Überblick

Es soll mehr Geld für den Einbau von Ladesäulen an Wohnhäusern geben. Bundesfinanzminister Olaf Scholz gibt sich großzügig und will das entsprechende Förderprogramm, das Eigentümer und Mieter entlasten soll, um 300 Millionen EUR aufstocken.

E-Mobilität soll in Deutschland massiv ausgebaut werden – auch und gerade im privaten Bereich. Die Erstinvestition in den Einbau von Ladesäulen an Wohnhäusern ist allerdings recht teuer. Deshalb soll es jetzt zusätzliche Fördergelder geben.

300 Millionen EUR zusätzlich für private Ladesäulen

Das Bundesfinanzministerium stockt ein Programm zur Förderung privater Ladestationen an Wohngebäuden auf, will die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfahren haben. Finanziert werden soll das ganze aus dem Energie- und Klimafonds.

Zugesagt hat Finanzminister Olaf Scholz 300 Mio. EUR. Das sind sogar 100 Mio. EUR mehr, als Verkehrsminister Andreas Scheuer Anfang Juli gefordert hatte. Mit dem Programm fördert die Regierung den Einbau sog. Wandladestationen (Wallboxen).

Nachdem bereits Anträge für rund 620.000 Ladepunkte eingegangen sind, ist das 500 Mio.-EUR-Budget des Verkehrsministeriums schon ausgeschöpft. Umso größer die Freude, dass der Finanzminister weitere 300 Mio. EUR zur Verfügung stellen will. Damit könnte die Wallbox-Förderung in Kürze fortgesetzt werden. Eine flächendeckende und nutzerfreundliche Ladeinfrastruktur ist Voraussetzung dafür, dass mehr Menschen auf klimafreundliche E-Autos umsteigen. Die Neuzulassungen von Elektroautos sind in den vergangenen Monaten vor allem wegen höherer staatlicher Prämien stark gestiegen.

Ladesäulen in der Wohnungswirtschaft: 3 Probleme im Überblick

Ein Bündnis aus Wirtschaftsverbänden hatte im März 2021 mehr staatliche Hilfen für den Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur an Mehrfamilienhäusern gefordert. Die enormen Investitionen könnten nicht von Immobilienbesitzern und Mietern alleine getragen werden, hieß es in dem gemeinsamen Schreiben des Verbands der Automobilindustrie (VDA), des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft GdW.

Beim Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur sind einige technische Probleme zu meistern. Drei große Herausforderungen sind:

  1. Bestandsgebäude haben eine elektrische Infrastruktur, die denen der 1980er-Jahre entspricht. Bei zukünftigen Anforderungen, etwa dem Laden von E-Autos, dem Betrieb von Solaranlagen oder der Wärmeversorgung mit Wärmepumpen, werden laut VDA, BDEW und GdW diese Anlagen "regelmäßig an ihre Grenzen kommen".
  2. Anders als im Ein- und Zweifamilienhaus-Bereich findet im Mehrfamilienhaus eine gleichzeitige Versorgung verschiedener Haushalte statt. Auch wenn die Hausanschlüsse effizient genutzt werden, gibt es "wenig Reserven, wenn sehr viel Strom gleichzeitig benötigt wird". Immer mehr Pkw-Stellflächen mit Ladeinfrastruktur führen zu einem hohen Strombedarf. Die Verbände gehen von einer typischen Ladeleistung von 11 Kilowatt (kW) eines E-Autos aus. Eine Elektroherdplatte braucht zwischen 1 und 3 kW, je nach Energieeffizienz. Es wird eine moderne Elektroinstallation notwendig, die Anschluss, Absicherung, Zählerkästen und Kommunikationsinfrastruktur umfasst.
  3. Es sind erhebliche Investitionen in die elektrische Gebäudeinfrastruktur notwendig, um die Energiewende insgesamt umzusetzen, die Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern ist nur ein Teil davon. Dazu kommen Investitionen in die Effizienzsteigerung der Gebäude, in die "Wärmewende", in den altersgerechten Umbau und in die Digitalisierung.

E-Mobilität: Was die Bundesregierung bisher tat

In Deutschland sollen bis zum Jahr 2030 insgesamt 1 Million Ladepunkte zur Verfügung stehen. Das Bundeskabinett hatte dafür erstmals im November 2019 den "Masterplan Ladeinfrastruktur"" beschlossen. In einem Konjunkturpaket, das am 3.6.2020 verabschiedet worden ist, waren für den Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie die Forschung und Entwicklung bei der Elektromobilität und der Batteriezellfertigung 2,5 Mrd. EUR Fördermittel veranschlagt.

Davon flossen die oben erwähnten 500 Mio. EUR in die Förderung von privaten und gewerblichen Ladeeinrichtungen. Das war aus Sicht der Verbände viel zu kurz gegriffen, schnell waren sie aufgebraucht. Die Installation eines Ladepunkts an einem Mehrfamilienhaus koste bereits rund 5.000 EUR, rechneten VDA, BDEW und GdW schon damals vor.

Im Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) und im Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetz (WEMoG) wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einbau von Ladesäulen schon geregelt.

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