07.01.2013 | Top-Thema MicroBilG - das ändert sich für Kleinstkapitalgesellschaften

Vorteil 2: Bilanzgliederung gestrafft

Kapitel
Bild: Günther Krüger

Hinsichtlich des Umfangs der Bilanz sieht § 266 Abs. 1 Satz 4 HGB eine gegenüber der Bilanz von kleinen Kapitalgesellschaften nochmals verkürzte Gliederung vor.  

Die Mindestangabe ist dabei auf die mit Buchstaben bezeichneten Posten begrenzt. Gegenüber den für kleine Kapitalgesellschaften geltenden Vorschriften entfällt somit die Pflicht zum gesonderten Ausweis auch der mit römischen Zahlen bezeichneten Posten. Der Ausweis aktiver und passiver latenter Steuern kann entfallen, wenn das Wahlrecht des § 274a Nr. 5 HGB genutzt wird, das kleine Kapitalgesellschaften von der Ermittlung latenter Steuern befreit. Hiervon unbenommen bleibt das Erfordernis zur Bildung von Rückstellungen für passive latente Steuern.

Die Anforderungen des § 247 Abs. 1 HGB ist bei Inanspruchnahme der Erleichterungen für KleinstKapG regelmäßig erfüllt. Daher ist eine weitere Untergliederung nicht notwendig. Im Regelfall, d. h. bei Inanspruchnahme der Erleichterungen für KleinstKapG sowie der Inanspruchnahme der Erleichterung des § 274a Nr. 5 HGB hinsichtlich der latenten Steuern kann sich die in der folgenden Tabelle dargestellte Minimalbilanz ergeben.

 

Minimalbilanz einer KleinstKapG

Aktivseite

Passivseite

A. 

Anlagevermögen

A.

Eigenkapital

B. 

Umlaufvermögen

B.

Rückstellungen

C.

Rechnungsabgrenzungsposten

C.

Verbindlichkeiten

D.

Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung

D.

Rechnungsabgrenzungsposten

Tab. 2: Minimalbilanz von KleinstKapG

Explizite Befreiung von Zusatzangaben

In § 264c Abs. 5 HGB hat der Gesetzgeber eine Einschränkung der Erleichterung der verkürzten Bilanzaufstellung für bestimmte Gesellschaften respektive aus anderer Perspektive eine weitere Erleichterung hinsichtlich des Bilanzausweises implementiert. § 264c Abs. 5 HGB stellt klar, dass die in § 264c Abs. 1-4 HGB festgeschriebenen Sondervorschriften für Kapital- und Co-Gesellschaften bei der Ermittlung – nicht jedoch der Gliederung – zusätzlich gelten. Da der Gesetzgeber in § 264c Abs. 5 HGB nicht nur auf den neu eingeführten § 266 Abs. 1 Satz 4 HGB für KleinstKapG sondern auch auf 266 Abs. 1 Satz 3 HGB für kleine Kapitalgesellschaften verweist, wurde mit dieser Regelung gleichzeitig auch eine neue Erleichterung für kleine Kapital- und Co-Gesellschaften eingeführt, die ihrer Bilanz bislang auch bei der für kleine Kapitalgesellschaften verkürzten Bilanzen um diese rechtsformspezifischen Angaben zu erweitern hatten.

Die Bezeichnungen „Ermittlung“ sowie „Gliederung“ sind insofern unglücklich, als dass diese Begriffe im Zusammenhang mit der Bilanz so nicht geläufig sind. Mit der Ermittlung kann nur die Berechnung und mit der Gliederung nur der Ausweis gemeint sein. Dies bedeutet, dass bei diesen Gesellschaften zunächst die gemäß § 264c Abs. 1-4 HGB vorgeschriebenen Angaben/Posten zu ermitteln sind. Konkret sind dies:

•          § 264c Abs. 1 HGB: Ausleihungen, Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern,

•          § 264c Abs. 2 HGB: Kapitalanteile, Rücklagen, Gewinn-/Verlustvortrag und Jahresüberschuss/-fehlbetrag,

•          § 264c Abs. 4 Satz 2 HGB: Ausgleichsposten für aktivierte eigene Anteile.

Im Rahmen des Ausweises kann auf diese Posten dann jedoch verzichtet werden, da dies nach Auffassung der Bundesregierung für reine Kapitalgesellschaften ebenso gilt und kein Anlass für eine schärfere Regelung für Kapital- und Co-Gesellschaften gesehen wird.

Verkürzte GuV-Gliederung

§ 275 Abs. 5 HGB gestattet KleinstKapG die Aufstellung einer verkürzten GuV. Die Mindestangaben wurden gegenüber § 275 Abs. 2 und 3 HGB erheblich reduziert, sodass nur noch die in der folgenden Tabelle (hier im Vergleich zur GuV von kleinen Kapitalgesellschaften mit Erleichterung aus § 276 HGB) aufgelisteten Posten darzustellen sind. Die verkürzte GuV orientiert sich dabei grob am Gesamtkostenverfahren gemäß § 275 Abs. 2 HGB.

 

GuV von KleinstKapG

GuV von kleinen Kapitalgesellschaften mit Erleichterung aus § 276 HGB

1.

Umsatzerlöse

1.

Rohergebnis

2.

Sonstige Erträge

3.

Materialaufwand

4.

Personalaufwand

6.

Personalaufwand:

 

a) Löhne und Gehälter

 

b) soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und für Unterstützung,

davon für Altersversorgung

5.

Abschreibungen

7.

Abschreibungen:

 

a) auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen

 

b) auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, soweit diese die in der Kapitalgesellschaft üblichen Abschreibungen überschreiten

6.

sonstige Aufwendungen

8.

sonstige betriebliche Aufwendungen

9.

Erträge aus Beteiligungen,

davon aus verbundenen Unternehmen

10.

Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens,

davon aus verbundenen Unternehmen

11.

sonstige Zinsen und ähnliche Erträge,

davon aus verbundenen Unternehmen

12.

Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens

13.

Zinsen und ähnliche Aufwendungen,

davon an verbundene Unternehmen

14.

Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit

15.

außerordentliche Erträge

16.

außerordentliche Aufwendungen

17.

außerordentliches Ergebnis

7.

Steuern

18.

Steuern vom Einkommen und vom Ertrag

19.

sonstige Steuern

8.

Jahresüberschuss/ Jahresfehlbetrag

20.

Jahresüberschuss/ Jahresfehlbetrag

 

 

Schlagworte zum Thema:  MicroBilG, Jahresabschluss, Anhang, Kleinstkapitalgesellschaften, Offenlegung

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