Praxis-Tipp

Firmenwagen mit Elektroantrieb: So versteuern Unternehmer die Privatnutzung

Die Regeln für die private Pkw-Nutzung sind je nach Fahrzeugart unterschiedlich und werfen häufig Fragen auf. Das gilt insbesondere für Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybridfahrzeuge, für die der Gesetzgeber steuerliche Vergünstigungen geschaffen hat. Nachfolgend erhalten Sie einen Überblick darüber, welche Fahrzeuge begünstigt sind und wie die private Nutzung steuerlich zu erfassen ist.

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Wann für einen Firmenwagen keine private Nutzung versteuert werden muss 

Bei einem Fahrzeug, das nach seiner objektiven Beschaffenheit so gut wie ausschließlich zur Beförderung von Gütern bestimmt ist, braucht keine private Nutzung versteuert zu werden. Maßgebend ist nicht die kraftfahrzeugsteuerliche oder verkehrsrechtliche Einstufung, sondern die tatsächliche Beschaffenheit des Fahrzeugs.

Bei einem Werkstattwagen, der aufgrund seiner objektiven Beschaffenheit und Einrichtung typischerweise nahezu ausschließlich zur Beförderung von Gütern bestimmt ist, darf das Finanzamt keine private Nutzung unterstellen. Liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass das Fahrzeug tatsächlich privat genutzt wurde, ist auch kein Privatanteil anzusetzen.

Im Übrigen reicht bei einem Pkw die bloße Behauptung, dass ein Fahrzeug nicht für Privatfahrten genutzt wird oder Privatfahrten ausschließlich mit einem anderen privaten Fahrzeug durchgeführt werden, nicht aus. Denn nach der allgemeinen Lebenserfahrung wird ein Pkw regelmäßig auch privat genutzt. Selbst bei einem Taxi unterstellt die Finanzverwaltung grundsätzlich eine private Mitnutzung. Ein Sachverhalt, der von dieser Lebenserfahrung abweicht, muss daher nachgewiesen werden. 

Wird kein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch geführt, ist die private Nutzung grundsätzlich nach der pauschalen 1%-Methode zu ermitteln. Die private Nutzung wird dabei monatlich mit 1 % des Bruttolistenpreises des Fahrzeugs im Zeitpunkt der Erstzulassung einschließlich Umsatzsteuer und Sonderausstattung angesetzt.

Übersicht: Steuerliche Begünstigung von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen

FahrzeugartenVoraussetzungen1%-RegelungFahrten zw. Wohnung und erster BetriebsstätteFahrtenbuchmethode
Reines ElektrofahrzeugBruttolistenpreis bis 100.000 EURAnsatz von 0,25 % des vollen Bruttolistenpreises (Viertel-Regelung)0,0075 % (ein Viertel von 0,03 %) des Bruttolistenpreises pro EntfernungskilometerFahrzeugkosten einschließlich Abschreibung, Leasing- oder Mietaufwendungen nur anteilig zu einem Viertel anzusetzen
Reines ElektrofahrzeugBruttolistenpreis über 100.000 EURAnsatz von 0,5 % des vollen Bruttolistenpreises (Halbierungs-Regelung)0,015 % (die Hälfte von 0,03 %) des Bruttolistenpreises pro EntfernungskilometerFahrzeugkosten einschließlich Abschreibung, Leasing- oder Mietaufwendungen nur zur Hälfte anzusetzen
Plug-in-HybridfahrzeugeCO₂-Ausstoß höchstens 50 g/km oder Erreichen der gesetzlich vorgeschriebenen elektrischen MindestreichweiteAnsatz von 0,5 % des vollen Bruttolistenpreises (Halbierungs-Regelung)0,015 % (die Hälfte von 0,03 %) des Bruttolistenpreises pro EntfernungskilometerFahrzeugkosten einschließlich Abschreibung, Leasing- oder Mietaufwendungen nur zur Hälfte anzusetzen

Wichtig: Maßgeblich ist Bruttolistenpreis im Zeitpunkt der Erstzulassung - nicht der tatsächliche Kaufpreis des Fahrzeugs!

Maßgeblich für die Begünstigung ist nicht der tatsächliche Kaufpreis des Fahrzeugs, sondern der Bruttolistenpreis im Zeitpunkt der Erstzulassung. Bei Plug-in-Hybridfahrzeugen gelten die steuerlichen Begünstigungen nur, wenn der Kohlendioxidausstoß höchstens 50 g je gefahrenem Kilometer beträgt oder die gesetzlich vorgeschriebene elektrische Mindestreichweite erreicht wird. Die erforderliche Mindestreichweite beträgt bei neu angeschafften Fahrzeugen seit 2025 grundsätzlich 80 Kilometer.

Betriebliche Nutzung von mehr als 50 %

Die pauschale 1%-Methode kann nur dann angewendet werden, wenn die betriebliche Nutzung im jeweiligen Jahr überwiegt, also mehr als 50 % beträgt. Zum Nachweis reicht es aus, wenn der Unternehmer den betrieblichen Nutzungsumfang einmal über einen repräsentativen Zeitraum von drei Monaten darlegt.

Eine erneute Ermittlung des betrieblichen Nutzungsumfangs ist erst dann wieder erforderlich, wenn sich wesentliche Veränderungen ergeben, beispielsweise in der Art oder im Umfang der unternehmerischen Tätigkeit, bei den Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb oder beim Erwerb eines neuen Fahrzeugs einer anderen Fahrzeugklasse.

Als betriebliche Fahrten sind alle Fahrten einzubeziehen, die betrieblich veranlasst sind und in einem tatsächlichen oder wirtschaftlichen Zusammenhang mit dem Betrieb stehen. Zu den betrieblichen Fahrten gehören auch Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb sowie Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung. Für die Ermittlung des Nutzungsumfangs sind die tatsächlich gefahrenen Kilometer maßgebend und nicht die Entfernungskilometer.

Konsequenz

Wenn die Unternehmerin den Firmenwagen selbst nutzt und die 1%-Methode anwenden will, muss sie zunächst nachweisen oder glaubhaft machen, dass der Umfang ihrer betrieblichen Fahrten mehr als 50 % beträgt.

Dieser Nachweis kann in jeder geeigneten Form erbracht werden. Es ist nicht erforderlich, ein Fahrtenbuch zu führen, nur um die überwiegende betriebliche Nutzung nachzuweisen. Der Umfang der betrieblichen Fahrten kann beispielsweise glaubhaft gemacht werden durch:

  • Eintragungen im Terminkalender, 
  • Abrechnungen über gefahrene Kilometer gegenüber Auftraggebern, 
  • Reisekostenaufstellungen,  
  • Reisekostenabrechnungen oder 
  • andere Unterlagen, aus denen sich der Umfang der betrieblichen Fahrten ergibt. 

Nur wenn die betriebliche Nutzung mehr als 50 % beträgt, kann die 1%-Methode angewendet werden.

Unternehmerinnen, bei denen sich bereits aus Art und Umfang ihrer Tätigkeit ergibt, dass der Firmenwagen überwiegend betrieblich genutzt wird, brauchen regelmäßig keine besonderen Aufzeichnungen zu führen. Das ist beispielsweise bei Handelsvertreterinnen, Handwerkerinnen im Bau- und Baunebengewerbe, Taxiunternehmerinnen oder Landtierärztinnen der Fall. Problematisch kann es werden, wenn die Tätigkeit nur nebenberuflich ausgeübt wird oder der Unternehmerin mehrere Firmenwagen zur Verfügung stehen.

Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte

Wird der Firmenwagen auch für Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte genutzt, kann insoweit lediglich die gesetzliche Entfernungspauschale als Betriebsausgabe berücksichtigt werden. Diese beträgt seit dem 1. Januar 2026 einheitlich 0,38 EUR je Entfernungskilometer ab dem ersten Kilometer. (Die vorherige Staffelung von 0,30 EUR für die ersten 20 Kilometer und 0,38 EUR ab dem 21. Kilometer galt bis Ende 2025).Bei einem Firmenwagen sind die tatsächlichen Kosten, die über die Entfernungspauschale hinausgehen, grundsätzlich nicht als Betriebsausgaben abziehbar.

Wird die private Nutzung des Unternehmers nach der pauschalen 1%-Methode ermittelt, werden die nicht abziehbaren Kosten für die Wege zur Betriebsstätte pauschal mit 0,03 % des maßgeblichen Bruttolistenpreises je Entfernungskilometer und Kalendermonat angesetzt. Eine Einzelbewertung mit 0,002 % je tatsächlicher Fahrt ist nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs für die Unternehmerin selbst nicht zulässig.

Praxis-Tipp: Unternehmer sucht Betriebsstätte nur wenige Tage im Monat auf

Sucht die Unternehmerin ihre Betriebsstätte wegen Homeoffice, häufiger Dienstreisen oder Teilzeit nur an wenigen Tagen im Monat auf, führt die pauschale 0,03 %-Methode zu einer steuerlichen Benachteiligung. In diesen Fällen lohnt es sich meist, auf die Pauschalierung zu verzichten und stattdessen ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch zu führen.

Umsatzsteuerliche Folgen

Die private Nutzung eines dem Unternehmen zugeordneten Fahrzeugs kann umsatzsteuerlich als unentgeltliche Wertabgabe zu erfassen sein. In diesen Fällen fällt auf die Privatnutzung Umsatzsteuer an.

Bei Personengesellschaften können sich darüber hinaus umsatzsteuerliche Besonderheiten ergeben, wenn die Fahrzeugüberlassung an einen Gesellschafter als entgeltliche Leistung der Gesellschaft zu beurteilen ist.

Fazit: Erhebliche Steuervorteile bei Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybridfahrzeugen

Elektrofahrzeuge und begünstigte Plug-in-Hybridfahrzeuge profitieren bei der Privatnutzung von erheblichen steuerlichen Vorteilen. Während bei reinen Elektroautos bis zur Höchstgrenze nur ein Viertel des Bruttolistenpreises versteuert werden muss, halbiert sich die steuerliche Bemessungsgrundlage bei teureren E-Modellen sowie qualifizierten Hybridfahrzeugen. 

 


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