24.09.2015 | Demografischer Wandel

Demografievorsorgende Stellenpolitik im öffentlichen Dienst

Rechtzeitig Wissen an jüngere Kollegen weitergeben.
Bild: Haufe Online Redaktion

Wie kann dem demografischen Wandel in Deutschland im öffentlichen Dienst begegnet werden? Dieser Frage widmeten sich die Teilnehmer des Strategiekongresses Demografie „Wohlstand für alle Generationen?“ am 22. September 2015 in Berlin.

Der Kongress bildet das zentrale Forum für den Dialogprozess zur Demografiestrategie der Bundesregierung, der die unterschiedlichen Ebenen und Initiativen zur Gestaltung des demografischen Wandels zusammenführt. Im Zentrum des Kongresses stand die Diskussion der Ergebnisse, die im Dialog- und Arbeitsgruppenprozess gemeinsam erarbeitet wurden.

Für das im Rahmen der Demografiestrategie der Bundesregierung diskutierte Modell der demografievorsorgenden Stellenpolitik hat sich der dbb Vize und Fachvorstand Beamtenpolitik Hans-Ulrich Benra erneut stark gemacht.

Zentraler Stellenpool für die Einstellung von Nachwuchskräften

Um dem demografischen Wandel, der in den kommenden Jahren zu massiven Ruhestandsabgängen beim Personal von Bund, Ländern und Kommunen führen wird, zu begegnen, soll ein zentraler Stellenpool eingerichtet werden, aus dem den Bundesressorts temporär Planstellen und Stellen zur Einstellung von qualifiziertem Nachwuchs- und Fachpersonal in Mangelbereichen zur Verfügung gestellt werden können. Diese Stellen sollen automatisch in den zentralen Stellenpool zurückfallen, nachdem die Nachwuchskraft auf die durch den dann regulären Altersabgang frei gewordene Stelle überführt worden ist. Diese Stellen sind so wieder für andere Ressorts verfügbar, ohne dass es zu einem dauerhaften Stellenaufwuchs kommt. Ein solcher personalwirtschaftlicher Ansatz soll auch dazu beitragen, dass umfassendes, häufig auch informelles Wissen von älteren Kolleginnen und Kollegen kontinuierlich an die jüngeren weitergegeben werden kann.

Steigender Altersdurchschnitt und keine Personalreserven

Der Altersdurchschnitt im öffentlichen Dienst liegt derzeit bei 45,1 Jahren. Selbst wenn die Altersgrenze ausgeschöpft wird, gehen in den nächsten zehn Jahren beim Bund knapp 29 Prozent und bei den Ländern knapp 26 Prozent der Beschäftigten in den Ruhestand. „Große Teile der öffentlichen Verwaltung brechen damit in einer vergleichsweise kurzen Zeitspanne weg. Und das in einer Situation, die – für den Bürger spürbar – schon heute von einer Mangelwirtschaft geprägt ist“, so der dbb-Vize Benra. Insbesondere unter den Auswirkungen der aktuellen Flüchtlingskrise werde deutlich, dass die Verwaltung nach ständigen Kürzungen und Wiederbesetzungssperren mittlerweile überall "auf Kante genäht" sei, so Benra.

Personalnotstand führt zu notwendigen Veränderungen

Gleichwohl sieht der dbb neben Risiken und Belastungen durchaus auch Chancen in der Demografie, betonte der stellvertretende dbb Bundesvorsitzende: Er sieht „Chancen, dort zu Veränderungen zu kommen, wo es ohne diesen Druck vielleicht nicht so leicht wäre. Über viele Jahre haben wir im öffentlichen Dienst erlebt, dass ein Zusammenhang zwischen Aufgaben und Personalausstattung politisch mehr oder weniger geleugnet wurde. Das führte zu Arbeitsverdichtung bei den Beschäftigen und zu Leistungseinschränkungen und langen Bearbeitungszeiten bei den Bürgern. Diese mit den Jahren angewachsenen Personaldefizite lassen sich nun auch durch noch so viele politische Forderungen und Appelle nicht mehr wegargumentieren. Wenn wir als Staat und Gesellschaft handlungsfähig bleiben und die Herkulesaufgabe Integration bewältigen wollen, müssen wir in Menschen investieren“, forderte Benra.

Funktionsfähiger öffentlicher Dienst ist wichtiger Standortfaktor

Ein funktionsfähiger öffentlicher Dienst ist ein wesentlicher Standortfaktor für Deutschland, betonte auch die stellvertretende dbb Bundesvorsitzende Kirsten Lühmann. Eine aufgabengerechte Personalausstattung sowie notwendige finanzielle Ressourcen seien unerlässlich, denn ohne Rechtsstaatlichkeit und eine verlässliche Infrastruktur könnten die weitgehend vergleichbaren Lebens- und Wirtschaftsbedingungen in Deutschland schlicht nicht mehr gewährleistet werden. „Gerade angesichts der aktuellen gesamtgesellschaftlichen Herausforderung durch die Flüchtlingsströme wird deutlich, wie sich der seit Jahren herbeigeführte Personalmangel im öffentlichen Dienst nun an allen Ecken und Enden negativ bemerkbar macht“, so Lühmann.

Schlagworte zum Thema:  Demografie, Öffentlicher Dienst, Kongress

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