Welche Rolle spielen Kennzahlen für eine Jahresabschlussanalyse?

In diesem Kapitel werden ausgewählte Kennzahlenmodelle vorgestellt. Sie sind Grundlage späterer Konkretisierungen für ein systematisches (auch unterjähriges) Berichtswesen.

Leistungsfähigkeit der Kommune soll sichergestellt werden

Ein Hauptziel der Jahresabschlussanalyse mit Kennzahlen ist es, die dauernde Leistungsfähigkeit der Kommune nachzuweisen und zu sichern. Dieses allgemeine Ziel wird in der Regel auf der Grundlage der Drei-Komponenten-Rechnung (DKR) des Jahresabschlusses durch drei Teilziele operationalisiert (hier z. B. für Niedersachsen § 128 Abs. 1 NKomVG):

  • Vermögenslage (grundsätzlich Netto-Vermögen, also einschließlich Schulden i.S.v. Fremdkapital)
  • Ertragslage (leistungsbezogene Ressourcenlage: Ertrag und Aufwand)
  • Finanzlage (geld- bzw. zahlungsbezogene Liquiditätslage: Einzahlung und Auszahlung)

Bild der Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage

Dabei kann stets nur ein Bild der Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage gezeichnet werden, weil es ohne Vereinfachungen nicht geht (Modellcharakter des Jahresabschlusses und dementsprechend der Jahresabschlussanalyse): so bilden etwa Abschreibungen den tatsächlichen Werteverzehr von Vermögensgegenständen nie ganz genau ab.

Die buchhalterische Verbundlogik der Doppik erzwingt eine integrative Betrachtung dieser drei Ebenen. Das erschwert eine klare und eindeutige Systematisierung von entsprechenden Kennzahlen aus der DKR. Deshalb verwundert es nicht, dass verschiedene Gliederungsvarianten vorhanden sind. Zwei solcher Varianten sollen hier exemplarisch präsentiert werden.

Neues Kommunales Finanzmanagement: Kennzahlenset Nordrhein-Westfalen

Das erste Modell ist für das Neue Kommunale Finanzmanagement (NKF) in Nordrhein-Westfalen entwickelt worden:


1. Kennzahlen zur haushaltswirtschaftlichen Gesamtsituation

  •  Aufwanddeckungsgrad
  •  Eigenkapitalquote 1
  •  Eigenkapitalquote 2
  •  Fehlbetragsquote / Überschussquote

2. Kennzahlen zur Vermögenslage

  •  Infrastrukturquote
  •  Abschreibungsintensität
  •  Drittfinanzierungsquote
  •  Investitionsquote

3. Kennzahlen zur Finanzlage

  •  Anlagendeckungsgrad 2
  •  Dynamischer Verschuldungsgrad
  •  Liquidität 2. Grades
  •  Kurzfristige Verbindlichkeitsquote
  •  Zinslastquote

4. Kennzahlen zur Aufwands- und Ertragslage

  • Netto-Steuerquote / Allgemeine Umlagenquote
  •  Zuwendungsquote
  •  Personalintensität
  •  Sach- und Dienstleistungsintensität
  •  Transferaufwandsquote


Grobstruktur eines Kennzahlensystems für Schulungszwecke

Das zweite Modell ist für Schulungszwecke entwickelt und am Beispiel einer niedersächsischen Gemeinde mit Hilfe eines ausgewählten Jahresabschlusses konkretisiert worden:


1. Kennzahlen zur Vermögenslage und Vermögensentwicklung

1.1 Vermögenslage durch Anlagenintensität

1.2 Vermögensentwicklung durch Investition und Abschreibungen


2. Kennzahlen zur Finanz- und Schuldenlage

2.1 Eigenkapitalquoten

2.2 Anlagendeckung (Fristenkongruenz)

2.3 Verschuldungsgrade (statisch)

2.4 Liquiditätsgrade

2.5 Dynamische Verschuldung

2.6 Investitionsfinanzierungskraft

2.7 Forderungsausstand


3. Kennzahlen zur Ressourcen- bzw. Ergebnislage ("Ertragslage")

3.1 Gesamtdeckungserfolg (Nachhaltigkeit)

3.2 Ertragsquoten

3.3 Aufwandsquoten


Durch ein Kennzahlensystem die Aussagekraft erhöhen

Kennzahlensystem“ meint, dass die einzelnen Kennzahlen nicht isoliert zu betrachten sind, sondern im Zusammenhang. So kann z. B. eine Kennzahl eine andere bestätigen, aber auch widersprechen; oder sie kann eine andere konkretisieren und vertiefen sowie erklären, indem sie bestimmte Ursachen aufdeckt. Schließlich können einzelne, aber zusammenhängende Kennzahlen zu allgemeineren Kennzahlen zusammengefasst (aggregiert) werden. Ein System von Kennzahlen stellt also auf Wechselwirkungen zwischen einzelnen Kennzahlen ab und erhöht damit ihre Aussagekraft.

Schlagworte zum Thema:  Jahresabschluss, Kommunen, Doppik