Forschungsprojekt Baltbest: Smart Heizen in Wohngebäuden

Im Wohngebäudebestand steckt viel Effizienzpotenzial. Mit dem Einbau smarter Technik können Eigentümer beim Energiesparen helfen – doch maßgeblich kommt es auch auf gut informierte Mieter an. Alle müssen an einem Strang ziehen, wie das wohnungswirtschaftliche Forschungsprojekt Baltbest zeigt.

Die Bundesregierung hat ambitionierte Klimaschutzziele für den Gebäudesektor. Auch Eigentümer von Mehrfamilienhäusern und ihre Mieter können etwas dafür tun, dass der CO2 -Ausstoß etwa durch das Heizen möglichst schnell gesenkt wird. Eine smarte Gebäudetechnik, deren optimierte Betriebsführung und ein bewussteres Heizverhalten der Mieter sind entscheidende Stellschrauben.

Das ist die Kernaussage eines Zwischenergebnisses aus dem Forschungsprojekt "Einfluss der Betriebsführung auf die Effizienz von Heizungsaltanlagen im Bestand (Baltbest)", das im Dezember 2018 gestartet wurde und noch bis Mai 2021 läuft. Untersucht wird das Zusammenspiel von Anlagentechnik, Nutzerverhalten und baulichen Maßnahmen zur energetischen Sanierung.

Smart-Home-Technik für optimierte Energieeffizienz

Um die Energieeffizienz beim Wohnen kostengünstig zu steigern, wird es entscheidend auf eine optimierte Gebäudetechnik ankommen und darauf, die Mieter in den Mehrfamilienhäusern "mit robuster, preiswerter Smart-Home-Technik – die von der Wohnung vernetzt bis in den Heizkeller reicht – beim sparsamen Energieverbrauch zu unterstützen", heißt es in den Empfehlungen des Forschungskonsortiums, an dem 15 Projektpartnern aus Wohnungswirtschaft, Industrie und Wissenschaft beteiligt sind. Auch die Akzeptanz der Nutzer spiele eine große Rolle.

Insgesamt 100 Mehrfamilienhäuser von Mitgliedern des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. wurden für die Forschung mit einer Funk-Messinfrastruktur mit mehr als 5.800 Sensoren des Energiedienstleisters Techem ausgestattet.

Effizienzpotenziale in Anlagentechnik und Nutzerverhalten erste Baltbest-Erkenntnisse:

  • Die wohnungswirtschaftlichen Prozesse rund um die Gebäudebeheizung lassen sich deutlich optimieren: Der kontinuierlichen Überwachung der Anlagentechnik und dem Management von Mieterbeschwerden kommen hierbei Schlüsselrollen zu.
  • Potenzial für mehr Energieeinsparung durch Anpassung des Nutzerverhaltens in einzelnen Wohnungen: Die Mieter können durch regelmäßige digitale Informationen über ihre individuelle Heizungseinstellung mithilfe von Smart-Home-Systemen ihr Heizverhalten anpassen, Energiekosten sparen und den Verbrauch insgesamt senken.
  • Überdimensionierte Bestands-Heizungsanlagen: Wird eine Heizungsanlage ausgetauscht, orientiert sich die Leistung der neuen Anlage bislang oft eher an der alten Anlage als an dem konkreten Leistungsbedarf des Gebäudes.
  • Hydraulisch abgeglichene Anlage: Die Effizienz der Heizungsanlage kann bei hydraulisch abgeglichener Anlage, etwa durch die Absenkung der Vor- und Rücklauftemperaturen, optimiert werden.
  • Heizleistung und Vorlauftemperaturen: im täglichen Betrieb häufig unzureichend an die Außentemperaturen angepasst. Die Überversorgung führt zur Verschwendung, höheren Wärmeverlusten und ineffizientem Anlagenverhalten.
  • Wirksame Nachtabsenkungen sind im Bestand noch die Ausnahme.
  • Ein Teil der Mieter setzt bereits auf individuelle Smart-Home-Systeme, um die Raumwärme ihrem persönlichen Bedarf anzupassen: Eine heterogene Ausstattung der Gebäude behindert eine generelle Systemoptimierung. Nur durch den Einsatz einheitlicher Smart-Home-Systeme kann auch die Gesamtregelung der Heizung im Gebäude insgesamt optimiert werden.
  • Die Technik der Smart-Home-Systeme ist bislang auf den Einsatz in Einfamilienhäusern zugeschnitten: Nutzerassistenzsysteme brauchen für den breiten, wohnungswirtschaftlichen Einsatz eine Weiterentwicklung. Bedienbarkeit, Grundeinstellungen und der Datenaustausch über den Wärmebedarf der Wohnungen zum Wärmeerzeuger spielen eine wichtige Rolle.

"Eine digitale Unterstützung der Nutzer bei der individuellen Heizungseinstellung kann – gerade in optimierten oder energetisch modernisierten Gebäuden – beim optimalen Einsatz der Energie für den gewünschten Komfort in der Wohnung helfen", erklärt Gedaschko. Diese Erkenntnisse gelte es jetzt in konkrete Maßnahmen umzusetzen, insbesondere vor dem Hintergrund des seit dem 1. Januar geltenden CO2-Preises für Emissionen aus Brennstoffen bei Gebäuden.

Hintergrund: Das Baltbest-Projekt

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Baltbest-Projekt mit 1,1 Millionen Euro. Ausgewertet werden die Daten an der EBZ Business School – University of Applied Sciences und der Technischen Universität (TU) Dresden. Das Forschungsinstitut InWIS befragt darüber hinaus Mieter zum Heizverhalten. Ein Endergebnis wird noch im ersten Halbjahr 2021 erwartet.

In der laufenden Heizperiode widmet sich das Forschungsprojekt verstärkt der Frage, welche Einsparungen durch informierte Nutzer möglich sind. Derzeit geht das Forschungsteam davon aus, dass der Gesamtverbrauch einer Immobilie durch wenige Vielverbraucher um durchschnittlich zehn Prozent in den untersuchten Wohnimmobilien erhöht wird. Die Spanne reicht von fünf Prozent (wenige Vielverbraucher) bis 15 Prozent (besonders hoher Einfluss einiger Vielverbraucher).

In den untersuchten Gebäuden nutzen 15 Prozent der befragten Bewohner ein Smart-Home-System. Davon haben 60 Prozent der Bewohner das System über das Projekt erhalten, 40 Prozent haben es selbst erworben. Um detailliertere Erkenntnisse zu den Einsparmöglichkeiten zu erhalten, stattete das Forschungsteam weitere 60 Wohnungen mit Smart-Home-Technologie aus. Für das Feedback kommt eine speziell entwickelte App zum Einsatz.

Mitglied des Forschungskonsortiums sind der GdW, die Hochschulen EBZ und TU Dresden, die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt sowie die Wohnungsunternehmen GWH Wohnungsgesellschaft mbH Hessen, der Wohnungskonzern Vonovia, die LEG Immobilien AG, Dogewo21, die Spar- und Bauverein eG Dortmund und die WMB (Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte). Außerdem beteiligt sind die Energiedienstleister Techem und Ista und die Hersteller Bosch Thermotechnik, Viessmann und Danfoss.


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