Stillstand statt Abflug: Bei Air Berlin sollen sich zuletzt viele Piloten gleichzeitig arbeitsunfähig krank gemeldet haben. Bild: Haufe Online Redaktion

Weil sich bei Air Berlin viele Piloten gleichzeitig krankgemeldet hatten, vermuten nicht wenige Beobachter eine Art versteckten Streik. Unabhängig von der Lage bei der Airline ist es allgemein für Arbeitgeber schwierig, bei Zweifeln an der Arbeitsunfähigkeit eines Mitarbeiters, für Klarheit zu sorgen.

Wegen Diskussionen um die Sozialauswahl bei Air Berlin sollen rund 200 Piloten recht unerwartet und gleichzeitig erkrankt sein, wie zum Beispiel Spiegel-Online zuletzt berichtet hat. Sollte es sich tatsächlich um eine abgesprochene Aktion gehandelt haben, wäre dies natürlich kein zulässiges Mittel eines möglichen Arbeitskampfes, um bei der insolventen Fluglinie mögliche Forderungen durchzusetzen.

Air Berlin: Viele Piloten gleichzeitig krankgemeldet

Wie aber soll ein Arbeitgeber darauf reagieren, wenn ihm Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit (AU) der Arbeitnehmer kommen. Nicht nur in den Fällen wie bei Air Berlin, bei denen viele Mitarbeiter gleichzeitig krank werden, sondern auch bei einzelnen Arbeitnehmern, die beispielsweise wiederholt kurz vor oder nach dem Wochenende krank werden, gilt: Für Arbeitgeber ist es schwierig, eine eventuell nur vorgetäuschte Arbeitsunfähigkeit nachzuweisen. Daher müssen Arbeitgeber gerade bei Einzelfällen und bei diesem sensiblen Thema sorgfältig das weitere Vorgehen abwägen.

Zweifel an der AU beweisen

Sollte der Arbeitgeber eine vorgetäuschte Arbeitsunfähigkeit bei einem Arbeitnehmer vermuten, so muss er zunächst beweisen, dass seine Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit berechtigt sind. Da ihm keine Diagnosen bekannt sind, gestaltet sich das oft schwierig. Für eigene Nachforschungen ist der Rahmen recht eng gesteckt. Er beschränkt sich auf die allgemein zulässigen Maßnahmen. Die Observation durch einen Privatdetektiv darf beispielsweise nicht in die Privatrechte des Arbeitnehmers eingreifen.

Tipp: Zuerst sollte immer das direkte Gespräch gesucht werden. So ist der Arbeitnehmer zwar nicht verpflichtet Auskünfte zur Krankheit zu erteilen, jedoch können oft schon aus der direkten Reaktion viele Informationen abgeleitet werden. Offene Gespräche schaffen Vertrauen und beugen weiterem Misstrauen vor.

Gesetzliche Nachweispflicht durch Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit

Ist der Arbeitnehmer zu einem Gespräch nicht bereit oder bestehen danach weiterhin Zweifel an der AU, kann der Arbeitgeber die frühzeitigere Vorlage einer AU-Bescheinigung verlangen. Arbeitnehmer sind nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz verpflichtet, dem Arbeitgeber die AU und deren voraussichtliche Dauer unmittelbar mitzuteilen. Eine verpflichtende Vorlage einer AU-Bescheinigung ist hingegen erst bei einer länger als 3 Tage andauernden AU vorgesehen. Der Arbeitgeber ist jedoch berechtigt, die Vorlage bereits früher zu verlangen.

Tipp: Bei akuten Zweifeln an der AU sollte der Arbeitgeber sich die AU-Bescheinigung sofort vorlegen lassen.

Kommt der Arbeitnehmer der Verpflichtung zur Vorlage einer AU-Bescheinigung nicht rechtzeitig nach, kann der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung verweigern. Er kann diese sogar dann verweigern, wenn er die vorzeitige Vorlage der AU-Bescheinigung vom Arbeitnehmer fordert. Das Entgelt kann so lange verweigert werden, wie die AU-Bescheinigung nicht vorlegt wird.

Zusammenhang von Erkrankungen

Bestehen viele ggf. auch kurze Arbeitsunfähigkeiten, kann eine sog. "Zusammenhangsanfrage" bei der Krankenkasse weiterhelfen. Arbeitgeber können bei den Krankenkassen per Datenaustausch abfragen, ob vorhergehende Arbeitsunfähigkeiten aufgrund derselben Krankheit bestanden. Wenn dem so ist, deutet dies auf ein Grundleiden hin, welches regelmäßiger Behandlung bedarf. Das könnte die AU oftmals gerechtfertigt erscheinen lassen. Jeweils akute Erkrankungen wie z. B. nicht chronische Migräne, Bauschmerzen, Schwindel etc. gelten jedoch nicht als dieselbe Krankheit.

Vorlage beim MDK: Beweiswert von AU-Bescheinigung erschüttern

Arbeitgeber können zudem von der Krankenkasse verlangen, dass diese eine gutachterliche Stellungnahme beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) einholt. Die Krankenkassen können jedoch von einer solchen Einschaltung des MDK absehen, wenn aus den vorliegenden Diagnosen die AU eindeutig nachvollzogen werden kann.

Durch die Stellungnahme des MDK kann der Beweiswert der AU-Bescheinigung erschüttert werden. Aus diesem Grund werden bei einer abweichenden Beurteilung zunächst der behandelnde Arzt und die Krankenkasse über das Ergebnis informiert. Kann der Arzt seine Einschätzung nicht weiter begründen, übermittelt die Krankenkasse dem Arbeitgeber die Information, ob und bis wann eine Arbeitsunfähigkeit vom MDK bestätigt wurde. Hiermit kann der Arbeitgeber den Gegenbeweis führen und ggf. arbeitsrechtliche Konsequenzen ableiten.

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Schlagworte zum Thema:  Arbeitsunfähigkeit, Krankheit, Entgeltfortzahlung

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