Überblick

Dass es mit längerer Arbeitsdauer zu einer Zunahme gesundheitlicher Beeinträchtigungen kommt, gilt als gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis. Neben der täglichen Arbeitszeit spielt auch die wöchentliche Arbeitszeit eine große Rolle für die körperliche und psychische Gesundheit der Beschäftigten. So nehmen z. B. Schlafstörungen, Rückenschmerzen und Herzbeschwerden mit der Arbeitsdauer zu.

Die psychischen Belastungen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nehmen mit der Arbeitszeit zu, so gibt es signifikante Beziehungen zwischen vielen Überstunden und Depressionen. Die steigenden Fehlzeiten wegen Diagnosen, wie Depression, Burnout usw., werden zurzeit zur wichtigsten Herausforderung für den Arbeitsschutz. Daher sollten bei der Gestaltung der Arbeitszeit immer gesundheitliche Aspekte mitberücksichtigt werden.

"Kommen zu den langen Arbeitszeiten weitere potentiell ungünstige Bedingungen wie Schichtarbeit, variable Arbeitszeiten, schlechte Planbarkeit der Arbeitszeit oder Arbeit an Abenden oder am Wochenende hinzu, so werden von den Erwerbstätigen insgesamt häufiger Beschwerden berichtet."[1]

Bei der Gestaltung der Arbeitszeiten kann es durchaus zu Interessenkonflikten kommen:

  • Arbeitgeber möchten ihre Beschäftigten zu den betrieblich notwendigen Zeiten zur Verfügung haben. Sie haben also ein Interesse daran, dass Schichtarbeit, Flexibilität, Überstunden, kurzfristige Veränderungen der Dienstpläne möglich sind.
  • Beschäftigte brauchen ausreichend Zeit für Ruhe und Erholung und private Interessen. Sie möchten insbesondere ihre Freizeit möglichst frühzeitig planen, um private Termine wahrnehmen und in der freien Zeit wirklich abschalten zu können.

Rechtlich gesehen sind Arbeitgeber nach dem Arbeitsschutzgesetz zur menschengerechten und möglichst die Gesundheit nicht gefährdenden Gestaltung der Arbeit verpflichtet. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung sind sie zur Ermittlung der möglichen Gefährdungen und dem Einleiten von entsprechenden Gegenmaßnahmen verpflichtet. Trotz aller Sachzwänge gibt es hier vielfältige Möglichkeiten zur Gestaltung möglichst gesundheitsförderlicher Arbeitszeiten.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Die wichtigsten Vorgaben zur Arbeitszeitgestaltung finden sich im Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Um eine gesundheitliche Gefährdung der Beschäftigten zu vermeiden oder zu verringern, wird die Dauer der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit begrenzt und es werden Regelungen zu Pausen- und Ruhezeiten sowie zur Nachtarbeit getroffen.

Nach dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) sind Arbeitgeber für die Gesundheit und Sicherheit ihrer Beschäftigten verantwortlich. Gefährdungen für die körperliche und psychische Gesundheit müssen durch die Arbeitsgestaltung möglichst vermieden werden (§ 4 ArbSchG). Nach § 5 ArbSchG müssen Arbeitgeber die Arbeitsbedingungen regelmäßig beurteilen – als ein Einflussfaktor wird die Arbeitszeit ausdrücklich benannt.

Der Betriebsrat hat laut Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) beim Gesundheitsschutz und der menschengerechten Gestaltung der Arbeit weitgehende Mitbestimmungsrechte (besonders § 87 BetrVG, auch §§ 90, 91). Dazu gehört auch die Gestaltung der Arbeitszeit.

Weitere Regelungen zur Arbeitszeit werden im Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG), dem Mutterschutzgesetz (MuSchG), dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) und dem Flexi-II-Gesetz getroffen.

[1] Wirtz et al.: Lange Arbeitszeit und Gesundheit, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund 2009.

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