Veränderungen in IFRS-Rechnungslegung und ERP-Landschaft sind schon für sich allein große Herausforderungen. Die STRATEC Biomedical AG geht diese Herausforderungen parallel an. Das Projekt verändert in Folge nicht nur die Finance-Organisation, sondern auch die Anforderungen an die Kompetenzprofile von Controllern und Accountants.

Ausgangssituation: Global aktiv mit IFRS-Rechnungslegung

Die STRATEC Biomedical AG (STRATEC) ist mit rund 210 Mio. EUR Umsatz (2017) und über 1.000 Mitarbeitern der Marktführer für Automatisierungs- und Instrumentierungslösungen in der In-Vitro-Diagnostik. Als global tätiges und nach internationalen Rechnungslegungsstandards bilanzierendes Unternehmen steht STRATEC vor der Herausforderung diverse IFRS-Standards umzusetzen. Damit verbunden ist eine fortschreitende Harmonisierung des internen und externen Rechnungswesens. Dies hat großen Einfluss auf die Organisation im Unternehmen und weicht die traditionelle Trennung von Accounting und Controlling auf. Diese Entwicklung wird verstärkt durch die Einführung von SAP S/4 HANA: Haupt- und Nebenbücher werden integriert, losgelöste Nebenbücher für Controlling und Accounting existieren nicht mehr. Buchungen werden so kontiert, dass sie sowohl den Anforderungen des internen und externen Berichtswesens genügen können.

Georg Christoph Böcker (Head of Controlling STRATEC);  Tobias Decker (Head of Accounting STRATEC) und Thomas Amann (Geschäftsführer Amann Advisory) erläuterten das Vorgehen im Projekt und die Auswirkungen auf die CFO-Organisation sowie die Kompetenzprofile von Accountants und Controllern.

IFRS-Rechnungslegung treibt Verschmelzung von Accounting und Controlling voran

Als forschungsintensives und projektgetriebenes Unternehmen haben die IFRS Rechnungslegungsstandards IAS 38 (Immaterielle Vermögenswerte), IAS 11 (Fertigungsaufträge) und IAS 18 (Umsatzerlöse) sowie der neu anzuwendende IFRS 15 (Verträge mit Kunden) bedeutenden Einfluss auf die STRATEC Biomedical AG.

Eben diese Standards bedingen einen Informationsfluss aus dem internen Rechnungswesen für die bilanzielle Abbildung im externen Rechnungswesen.

Diese führt zu einer einheitlichen Abbildung von Geschäftsvorfällen in beiden Berichtswesen und führt zu einem Zusammenrücken der vormals getrennten Unternehmensbereiche.

Einführung von SAP S/4HANA soll Homogenisierung der ERP-Systeme fördern

Durch größere Unternehmenszukäufe im Jahr 2016 (Diatron und BioSciences Business von Sony DADC) hat sich nicht nur die Mitarbeiterzahl bei STRATEC um 67 % erhöht, sondern gleichzeitig auch die Zahl der stark heterogenen ERP-Systeme. Vor diesem Hintergrund hat sich die STRATEC entschieden nicht weitere Ressourcen auf die Homogenisierung verschiedener Systeme zu verwenden, sondern mit SAP S/4 HANA gruppenweit ein einheitliches ERP-System einzuführen.

Als Übergangslösung bis zur gruppenweiten Einführung von SAP S/4HANA wird kurzfristig zunächst mit einer temporären Datenbankstruktur eine Schicht über die verschiedenen ERP-Systeme und Excel-Lösungen gelegt, um eine einheitliche Sicht auf die Daten zu ermöglichen und so das F&E-Reporting möglichst effizient zu gestalten.

Langfristig wird durch die Einführung von SAP S/4HANA der Accounting- und Controlling-Bereich systemisch integriert, was auch zu Veränderungen in der Organisation und ihrer traditionellen Trennung von Accounting und Controlling führen wird.

Kompetenzprofile von Controllern und Accountants werden erweitert

Bei STRATEC wird der durch die IFRS-Rechnungslegung und SAP S/4HANA getriebenen Konvergenz auch durch das räumliche Zusammenlegen der beiden Bereiche zur Förderung interdisziplinärer Zusammenarbeit Rechnung getragen. Ganz wesentliche Auswirkungen hat die Verschmelzung auf die Prozesslandschaft im CFO-Bereich.

Sowohl Controller als auch Accountants müssen neben ihren Tätigkeiten in der Linienfunktion zunehmend Projektmanagement-Aufgaben übernehmen und Finanztransformationsprojekte begleiten. Dies verändert nachhaltig die Anforderungsprofile in beiden Bereichen. Neben der reinen Fachlichkeit rücken in Zukunft Teamarbeit, Projektmanagement, Organisation, Change und Kommunikation, Internationalität, Interdisziplinarität und IT-Kenntnisse in den Fokus.

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