3 Fragen an Mareike Kipp und Sebastian Festag

Vom Lerneffekt und probabilistischen Methoden


Brandschutz: Risiken erkennen und minimieren

Brandschutz kann Menschenleben retten. Wie lassen sich Risiken reduzieren? Und welche neuen Technologien unterstützen verlässlich? Drei Fragen an Mareike Kipp, Leiterin der Business Unit Personal Fire Safety bei Hekatron Brandschutz, und Dr. Sebastian Festag, Risikoforscher bei Hekatron.

Herr Festag, Sie sind Risikoforscher und Präsident der Gesellschaft für Sicherheitswissenschaft. Wie lassen sich Brandschutzlösungen bewerten und wirksam gestalten?

Dr. Sebastian Festag: Um die Wirksamkeit von Brandschutzlösungen zu bewerten, lassen sich zwei Entwicklungslinien skizzieren. Die erste basiert auf Lehren aus vergangenen Ereignissen. Was ist eigentlich passiert und wie lassen sich solche Ereignisse vermeiden?

Ein Beispiel ist der große Brand in der Londoner Innenstadt im Jahr 1666 oder der Brand des Grenfell Tower in London im Jahr 2017, wo es bei der Fassade zu unglaublichen Brandentwicklungen gekommen ist. Ein Großteil der heutigen Vorschriften und Erkenntnisse zur Vermeidung von Feuerschäden ist auf Basis solcher Ereignisse entstanden. 

Die zweite Entwicklungslinie sind probabilistische Methoden, die mathematische Modelle zur Risikoanalyse nutzen. Man hat angefangen, mathematische Modelle zu entwickeln, die sogenannte stochastischen Versagen modellieren, das heißt also, Zufallsvariablen beschreiben. Diese sogenannten Ingenieurmethoden des Brandschutzes sind besonders bei Einzelfallkonstellationen von großer Bedeutung.

Hinzu kommt das Hinterfragen der Wirksamkeit. Was hat es tatsächlich gebracht, dass wir die Maßnahme ergriffen haben? Methodisch ist das schon lange vorgesehen im Rahmen von Gefährdungsbeurteilungen. Aber wir müssen dem Prozess mehr Aufmerksamkeit schenken. Wenn wir mit technischen Schutzmaßnahmen arbeiten, unterstellen wir auf Basis von Normen und Konformität, dass sie grundsätzlich wirksam sind. Das Zusammenspiel dieser Maßnahmen in der Lebenswirklichkeit ist eine zusätzliche Herausforderung.

Es ist spannend zu fragen: Was hat es jetzt tatsächlich gebracht? Wir führen dazu seit vielen Jahren eine ganze Reihe von Untersuchungen durch, um Schutzmaßnahmen zu verbessern und um weitere Angriffspotenziale zu finden.

Die komplette Folge L'Immo-Podcast mit Gastgeber Jörg Seifert

Schulungen und Informationsveranstaltungen essenziell

Frau Kipp, welche Rolle spielen neue Technologien bei der Verhinderung von Bränden?

Mareike Kipp: Gefahren lassen sich durch präventive Maßnahmen und moderne Technologien wie zum Beispiel Typ C Ferninspektionsmelder effektiv minimieren. Dieser Melder überprüft sich durch neue Sensorik selbst und erkennt Probleme wie zu nah stehende Möbel, die die Funktion beeinträchtigen könnten oder Abklebungen, die nach Renovierungsarbeiten vergessen wurden. Er meldet solche Fälle direkt an den Messdienstleister. Das spart Zeit und Kosten und erhöht gleichzeitig die Sicherheit. 

Ein weiteres wichtiges Qualitätsmerkmal für Rauchwarnmelder ist das Q-Label. Das europaweit anerkannte Siegel garantiert eine höhere Zuverlässigkeit und deutlich weniger Fehlalarme. Zudem verfügen Rauchwarnmelder mit Q-Label über eine fest verbaute Batterie, die zehn Jahre hält. Das reduziert auch den Wartungsaufwand.

Damit neue Technologien auch wirksam eingesetzt werden, sind Schulungen und Informationsveranstaltungen essenziell. Wir bieten in unserem Schulungszentrum Programme an, die die richtige Anwendung der Produkte vermitteln. 

Welche Rolle spielen Normen und Richtlinien beim Brandschutz – und warum sind sie mehr als reine Bürokratie?

Festag: Sicherheitsanforderungen entstehen nicht willkürlich. Sie dienen dazu, Menschen vor Gefahren zu schützen und bestimmte Ereignisse nicht erneut passieren zu lassen.

Normen und Richtlinien untermauern unsere gesetzlichen Anforderungen und regeln technische Details. Normen sind etwas sehr Sinnvolles, auch wenn sie gerne mal als sperrig bürokratisch wahrgenommen werden. Zum einen stellen sie eine Mindestqualität sicher, zum anderen dienen sie der Kompatibilität. Damit ist gewährleistet, dass bestimmte Produkte zueinander passen. Stellen wir uns mal vor, ein Stecker würde nicht zur Steckdose passen oder jeder würde es anders machen. 

Dazu kommt die wirtschaftliche Dimension. Durch einheitliche Standards wird freier Warenverkehr ermöglicht – etwa innerhalb Europas. Im Sicherheitsumfeld ist das besonders anspruchsvoll, da hier nicht nur Kompatibilität und Wirtschaftlichkeit, sondern vor allem Sicherheit und Qualität gewährleistet werden müssen.

Das ist ein redaktionell bearbeiteter Auszug aus dem L'Immo-Podcast mit Mareike Kipp und Dr. Sebastian Festag.


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