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Der Fachkräftemangel verstärkt das Abwerben von Mitarbeitern. Dies ist aber nur in Grenzen erlaubt. Bild: MEV-Verlag, Germany

Viele Kliniken beklagen derzeit die aggressive Abwerbung ihrer Mitarbeiter durch die Konkurrenz. Tatsächlich müssen Personaler hier aufpassen: In manchen Fällen ist die Abwerbung wettbewerbswidrig, dann drohen Schadensersatzansprüche. Was Arbeitgeber bei einer Abwerbung beachten sollten.

Um dem Fachkräftemangel entgegenzutreten werden manche Arbeitgeber erfinderisch: Eine Stuttgarter Klinik verspricht ihren Mitarbeitern 2.500 Euro Belohnung, wenn sie Pfleger von anderen Einrichtungen abwerben, berichtet der SWR. Aber wie weit darf der Arbeitgeber gehen, um Positionen im Unternehmen zu besetzen? Wann ist das Abwerben von Mitarbeitern durch Headhunter, Mitarbeiter oder Arbeitgeber zulässig und was droht bei einer unzulässigen Abwerbung?

Abwerbung im Arbeitsrecht: Zulässig oder nicht?

Als Abwerbung wird von der Rechtsprechung jede ernsthafte Einwirkung auf Arbeitnehmer verstanden, die mit dem eindeutigen Ziel, diesen zum Arbeitgeberwechsel zu veranlassen, erfolgt.

Prinzipiell darf der Arbeitnehmer natürlich frei entscheiden, wo er arbeiten möchte. Er darf unter Einhaltung der Kündigungsvorschriften jederzeit den Arbeitgeber wechseln. Ebenso darf auch der Arbeitgeber anderweitig beschäftigte Mitarbeiter abwerben. Das Abwerben von Mitarbeitern gehört zur freien Marktwirtschaft und kann deshalb grundsätzlich nicht unterbunden werden. Die Abwerbung von Arbeitnehmern ist allerdings nur zulässig, solange sie nicht gegen das "Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb" (UWG) verstößt.

Kein Abwerben mit allen Mitteln und Methoden

Abwerben von Mitarbeitern bei der Konkurrenz ist dann nicht zulässig, wenn darin eine vorsätzliche Schadenszufügung für fremde Unternehmen liegt. Der Arbeitgeber darf beim Abwerben also nicht gegen die die guten Sitten verstoßen. Nicht erlaubt ist beispielsweise:

  • Arbeitnehmer zum Vertragsbruch auffordern, auch nicht zu einer Handlung, die den Arbeitgeber zur sofortigen Kündigung veranlassen soll (zum Beispiel Übernahme einer Vertragsbruchstrafe).
  • Arbeitnehmer durch irreführende Mitteilungen oder negative Äußerungen über den bisherigen Arbeitgeber zur Vertragslösung bringen.
  • Arbeitnehmer planmäßig abzuwerben, um die Leistungsfähigkeit des Konkurrenten zu schwächen oder um an Betriebsgeheimnisse zu gelangen. 

Zulässiges Abwerben von Mitarbeitern beim Wettbewerber

Zulässig ist es selbstverständlich, wenn Arbeitgeber dem Mitarbeiter in spe bessere Arbeitsbedingungen oder ein höheres Arbeitsentgelt bieten als der bisherige Arbeitgeber und ihn so zu einer ordnungsgemäßen Vertragslösung bringen. Selbst wenn der abgeworbene Mitarbeiter bereits vor Ablauf seiner eigentlichen Kündigungsfrist beim neuen Arbeitgeber aktiv tätig wird, ist dies nicht zwingend als wettbewerbswidriges Verhalten des Arbeitgebers zu werten. Er darf diese Leistung annehmen, solange er den neuen Mitarbeiter nicht aktiv zum Vertragsbruch angestiftet hat. Der ehemalige Mitarbeiter, der den Vertragsbruch begangen hat, kann aber von seinem bisherigen Arbeitgeber dafür belangt werden. 

Abwerben von Mitarbeitern am Arbeitsplatz

Das Abwerben von Mitarbeitern ist außerhalb ihres Arbeitsplatzes grundsätzlich erlaubt. Wie aber sieht es aus mit dem Abwerben von Mitarbeitern an ihrem Arbeitsplatz? Eine Kontaktaufnahme am Arbeitsplatz ob vor Ort oder per Telefon ist nur innerhalb engster Grenzen zulässig.

So darf der potentielle Arbeitnehmer an seinem Arbeitsplatz durch einen Personalberater für eine erste Kontaktaufnahme angerufen werden. Dabei darf er aber nur kurz nach seinem Interesse an einer neuen Stelle befragt werden und ihm dann die Stelle kurz skizziert werden.

Alles was darüber hinausgeht, kann als wettbewerbswidriges Verhalten gewertet werden, da es den betrieblichen Arbeitsablauf stört. Dazu zählt es auch, wenn der Headhunter sich nicht als solcher ausgibt oder den Arbeitnehmer belästigt, obwohl dieser kein Interesse hat. 

Abwerben von Mitarbeitern durch Kollegen

Ein Mitarbeiter, der seinen Arbeitgeber für einen neuen Arbeitgeber verlässt handelt wettbewerbswidrig, wenn er Kollegen abwirbt. Solange sein Arbeitsverhältnis besteht und auch wenn er frei gestellt ist, verbieten ihm dies die arbeitsvertraglichen Treuepflichten. (Im nächsten Kapitel dieses Top-Themas lesen Sie mehr zum Verbot der Wettbewerbstätigkeit im laufenden Arbeitsverhältnis.)

Mitarbeiter abwerben: Bei unzulässiger Abwerbung droht Schadensersatz

Wenn die Abwerbung eines Arbeitnehmers wettbewerbswidrig erfolgt, kann dies für den Arbeitgeber unangenehme Folgen haben. Zum einen droht Schadensersatz: Das Konkurrenzunternehmen kann- wenn ihm durch die wettbewerbswidrige Abwerbung ein Schaden entstanden ist- diesen einfordern. Es muss dafür den entstandenen Schaden nachweisen. Möglich ist auch ein Vorgehen mittels einer Unterlassungsklage. Der geschädigte Arbeitgeber kann möglicherweise auch ein Beschäftigungsverbot des unzulässig abgeworbenen Mitarbeiters vom neuen Arbeitgeber verlangen - zumindest für die Dauer der rechtmäßigen Kündigungsfrist. 


Schlagworte zum Thema:  Abwerbung, Wettbewerbsverbot, Schadensersatz, Karenzentschädigung

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