur Anwendung des Progressionsvorbehalts ermittelt das Finanzamt die Einkünfte nach deutschem Recht. In diesem Fall wird die im Ausland auf den (ausländischen) Arbeitslohn gezahlte Steuer nicht auf die deutsche Einkommensteuer angerechnet.

Grenzgängerregelung beachten

Besonderheiten ergeben sich für Grenzgänger, wenn das anzuwendende DBA eine Grenzgängerregelung enthält.

Anrechnung ausländischer Steuern

Hat ein unbeschränkt einkommensteuerpflichtiger Arbeitnehmer seinen Arbeitslohn im Inland und im Ausland zu versteuern, so wird die ausländische Steuer auf die deutsche Einkommensteuer angerechnet. Alternativ kann auf Antrag die ausländische Steuer bei der Einkommensermittlung abgezogen werden.[3]

3 Auslandstätigkeitserlass

Arbeitet der Arbeitnehmer in einem Staat ohne DBA Staat, kann der von einem inländischen Arbeitgeber gezahlte Arbeitslohn unter den Voraussetzungen des Auslandstätigkeitserlasses (ATE)[1] steuerfrei gezahlt werden.[2] Begünstigt sind nur bestimmte im Ausland ausgeübte Tätigkeiten; das gilt auch für beschränkt einkommensteuerpflichtige Arbeitnehmer.[3]

Verzicht auf Lohnsteuerabzug möglich

Der Arbeitgeber kann nach dem Auslandstätigkeitserlass auf den Lohnsteuerabzug verzichten, wenn ihm das Betriebsstättenfinanzamt für die betroffenen Arbeitnehmer eine Freistellungsbescheinigung erteilt hat. Hierbei sind Vergütungen, die nicht für eine bestimmte Arbeitszeit gezahlt werden (z.  B. Weihnachtszuwendungen), zeitanteilig aufzuteilen, wenn der Arbeitnehmer im selben Kalenderjahr teils im Inland, teils im Ausland tätig war. Der auf die begünstigte Auslandstätigkeit entfallende Teil der Vergütungen bleibt dann steuerfrei. Diese Steuerfreiheit des Auslandslohns bleibt auch bei der Veranlagung zur Einkommensteuer erhalten, sie unterliegt jedoch dem Progressionsvorbehalt.

Auslandstätigkeitserlass und Corona-Krise

Nach dem Auslandstätigkeitserlass setzt die Steuerfreiheit von begünstigten Tätigkeiten u. a. voraus, dass die jeweilige Tätigkeit für einen ununterbrochenen Zeitraum von mindestens 3 Monaten in einem ausländischen Staat ausgeübt wird. Dies gilt jedoch nur, wenn Deutschland mit dem betroffenen Staat kein Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung abgeschlossen hat, in das Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit einbezogen sind. Wurde eine nach dem Auslandstätigkeitserlass begünstigte und für mindestens 3 Monate geplante Auslandstätigkeit aufgrund der Corona-Krise unterbrochen oder beendet, ist das Nichterreichen der Mindestdauer von 3 Monaten unschädlich. Die Steuerfreiheit des Arbeitslohns gilt in diesen Fällen für den tatsächlich weniger ...

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