Arnold/Gräfl, TzBfG § 15 En... / 5.2.2 Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses
 

Rz. 69

Voraussetzung für die Anwendung des § 15 Abs. 5 TzBfG ist die tatsächliche Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitnehmer.

 

Rz. 70

Für § 625 BGB setzt dies nach gefestigter Rechtsprechung des BAG die tatsächliche Erbringung einer Arbeitsleistung durch den Arbeitnehmer voraus. Die Gewährung von Urlaub, Freizeitausgleich oder eine Entgeltfortzahlung genügen daher nicht (vgl. z. B. BAG, Urteil v. 24.10.2001, 2 AZR 620/00[1]; BAG, Urteil v. 2.12.1998, 7 AZR 508/97[2]).

 

Rz. 71

Grundlage dieser Rechtsprechung ist, dass nach dem Wortlaut von § 625 BGB die Fortsetzung durch den Verpflichteten zu erfolgen hat. Aus der Tatsache, dass nach dem Wortlaut des § 15 Abs. 5 TzBfG genügt, dass das Arbeitsverhältnis fortgesetzt wird, wird teilweise hergeleitet, dass für § 15 Abs. 5 TzBfG auch Fortsetzungshandlungen des Arbeitgebers wie Urlaubserteilung oder Überstundenausgleich ausreichen.[3]

 

Rz. 72

Dieser Auffassung ist nicht zu folgen. Es kommt auch bei § 15 Abs. 5 TzBfG auf die tatsächliche Erbringung der Arbeitsleitung durch den Arbeitnehmer an (BAG, Urteil v. 18.10.2006, 7 AZR 749/05[4]). Ist ein Arbeitnehmer über den Beendigungszeitpunkt hinaus arbeitsunfähig erkrankt, kommt § 15 Abs. 5 TzBfG daher nicht zur Anwendung.[5] Das weitere Tatbestandsmerkmal "mit Wissen des Arbeitgebers" spricht dafür, dass Handlungen des Arbeitgebers, wie Urlaubszuweisung oder Überstundenausgleich durch den Arbeitgeber nicht die Rechtsfolgen des § 15 Abs. 5 TzBfG auslösen.[6] § 15 Abs. 5 TzBfG sieht die Möglichkeit des Widerspruchs zur Verhinderung der gesetzlichen Fiktion nur für den Arbeitgeber vor. Auch dies belegt, dass die bewusste Fortsetzung durch den Arbeitnehmer Tatbestandsvoraussetzung ist.[7] Könnten Handlungen des Arbeitgebers die Fiktion auslösen, würde eine Regelungslücke entstehen. Entsprechend der Begründung des Gesetzentwurfs[8] kommt es auch bei § 15 Abs. 5 TzBfG daher allein auf die Fortsetzung durch den Arbeitnehmer an.

 

Rz. 73

Die Fortsetzung muss in unmittelbarem Anschluss an den Ablauf der vereinbarten Vertragszeit erfolgen. Eine spätere Aufnahme der Tätigkeit genügt auch dann nicht, wenn die Unterbrechung nach Ende der Vertragszeit des Arbeitnehmers auf einen nach Ablauf der Vertragszeit gewährten Urlaub zurückzuführen ist (BAG, Urteil v. 24.10.2001, 7 AZR 620/00[9]).

[1] NZA 2003, 153.
[2] NJW 1999, 1654.
[3] So z. B. APS/Backhaus, 5. Aufl. 2017, § 15 TzBfG, Rz. 62; Annuß/Thüsing/Maschmann, TzBfG, 3. Aufl. 2012, § 15 TzBfG, Rz. 18.
[4] AP TzBfG § 14 Nr. 28; bestätigt durch BAG v. 28.9.2016, 7 AZR 377/14; NZA 2017, 55, Rz. 30; Dörner, Der befristete Arbeitsvertrag, 2. Aufl. 2011, Rz. 742; ErfK/Müller-Glöge, 20. Aufl. 2020, § 15 TzBfG, Rz. 27; HK-TzBfG/Joussen, 6. Aufl. 2019, § 15, Rz. 75.
[5] Sievers, TzBfG, 6. Aufl. 2019, § 15 TzBfG, Rz. 49.
[6] HaKo/Mestwerdt, 6. Aufl. 2018, § 15 TzBfG, Rz. 32.
[7] So zu § 625 BGB KR/Fischermeier/Krumbiegel,12. Aufl. 2019, § 625 BGB, Rz. 24.
[8] BT–Drucks. 14/4374 S. 21.
[9] NZA 2003, 153 für den Fall eine Unterbrechung von 7 Kalendertagen.

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