| Öffentliche Unternehmen

Zu hohe Liquidität? - Eine Studie

Bild: Haufe Online Redaktion

Jun.-Prof. Ulf Papenfuß und Christian Arno Schmidt haben diese Frage vor dem Hintergrund breit aufgestellter Kennzahlenvergleiche von öffentlichen Unternehmen beantwortet. Es zeigt sich, dass vielfach eine hohe oder keine Deckung des kurzfristigen Fremdkapitals zu verzeichnen ist.

Ausgangslage und Ziel der Studie
Öffentliche Unternehmen besitzen nach erfolgten Ausgliederungen sehr hohe Relevanz für die öffentliche Aufgabenwahrnehmung und die Haushalte. Hieraus resultiert die Notwendigkeit eines leistungsfähigen Beteiligungsmanagements. Während die Liquidität von privatwirtschaftlichen Unternehmen regelmäßig untersucht wird, liefert die Rechnungslegungsforschung bislang noch deutlich zu wenig empirische Studien zur Unterstützung der öffentlichen Hand.

Auf Basis einer repräsentativen Kennzahlenberechnung wurden in der Studie zentrale Liquiditätskennzahlen öffentlicher Unternehmen im Branchen- und Periodenvergleich in Bezug auf Auffälligkeiten bzw. Unterschiede vergleichend veranschaulicht.

Untersucht wurden 20 Großstädte; die 10 größten deutschen Städte sowie die 13 Landeshauptstädte bzw. 3 Stadtstaaten. Vergleichende Befunde scheinen hier u. a. aufgrund der Anzahl und Größe öffentlicher Unternehmen besonders aufschlussreich. Zudem ist über diesen Ansatz ein deutschlandweites Spektrum an Städten einbezogen.

Relevanz von öffentlichen Unternehmen für Kommunen und Bürger
Auf kommunaler Ebene sind im Bundesdurchschnitt etwa 50 % der von der öffentlichen Hand Beschäftigten außerhalb der Kernverwaltung in ausgegliederten Organisationseinheiten tätig. Diese nehmen 54 % der Sachinvestitionen der öffentlichen Hand vor. Weiter liegt die Verschuldung der Ausgliederungen vielfach gleich hoch oder sogar höher als der Schuldenstand der kommunalen Kernhaushalte.
Vor diesem Hintergrund ist ein leistungsfähiges Beteiligungsmanagement der öffentlichen Hand - inhaltlich und rechtlich - unabdingbar.

Liquidität in öffentlichen Unternehmen
In einem Unternehmen muss jederzeit gewährleistet sein, dass ausreichend Liquidität für anstehende Zahlungsverpflichtungen verfügbar ist. Zugleich sollte aber auch diejenige Finanzstruktur gewählt werden, welche die Kosten minimiert und damit Finanzmittel zur Bewältigung zusätzlicher Aufgaben oder zur besseren Erfüllung bestehender Aufgaben freimacht. Grundsätzlich ist eine langfristige Verfügbarkeit von Fremdkapital im Unternehmen vorteilhaft, da sie zum einen Sicherheit bietet und zum anderen je nach konjunktureller Lage günstiger als eine revolvierende kurzfristige Kreditaufnahme sein kann. Auch das Risiko einer Anschlussfinanzierung und des Finanzmittelabflusses durch Tilgungszahlungen werden verringert.

Im Rahmen der übergreifenden Diskussion um die wirksame wie wirtschaftliche Aufgabenerfüllung im Rahmen der kommunalen Verschuldung, muss im Zusammenwirken der beteiligten Akteure ein adäquates Liquiditätsmanagement erfolgen. Liquiditätsbündelungen ("Cash Pooling") und Fremdkapitalmanagement im "Konzern Stadt" erweisen sich als ratsam.

Ergebnisse der Studie und abgeleitete Empfehlungen
Der Kennzahlenvergleich für die Geschäftsjahre 2009 bis 2011 bei 269 öffentlichen Unternehmen aus 20 Großstädten hat gezeigt, dass bemerkenswerte finanzstrukturelle und liquiditätsbezogene Unterschiede innerhalb der jeweiligen Branchen und im Jahresvergleich bei einzelnen Unternehmen vorliegen.

Es ist zu unterstreichen, dass hierfür mit Blick auf die spezifischen Aufgaben und Strukturen dieser Unternehmen vielfach sehr stichhaltige Gründe gegeben sind. Die tabellarischen Kennzahlenvergleiche veranschaulichen jedoch auch zahlreiche Anknüpfungspunkte, in denen zusätzliche Potenziale für die öffentliche Hand bestehen.

Die Längsschnittstudie soll einen in dieser Form zur Liquidität bislang nicht transparent vorliegenden Orientierungsrahmen liefern.

Öffentliche Unternehmen werden trotz ihrer hohen gesellschaftspolitischen und ökonomischen Relevanz in Deutschland bislang von der Rechnungslegungsforschung kaum betrachtet. Hier droht eine Stagnation des Erkenntnisfortschritts und es bestehen noch nicht ausgeschöpfte Potenziale, die öffentliche Hand bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen zu unterstützen.

Adressaten der Studie
Für die fortwährende Diskussion um ein anforderungsgerechtes Finanzmanagement zur effizienten öffentlichen Aufgabenerfüllung sollen Akteure aus Aufsichtsräten, Beteiligungsmanagement, Politik, Unternehmen, Wirtschaftsprüfung und Beratung eine steuerungsorientierte Informationsbasis erhalten. Für den Arbeitsalltag bieten die Kennzahlenübersichten einen Orientierungsrahmen zur Unterstützung von Ausgestaltungsentscheidungen und für das Aufwerfen der "richtigen, weiterführenden Fragen".

Hier gelangen Sie zur kompletten Studie mit allen Kennzahlen.

Schlagworte zum Thema:  Liquidität, Rechnungslegung, Unternehmen, Kennzahlenvergleich, Öffentliche Verwaltung, Cash-Pooling

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