BFH-Kommentierung

Was das Finanzamt zu Immobilienverkauf mit Zinsverzicht sagt

Vereinbaren nahe Angehörige bei einem Grundstücksgeschäft zinslose Ratenzahlung für den Kaufpreis, sind die Zinsen nicht steuerpflichtig.

zwei Geschäftsmänner schütteln sich in hellem Büro die Hände

Seit Jahren klagen Immobilienkäufer und Bauherren in vielen deutschen Regionen über hohe Grundstückspreise und Baukosten. Da können sich diejenigen glücklich schätzen, die innerhalb der Familie ein bebautes Grundstück erwerben können. Immerhin lassen sich dabei oft Vereinbarungen treffen, die die Käufer weniger belasten und dennoch den Verkäufern den tatsächlichen Gegenwert sichern. Steuerlich gilt es in diesen Fällen jedoch aufzupassen, damit die Beteiligten keine unliebsamen Überraschungen erleben. So erging es jedenfalls einem Ehepaar, über dessen Fall zuletzt der Bundesfinanzhof ( BFH, Urteil v. 24.3.2026, VIII R 30/24 ) entschieden hat.

Zinsverzicht und Ratenzahlung bei Grundstücksverkauf

Das Paar hatte seiner Tochter ein bebautes Grundstück verkauft. Dabei hatten Verkäufer und Käuferin vereinbart, dass der Kaufpreis zunächst gestundet wurde. Ab Mai 2021 sollte er schließlich in Raten zurückgezahlt werden, wobei allerdings keine Verzinsung vorgesehen war. Den dadurch entstehenden vergünstigten Kaufpreis betrachteten die Eltern als Geschenk an die Tochter.

In ihren Einkommensteuererklärungen für die Jahre 2021 und 2022 gaben die Eheleute entsprechend keine Zinsen aus der Ratenzahlungsvereinbarung an. Aufgrund einer Kontrollmitteilung prüfte das zuständige Finanzamt jedoch den Sachverhalt und unterstellte eine Verzinsung. Diese ermittelte die Behörde mit Bezug auf §12 Abs. 3 Bewertungsgesetz. Zur Berechnung zog sie außerdem einen rechnerischen Tilgungsanteil heran.

 Kein steuerpflichtiges Entgelt für Kapitalüberlassung

Nachdem ihr Einspruch gegen den geänderten Einkommensteuerbescheid 2021 und den Bescheid 2022 erfolglos geblieben war, klagte das Ehepaar vor dem Schleswig-Holsteinischen Finanzgericht und bekam recht. Nach Meinung der dortigen Richter handelte es sich bei der vereinbarten zinslosen Ratenzahlung ausdrücklich nicht um einkommensteuerpflichtige Kapitalerträge. Stattdessen gingen sie davon aus, dass die Eltern ihrer Tochter die Differenz zwischen dem üblichen Kaufpreis und dem vom Finanzamt ermittelten Barwertkaufpreis geschenkt hätten. Damit handele es sich um eine sogenannte Schenkung unter Lebenden, was eine Steuerbarkeit von Zinsanteilen im Rahmen der Einkommensteuer ausschließt.

In der anschließenden Revision folgte der Bundesfinanzhof der Einschätzung der Vorinstanz zwar nicht ganz, kam in den Rechtsfolgen aber zu einem gleichen Ergebnis. Anders als das Finanzgericht sah er in der Vereinbarung keine sogenannte freigiebige Zuwendung unter Lebenden. Denn die Tochter hatte sich verpflichtet, ihren Eltern den Wert der Immobilie als Kaufpreis zu zahlen. Demnach kam es nicht zu einer Vermögensverschiebung zwischen den Beteiligten. Außerdem stellt eine zinslose Stundung in der isolierten Betrachtung keine Schenkung dar. 

Einkünfte aus Kapitalvermögen sah der Bundesfinanzhof aber ebenfalls nicht. Dies ergibt sich daraus, dass entsprechend der Vereinbarung zwischen den Verkäufern und der Käuferin jede Rate voll auf den Kaufpreis angerechnet wird. Eine Aufteilung in Zinsen und Tilgungsanteile entfällt somit.#

BFH ändert seine Rechtsprechung

Mit seiner Entscheidung hat der Bundesfinanzhof eine Änderung seiner bisherigen Rechtsprechung vorgenommen. Dies betrifft ausdrücklich Vorgänge, bei denen zwischen nahestehenden Personen zur Kaufpreisfinanzierung einer Immobilie eine unverzinsliche Ratenzahlung vereinbart wird. Offen bleibt allerdings, wie das höchste Finanzgericht urteilen würde, wenn der Verkauf innerhalb der Frist für ein privates Veräußerungsgeschäft liegt. Dies war im vorliegen Fall nicht so, da die Zehnjahresfrist für das bebaute Grundstück bereits abgelaufen war.

Praxis-Tipp: Was beim Immobilienverkauf innerhalb der Familie zu beachten ist

Der Verkauf von Immobilien innerhalb der Familie bietet steuerliche Vorteile. So entfällt z.B. die Grunderwerbsteuer bei Verwandten in gerader Linie – also bei Grundstücksgeschäften zwischen Eltern, Kindern oder Enkeln. Liegt ein echter Kaufvertrag vor, können Pflichtteilsberechtigte diesen anders als bei einer Schenkung zudem nicht mehr anfechten. Außerdem fällt keine Schenkungssteuer an, wenn zum Marktwert verkauft wird. 

Um von den Vorteilen profitieren zu können, kommt es auf die Wertermittlung an. Das heißt, Familien müssen unbedingt darauf achten, dass der Kaufpreis marktüblich ist. Ist dies nicht der Fall, wertet das zuständige Finanzamt die Differenz zwischen Marktpreis und vereinbartem Preis als Schenkung. Je nach Höhe des Wertes und des individuellen Freibetrags fällt dann Schenkungssteuer an.


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