Eingruppierung – Entgeltord... / 10.4 Die Bewertung des Arbeitsvorgangs

10.4.1 Bewertungsgrundlage: jeder einzelne Arbeitsvorgang

Der Arbeitsplatz ist auf Grundlage des § 12 TVöD (Bund) zu bewerten. Bewertet wird dabei jeder einzelne Arbeitsvorgang der gesamten auszuübenden Tätigkeit. Es ist somit erforderlich, dass der Bewerter die gesamte Tätigkeit, die am Arbeitsplatz anfällt, zunächst in Arbeitsvorgänge zerlegt. Danach ist jeder ermittelte Arbeitsvorgang daraufhin zu untersuchen, welche Tätigkeitsmerkmale der Entgeltordnung er erfüllt und welchen zeitlichen Umfang seine Erledigung in Anspruch nimmt.

 
Wichtig

Welche Eingruppierungsnorm anzuwenden ist, können Sie nur bei Kenntnis der Entgeltordnung feststellen. Beschäftigen Sie sich also intensiv mit den unterschiedlichen Tätigkeitsmerkmalen der Entgeltordnung. In den nachfolgenden Beispielen wird von einer Tätigkeit eines Beschäftigten ausgegangen, auf den die "Allgemeinen Tätigkeitsmerkmale für den Verwaltungsdienst" des Teils I der Entgeltordnung anzuwenden sind.

Bei der Bewertung müssen Sie Folgendes unterscheiden:

  • Anforderungen, die sich aus der auszuübenden Tätigkeit ergeben, z. B. einfache Tätigkeiten, gründliche und vielseitige Fachkenntnisse, selbstständige Leistungen;
  • Personenbezogene Anforderungen, z. B. "abgeschlossene wissenschaftliche Hochschulbildung" in EG 13 Teil I oder "Fachkräfte für Lagerlogistik mit abgeschlossener Berufsausbildung" in EG 5 Teil III Abschn. 31. Die personenbezogenen Anforderungen müssen immer unabhängig von der auszuübenden Tätigkeit zusätzlich erfüllt sein.

10.4.2 Zeitanteil des Arbeitsvorgangs

Wie bereits erläutert, ist für jeden Arbeitsvorgang das Tätigkeitsmerkmal zu ermitteln, dessen Anforderungen er entspricht. Danach sind die zeitlichen Anteile der Arbeitsvorgänge, bei denen gleiche Anforderungen erfüllt sind bzw. die demselben Tätigkeitsmerkmal (z. B. selbstständige Leistungen basierend auf gründlichen und vielseitigen Fachkenntnissen) entsprechen, zusammenzurechnen. Ergibt sich nun, dass zeitlich mindestens zur Hälfte oder das im Tätigkeitsmerkmal selbst festgelegte abweichende zeitliche Maß (z. B. zu einem Fünftel selbstständige Leistungen bzw. zu einem Drittel selbstständige Leistungen) erreicht ist, folgt daraus, dass die gesamte Tätigkeit den Tätigkeitsmerkmalen dieser Entgeltgruppe entspricht und der Beschäftigte somit in dieser Entgeltgruppe eingruppiert ist.

 
Praxis-Beispiel

Der Beschäftigte A erledigt folgende Arbeitsvorgänge:

 
Arbeitsvorgänge zeitl. Anteil gründliche Fachkenntnisse gründliche und vielseitige Fachkenntnisse selbstständige Leistungen
1 35 % ja ja ja
2 20 % ja nein nein
3 20 % ja ja ja
4 15 % ja ja ja
5 10 % ja nein nein
100 % 100 % 70 % 70 %

Ergebnis: Der Beschäftigte A ist in Entgeltgruppe 9a Teil I der Entgeltordnung eingruppiert, weil zeitlich 70 % Arbeitsvorgänge anfallen, die den Tätigkeitsmerkmalen der Entgeltgruppe 9a (gründliche und vielseitige Fachkenntnisse und selbstständige Leistungen) entsprechen.

Es kommt also nicht auf die Anzahl der Arbeitsvorgänge an, sondern auf das Zeitvolumen von Arbeitsvorgängen mit gleichen Anforderungen bezogen auf die Gesamtarbeitszeit.

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