18.09.2012 | Top-Thema Ist-Besteuerung

Wechsel zur Ist-Besteuerung - Umsatzgrenze erhöht

Kapitel
Bild: Haufe Online Redaktion

Für Gewerbetreibende ist ein Antrag auf Wechsel zur Ist-Besteuerung grundsätzlich nur möglich, wenn der Gesamtumsatz im vorangegangen Kalenderjahr 500.000 EUR nicht überschritten hat. Der Antrag ans Finanzamt ist weder Form noch fristgebunden.

Nicht bilanzierende Freiberufler dürfen die Ist-Besteuerung immer beanspruchen

Die Ist-Besteuerung kann uneingeschränkt auf „Umsätze aus der Tätigkeit eines freien Berufs“ angewendet werden (§ 20 Abs. 1 Nr. 3 UStG). Bei einer freiberuflichen Tätigkeit spielt die Höhe des Vorjahresumsatzes keine Rolle. Zu den freiberuflichen Umsätzen gehören auch die so genannten Hilfsumsätze, wie z. B. der Verkauf von Einrichtungsgegenständen oder eines Firmenwagens.

Freiberufler, die steuerpflichtige Umsätze ausführen, erklären ihre Umsätze in dem Voranmeldungszeitraum, in dem ihre Kunden die Rechnung bezahlt haben.

Keine Ist-Besteuerung bei freiwilliger Bilanzierung

Bisher konnte die Ist-Besteuerung unabhängig von der Gewinnermittlungsart angewandt werden. Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 22.7.2010 gilt dies allerdings nicht für Freiberufler und Freiberufler-Sozietäten, wenn sie freiwillig bilanzieren (Aktenzeichen: V R 4/09). Der BFH stützt seine Auffassung darauf, dass Bilanzierungspflicht und freiwillige Bilanzierung gleich zu behandeln sind.

Praxis-Tipp: Ist-Besteuerung weiterhin anwendbar

Gegen dieses Urteil wurde Verfassungsbeschwerde eingelegt (Aktenzeichen: 1 BvR 3063/10). Solange noch keine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vorliegt, können bilanzierende Freiberufler weiterhin die Ist-Besteuerung anwenden. Eine Umstellung auf Soll-Besteuerung ist vorerst nicht erforderlich.

Erzielt ein Unternehmer ausschließlich steuerfreie Umsätze oder handelt es sich um einen Kleinunternehmer im Sinne des § 19 Abs. 1 UStG, spielt die Soll- oder Ist-Besteuerung keine Rolle.

Praxis-Tipp: Geringerer Verwaltungsaufwand durch Ist-Besteuerung

Bei der Ist-Besteuerung - ebenso wie bei der Einnahmen-Überschuss-Rechnung – wird darauf abgestellt, wann die Einnahmen zufließen. Werden die Betriebseinnahmen nach Zufluss erfasst, können die Zahlen für die Umsatzsteuer-Erklärung bzw. -Voranmeldung problemlos aus der Einnahmen-Überschuss-Rechnung (Buchführung) übernommen werden. Wer seinen Gewinn mittels Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellt, sollte also nach Möglichkeit die Ist-Besteuerung beantragen, weil er sich dadurch seine Buchführungsarbeiten erleichtert.

Vorjahresumsatz darf den Grenzbetrag von 500.000 EUR nicht überschreiten

Wer kein Freiberufler ist und sich auch nicht von der Bilanzierung befreien lassen kann, darf die Ist-Besteuerung nur beanspruchen, wenn sein Vorjahresumsatz 500.000 EUR nicht überschreitet. Der höhere Grenzwert von 500.000 EUR galt für alle Bundesländer zunächst nur bis zum 31.12.2011. Durch das „Dritte Gesetz zur Änderung des Umsatzsteuergesetzes vom 6.12.2011“ ist der Grenzwert mit Wirkung vom 1.1.2012 dauerhaft auf 500.000 EUR festgesetzt worden.

Widerruf der Genehmigung durch das Finanzamt

Hat das Finanzamt einem Unternehmer gestattet, die Besteuerung nach vereinnahmten Entgelten durchzuführen, dann kann er die Versteuerung solange durchführen, bis das Finanzamt seine Genehmigung widerruft.

500.000-EUR-Umsatzgrenze: Gesamtumsatz berechnen

Bei der Ermittlung des Grenzwerts ist der Gesamtumsatz im Sinne des § 19 Abs. 3 UStG maßgebend. Die meisten umsatzsteuerfreien Umsätze, die den Vorsteuerabzug ausschließen, gehören nicht zum Gesamtumsatz. Die steuerfreien Umsätze nach § 4 Nr. 8i, Nr. 9b, und Nr. 11-28 UStG sind nicht einzubeziehen.

Praxis-Beispiel: Berechnung des Gesamtumsatzes

Der Versicherungsmakler Braun erzielt umsatzsteuerfreie Provisionen in Höhe von 320.000 EUR. Daneben betreibt er noch einen Handel mit Computern und Software. Der Umsatz hieraus beträgt 240.000 EUR. Die Provisionen als Versicherungsmakler sind gemäß § 4 Nr. 11 UStG umsatzsteuerfrei und gehören nicht zum Gesamtumsatz.

Lösung: Herr Braun kann seine Umsätze auch in 2012 nach dem Ist-Prinzip versteuern, weil der steuerfreie Umsatz von 320.000 EUR nicht einzubeziehen ist.

Schlagworte zum Thema:  Ist-Besteuerung, Umsatzsteuer

Aktuell

Meistgelesen