18.09.2012 | Top-Thema Ist-Besteuerung

Geringerer Verwaltungsaufwand und bessere Liquidität für kleine Unternehmen

Kapitel
Bild: Haufe Online Redaktion

Grundsätzlich gilt in der Umsatzsteuer das Prinzip der Soll-Besteuerung. Unter bestimmten Voraussetzungen können Unternehmer jedoch die Ist-Besteuerung beantragen. Die Ist-Besteuerung hat den Vorteil, dass die Umsatzsteuer erst dann entsteht, wenn die Kunden ihre Rechnung bezahlen.

Besteuerung nach vereinnahmten Entgelten

Die Besteuerung nach vereinnahmten Entgelten wird als Ist-Besteuerung bezeichnet, die Besteuerung nach vereinbarten Entgelten als Soll-Besteuerung. Bei der Ist-Besteuerung entsteht die Umsatzsteuer erst dann, wenn die Kunden oder Mandanten ihre Rechnung bezahlen – die Umsatzsteuer muss also nicht vorfinanziert werden. Diesen Liquiditätsvorteil sollten Unternehmer immer dann nutzen, wenn zwischen Rechnungsstellung und Bezahlung durch den Kunden größere Zeiträume liegen.

Nach dem Umsatzsteuergesetz gilt die Soll-Besteuerung als Regelfall. Die Ist-Besteuerung ist nur auf Antrag und unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

Wechsel zur Ist-Besteuerung: 500.000-EUR-Umsatzgrenze beachten

Freiberufler, die ihren Gewinn durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln, dürfen immer – unabhängig von der Höhe ihres Umsatzes – die Ist-Besteuerung wählen. Ebenso alle Unternehmer, die gemäß § 148 AO von der Bilanzierung befreit sind.

In allen anderen Fällen kann die Ist-Besteuerung beantragt werden, wenn der Gesamtumsatz des Vorjahres nicht mehr als 500.000 EUR betrug. Diese Umsatzgrenze wurde zunächst bis zum 31.12.2011 befristet von 250.000 EUR auf 500.000 EUR erhöht. Durch das „Dritte Gesetz zur Änderung des Umsatzsteuergesetzes vom 6.12.2011“ ist der Grenzwert mit Wirkung vom 1.1.2012 dauerhaft auf 500.000 EUR festgesetzt worden.

Praxis-Beispiel: Unterschied zwischen Soll- und Ist-Besteuerung

Unternehmensberater Huber stellt seinem Kunden für ein Unternehmenskonzept brutto 11.900 EUR in Rechnung (incl. 19 % Umsatzsteuer = 1.900 EUR). Seine Rechnung datiert vom 15.7.2012. Der Kunde überweist am 5.10.2012 einen Betrag von 8.000 EUR.

Variante 1: Unternehmensberater Huber wendet die Ist-Besteuerung an

Huber muss den gezahlten Betrag von 8.000 EUR ./. 1.277,31 EUR Umsatzsteuer = netto 6.722,69 EUR erst in seiner Umsatzsteuer-Voranmeldung für den Monat Oktober 2012 erfassen; bei vierteljährlicher Abgabe in der Voranmeldung für das IV. Quartal 2012. Huber versteuert nur den Betrag, den der Kunde tatsächlich gezahlt hat.

Variante 2: Unternehmensberater Huber wendet die Soll-Besteuerung an

Unternehmensberater Huber muss den Umsatz in seiner Umsatzsteuer-Voranmeldung für den Monat Juli 2012 erklären. Er muss die in der Rechnung ausgewiesene Umsatzsteuer von 1.900 EUR in voller Höhe im Monat August 2012 ans Finanzamt abführen, bei einer Dauerfristverlängerung im September 2012.

Vorteile der Ist-Besteuerung

Die Ist-Besteuerung bringt Unternehmern Zins- und Liquiditätsvorteile. Da sowohl die Einnahmen-Überschuss-Rechnung als auch die Ist-Besteuerung auf den Zufluss der Einnahmen abstellt, ist auch der Verwaltungsaufwand innerhalb der Buchführung deutlich geringer.

Vorsteuer darf immer sofort abgezogen werden

Unternehmer können die Vorsteuer geltend machen, sobald eine Leistung für das Unternehmen bezogen wurde und eine ordnungsgemäße Rechnung vorliegt. Es spielt keine Rolle, ob die Umsätze nach dem Ist- oder Soll-Prinzip versteuert werden.

Die Vorsteuer wird immer in dem Voranmeldungszeitraum abgezogen, in dem die ordnungsgemäße Rechnung vorliegt. Es kommt nicht darauf an, wann die Rechnung bezahlt wird. Nur bei Voraus- und Anzahlungen darf die Vorsteuer erst geltend gemacht werden, sobald die Zahlung erfolgt ist.

Praxis-Tipp: Vorsteuer erst bei Zahlung buchen

Bei einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung werden in der Regel keine Verbindlichkeiten gebucht. In der Praxis wird oft so verfahren, dass im Laufe eines Jahres die Vorsteuer erst beim Zahlungsausgang gebucht wird. Das ist einfacher und übersichtlicher, weil sich dann die Umsatzsteuer-Voranmeldungen unmittelbar aus der Buchführung ableiten lassen. Dadurch entsteht ein Liquiditätsnachteil, den man wegen der Vereinfachung der Buchführungsarbeiten in Kauf nehmen kann.

Beim Jahresabschluss sollte der Vorsteuerabzug so zeitnah wie möglich erfasst und dem richtigen Jahr zugordnet werden, auch wenn der Zeitpunkt des Vorsteuerabzugs nicht mit dem Zeitpunkt des Betriebsausgabenabzugs übereinstimmt.

Schlagworte zum Thema:  Liquidität, Soll-Besteuerung, Umsatzsteuer, Ist-Besteuerung

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