Cybersecurity

Sensible Daten in KI? Ja, aber das Risiko minimieren

Dürfen sensible Unternehmensdaten mit KI analysiert werden? Ja, meint KI-Experte Kristoffer Ditz, denn sonst ist der Einsatz nutzlos. In diesem Artikel erläutert er, wie die Risiken abgewogen werden können. 

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Chancen, Risiken und Kontrolllogik von KI im Controlling

Künstliche Intelligenz verändert das Controlling grundlegend. Forecasts, Analysen und Reporting werden schneller und datengetriebener. Damit stellt sich die Frage, ob sensible Unternehmensdaten in KI-Systemen genutzt werden dürfen.

Die Antwort ist kein Entweder-oder:

Ja, sofern der Einsatz kontrolliert erfolgt. Der Nutzen im Controlling ist so hoch, dass ein Verzicht betriebswirtschaftlich kaum sinnvoll ist. Gleichzeitig bleibt KI ein Instrument, dessen Qualität stark von Daten, Rahmenbedingungen und Governance abhängt.

Chancen überwiegen die Risiken

KI verbessert im Controlling vor allem Geschwindigkeit und Entscheidungsqualität. Sie ermöglicht präzisere Forecasts, schnellere Abweichungsanalysen und bessere Mustererkennung in Unternehmensdaten.

Der zentrale Effekt bleibt: Bessere Daten führen zu besseren Entscheidungen

Dabei geht es nicht nur um Effizienz, sondern auch um eine qualitative Veränderung der Steuerung. Entscheidungen werden datenbasierter, früher im Prozess angestoßen und stärker Szenario-basiert abgesichert.

Damit verschiebt sich die Rolle des Controllers vom Datenaufbereiter zum analytischen Sparringspartner des Managements. Der Controller wird stärker in die Interpretation von Ergebnissen eingebunden und übernimmt eine aktive Rolle in der Bewertung von Unsicherheiten, Annahmen und Szenarien.

Risiken zum Datenverlust gab es schon vor dem KI-Zeitalter

Der Umgang mit sensiblen Daten ist kein neues Problem. Unternehmen nutzen seit Jahren ERP-, BI- und Cloud-Systeme mit vergleichbaren Risiken.

Auch dort werden hochsensible Finanz-, Kunden- und Personaldaten verarbeitet, häufig sogar über externe Plattformen hinweg. Trotzdem ist der Einsatz Standard, weil die betriebswirtschaftlichen Vorteile klar überwiegen. Entscheidend ist daher nicht die Frage, ob Risiken existieren, sondern ob sie kontrolliert und nachvollziehbar gesteuert werden können. Genau hier liegt die Parallele zur KI: Es geht um Governance, nicht um Vermeidung.

Ein Risiko erfordert immer eine Abwägung

Im Alltag werden Risiken regelmäßig akzeptiert, etwa beim Autofahren, Online-Banking oder bei digitalen Zahlungsdiensten. Keine dieser Anwendungen ist risikofrei, aber alle sind gesellschaftlich und wirtschaftlich etabliert.

Die zugrunde liegende Logik ist eindeutig:

Risiko wird gegen Nutzen abgewogen, nicht vollständig eliminiert.

Für das Controlling bedeutet das: Auch KI muss sich an dieser betriebswirtschaftlichen Rationalität messen lassen. Die entscheidende Frage ist nicht die theoretische Sicherheit, sondern die Verhältnismäßigkeit zwischen Risiko, Nutzen und Kontrollmechanismen.

KI ohne sensible Daten ist sinnlos

Viele KI-Anwendungen im Controlling entfalten ihren Nutzen nur mit realen Unternehmensdaten, etwa in den Bereichen Profitabilität, Kostenstruktur, Forecast oder Investitionssteuerung.

Gerade hier zeigt sich der Unterschied zwischen theoretischer und praktischer KI-Nutzung: 

Ohne unternehmensspezifische Daten bleibt KI generisch und liefert zwar plausible, aber nicht steuerungsrelevante Ergebnisse.

Damit entsteht ein Zielkonflikt: Je höher der Schutz sensibler Daten, desto geringer potenziell die Aussagekraft der KI. Umgekehrt steigt der Nutzen mit der Datenqualität und -tiefe. Dieser Zusammenhang muss aktiv gestaltet werden.

Risiko ist kontrollierbar

Der sichere Einsatz basiert auf drei Ebenen:

  1. Technisch: Verschlüsselung, geschützte KI-Umgebungen, Zugriffskontrollen
  2. Organisatorisch: klare Richtlinien, Datenklassifizierung, Schulungen
  3. Datenbezogen: Minimierung, Aggregation oder Pseudonymisierung

Ergänzend gewinnen Enterprise-KI-Lösungen an Bedeutung, die Daten innerhalb abgeschotteter Unternehmensumgebungen verarbeiten und damit das Risiko eines Datenabflusses deutlich reduzieren. So entsteht ein Rahmen, in dem KI nicht unkontrolliert agiert, sondern als klar gesteuertes Werkzeug innerhalb definierter Leitplanken eingesetzt wird.

Regulierung schafft Struktur

Mit dem EU AI Act entsteht erstmals ein klarer europäischer Rechtsrahmen für KI.

Er adressiert insbesondere:

  • Transparenz- und Dokumentationspflichten
  • Anforderungen an Nachvollziehbarkeit von KI-Ergebnissen
  • Governance-Strukturen für den KI-Einsatz
  • erhöhte Anforderungen an Datenqualität und Kontrolle

Damit wird KI-Nutzung stärker formalisiert und in bestehende Compliance- und Governance-Strukturen integriert.  Für das Controlling bedeutet das eine engere Verzahnung von Analyse, Steuerung und Regulierung.

Fazit

Der Einsatz sensibler Daten in KI ist keine Grundsatzfrage, sondern eine Frage der Reife im Umgang mit Technologie und Risiken.

  • Risiken sind real, aber steuerbar.
  • Der Nutzen im Controlling ist hoch und strategisch relevant.
  • Sicherheit entsteht durch Technik, Organisation und Governance.
  • Verzicht führt langfristig zu Wettbewerbsnachteilen.

Für das Controlling bedeutet das:

KI sollte nicht vermieden, sondern bewusst, kontrolliert und verantwortungsvoll genutzt werden, als integraler Bestandteil moderner Unternehmenssteuerung und Entscheidungslogik.

Empfehlung der Redaktion:

Auf den Haufe Online Days: Jahresforum Controlling (16./17.09.2026) spricht KI-Experte Kristoffer Ditz zum Thema:

Cyber-Sicherheit & KI im Controlling: Sensible Finanzdaten schützen, Potenziale nutzen

  • Status Quo: Warum Controller als Dateneigner die erste Verteidigungslinie bilden
  • Anatomie der Gefahr: Realitätscheck zu Datenlecks und den Risiken von „Shadow AI“
  • Rechtlicher Rahmen: Kompakt-Update zu EU AI Act und Dokumentationspflichten
  • Security Awareness: Sofort umsetzbare Sicherheitskonzepte für das Controlling-Team
  • Quick-Win: Der 10-Schritte-Plan zur schnellen Sicherung der eigenen Finanzdaten (inkl. Prompts und Checklisten)

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