Krankmeldung: Zweifel an Arbeitsunfähigkeit

Das niedersächsische OVG bestätigte kürzlich die Entlassung einer Lehrerin, die mit falscher Krankmeldung in den Dschungel reiste. Unabhängig von diesem Fall stellt sich die Frage, wie Arbeitgeber bei Zweifeln an der Arbeitsunfähigkeit ihrer Mitarbeiter reagieren können.  

Im erwähnten Fall war die Sache ziemlich eindeutig. Per Videobotschaft meldete sich die krankgeschriebene Lehrerin aus dem australischen Dschungel. Der Arbeitgeber, die Landesschulbehörde, entließ die Mutter einer Dschungelcamp-Teilnehmerin daraufhin. Zu Recht, urteilte das OVG Niedersachsen, das überzeugt war, dass die Lehrerin Symptome vorgetäuscht hatte, um an eine Krankmeldung zu kommen. (Lesen Sie mehr in der News: Dschungel statt Schule: Entlassung wegen falscher Krankmeldung). 

Im Arbeitsalltag kommt es immer wieder zu Situationen, bei denen der Arbeitgeber oder Kollegen Zweifel an der Richtigkeit von Krankmeldungen eines Mitarbeiters haben. Immerhin bekennen sich in einer Studie rund zehn Prozent der deutschen Arbeitnehmer zum vereinzelten "blau machen".

Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit?

Wie aber soll ein Arbeitgeber reagieren, wenn er Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit eines Arbeitnehmers hat? Manchmal, wie im Fall der Lehrerin, kann der Arbeitgeber ziemlich sicher feststellen, dass die Arbeitsunfähigkeit des Mitarbeiters nur vorgetäuscht war. Doch in den meisten Fällen ist es nur ein Bauchgefühl, dass zu einem Misstrauen führt, etwa weil ein Arbeitnehmer wiederholt kurz vor oder nach dem Wochenende krank wird. Hier ist es für den Arbeitgeber schwierig, eine eventuell nur vorgetäuschte Arbeitsunfähigkeit nachzuweisen. Bei diesem sensiblen Thema sollte er das weitere Vorgehen unbedingt abwägen, denn nicht jede Vermutung ist auch begründet.

Problem Beweislast: Zweifel an der AU beweisen

Sollte der Arbeitgeber eine vorgetäuschte Arbeitsunfähigkeit bei einem Arbeitnehmer vermuten, so muss er zunächst beweisen, dass seine Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit berechtigt sind. Da ihm keine Diagnosen bekannt sind, gestaltet sich das oft schwierig. Für eigene Nachforschungen ist der Rahmen recht eng gesteckt. Er beschränkt sich auf die allgemein zulässigen Maßnahmen. Die Observation durch einen Privatdetektiv darf beispielsweise nicht in die Privatrechte des Arbeitnehmers eingreifen.

Tipp: Zuerst sollte immer das direkte Gespräch gesucht werden. So ist der Arbeitnehmer zwar nicht verpflichtet Auskünfte zur Krankheit zu erteilen, jedoch können oft schon aus der direkten Reaktion viele Informationen abgeleitet werden. Offene Gespräche schaffen Vertrauen und beugen weiterem Misstrauen vor.

Gesetzliche Nachweispflicht durch Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit

Ist der Arbeitnehmer zu einem Gespräch nicht bereit oder bestehen danach weiterhin Zweifel an der AU, kann der Arbeitgeber die frühzeitigere Vorlage einer AU-Bescheinigung verlangen. Arbeitnehmer sind nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz verpflichtet, dem Arbeitgeber die AU und deren voraussichtliche Dauer unmittelbar mitzuteilen. Eine verpflichtende Vorlage einer AU-Bescheinigung ist hingegen erst bei einer länger als drei Tage andauernden AU vorgesehen. Der Arbeitgeber ist jedoch berechtigt, die Vorlage bereits früher zu verlangen.

Tipp: Bei akuten Zweifeln an der AU sollte der Arbeitgeber sich die AU-Bescheinigung sofort vorlegen lassen.

Kommt der Arbeitnehmer der Verpflichtung zur Vorlage einer AU-Bescheinigung nicht rechtzeitig nach, kann der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung verweigern. Er kann diese sogar dann verweigern, wenn er die vorzeitige Vorlage der AU-Bescheinigung vom Arbeitnehmer fordert. Das Entgelt kann so lange verweigert werden, wie die AU-Bescheinigung nicht vorlegt wird.

Zusammenhang von Erkrankungen

Bestehen viele ggf. auch kurze Arbeitsunfähigkeiten, kann eine sogenannte "Zusammenhangsanfrage" bei der Krankenkasse weiterhelfen. Arbeitgeber können bei den Krankenkassen per Datenaustausch abfragen, ob vorhergehende Arbeitsunfähigkeiten aufgrund derselben Krankheit bestanden. Wenn dem so ist, deutet dies auf ein Grundleiden hin, welches regelmäßiger Behandlung bedarf. Das könnte die AU oftmals gerechtfertigt erscheinen lassen. Jeweils akute Erkrankungen wie beispielsweise nicht chronische Migräne, Bauschmerzen oder Schwindel gelten jedoch nicht als dieselbe Krankheit.

Vorlage beim MDK: Beweiswert von AU-Bescheinigung erschüttern

Arbeitgeber können zudem von der Krankenkasse verlangen, dass diese eine gutachterliche Stellungnahme beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) einholt. Die Krankenkassen können jedoch von einer solchen Einschaltung des MDK absehen, wenn aus den vorliegenden Diagnosen die AU eindeutig nachvollzogen werden kann.

Durch die Stellungnahme des MDK kann der Beweiswert der AU-Bescheinigung erschüttert werden. Aus diesem Grund werden bei einer abweichenden Beurteilung zunächst der behandelnde Arzt und die Krankenkasse über das Ergebnis informiert. Kann der Arzt seine Einschätzung nicht weiter begründen, übermittelt die Krankenkasse dem Arbeitgeber die Information, ob und bis wann eine Arbeitsunfähigkeit vom MDK bestätigt wurde. Hiermit kann der Arbeitgeber den Gegenbeweis führen und eventuell arbeitsrechtliche Konsequenzen ableiten.


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