Steuerberatervergütungsvero... / 3.2 Zeitgebühr

Die Zeitgebühr ist zu berechnen, wenn die StBVV dies vorsieht oder wenn keine genügenden Anhaltspunkte für eine Schätzung des Gegenstandswerts vorliegen (§ 13 StBVV). Letzteres gilt jedoch nicht für

  • sonstige Einzeltätigkeiten (§ 23 StBVV),
  • das außergerichtlichen Rechtsbehelfsverfahren (§ 40 StBVV),
  • das Verwaltungsvollstreckungsverfahren (§ 44 StBVV) und
  • Verfahren, auf die das RVG anzuwenden ist (§§ 45, 46 StBVV).

Bei den Tätigkeiten, für die die StBVV eine Abrechnung nach der Zeitgebühr zulässt, handelt es sich um

  • Arbeiten zur Feststellung des verrechenbaren Verlusts nach § 15 a EStG (§ 24 Abs. 4 Nr. 2 StBVV);
  • Meldungen zur Erfassung von Auslandsbeteiligungen (§ 24 Abs. 4 Nr. 3 StBVV);
  • sonstige Anträge und Meldungen nach dem Einkommensteuergesetz (§ 24 Abs. 4 Nr. 5 StBVV). Es handelt sich insoweit um einen Auffangtatbestand für die durch die StBVV aufgehobenen Tatbestände in § 24 Abs. 4 Nr. 4 und 6 bis 12 StBGebV a. F., der der Vereinfachung und Übersichtlichkeit der StBVV dient und fortwährende Rechtsanpassungen überflüssig macht;
  • die Überwachung und Meldung der Lohnsumme sowie der Behaltensfrist nach § 13 a Abs. 1 i.  V.  m. Abs. 6 Satz 1, Abs. 5 i.  V.  m. Abs. 6 Satz 2 ErbStG (§ 24 Abs. 4 Nr. 13 StBVV);
  • die Berechnung des Begünstigungsgewinns i. S. v. § 34 a Abs. 1 Satz 1 EStG (Begünstigung der nicht entnommenen Gewinne), vgl. § 24 Abs. 4 Nr. 14 StBVV;
  • die erheblich über das übliche Maß hinausgehenden Vorarbeiten bei der Ermittlung des Überschusses der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben (§ 25 Abs. 2 StBVV);
  • die erheblich über das übliche Maß hinausgehenden Vorarbeiten bei der Ermittlung des Überschusses der Einnahmen über die Werbungskosten (§ 27 Abs. 3 StBVV). Mit dieser in der StBVV neu eingeführten Regelung wurde kein neuer Gebührentatbestand geschaffen, sondern die Vorschrift dient der Rechtssicherheit und Rechtsklarheit. Im Gegensatz zur Regelung bei den Gewinneinkünften (vgl. § 25 Abs. 2 StBVV) fehlte es bei Überschusseinkünften bislang an einer entsprechenden Abrechnungsgrundlage;
  • die Prüfung von Steuerbescheiden (§ 28 StBVV). Das gilt nach § 2 StBVV sinngemäß auch für Verwaltungsakte, die in "steuerbescheidähnlicher" Form ergehen, wie z. B. Haftungs- oder Duldungsbescheide, verbindliche Auskünfte und Zusagen oder Zinsbescheide;
  • die Teilnahme an (Außen-)Prüfungen (§ 29 Nr. 1 StBVV). Erhebt der Steuerberater im Anschluss an eine Außenprüfung schriftliche Einwendungen gegen den Prüfungsbericht, erhält er hierfür (zusätzlich) eine Wertgebühr (§ 29 Nr. 2 StBVV). Wird der Bericht allerdings zusammen mit dem Bescheid erteilt und werden Einwendungen im Verfahren gegen den Bescheid, d. h. im außergerichtlichen Rechtsbehelfsverfahren geltend gemacht, ist nur § 40 StBVV einschlägig;
  • die Einrichtung von Buchführungen (§ 32 StBVV). Die Gebühr ist nicht nach § 14 StBVV pauschalierungsfähig, da es sich nicht um eine laufend auszuführende Tätigkeit für denselben Auftraggeber handelt;
  • sonstige Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Buchführung und Lohnbuchführung (§§ 33 Abs. 7, 34 Abs. 5 StBVV);
  • die Anfertigung oder Berichtigung von Inventurunterlagen und für sonstige Abschlussvorarbeiten (§ 35 Abs. 3 StBVV);
  • Tätigkeiten im steuerlichen Revisionswesen (§ 36 Abs. 1 und 2 StBVV) sowie
  • die Mitwirkung an der Erteilung von Steuerbescheinigungen (§ 38 Abs. 2 StBVV).

Die Zeitgebühr beträgt 30 bis 70 EUR je angefangene halbe Stunde (vorher 19 bis 46 EUR), die Mittelgebühr damit 50 EUR. Maßgebend für die Bestimmung der konkreten Zeitgebühr sind in erster Linie die Gebührenbestimmungsfaktoren des § 11 StBVV. Durch die Gebührenerhöhung in diesem Bereich wurde das vom Berufsstand schon seit längerem bemängelte Missverhältnis zu der Zeitgebühr für die Erteilung einer verbindlichen Auskunft durch die Finanzverwaltung nach § 89 Abs. 6 AO beseitigt.

Hinweis

Vereinbarung abweichender Stundensätze

Mittlerweile gehen Steuerberater vermehrt dazu über, ihre Tätigkeiten nach Stundensätzen zu berechnen. Der Grundsatz der Vertragsfreiheit (vgl. § 1 Abs. 1 Satz 2 StBVV) lässt es zu, unter den Voraussetzungen des § 4 Abs. 1 StBVV mit Mandanten Vergütungsvereinbarungen zu treffen und dabei nicht nur höhere Stundensätze, sondern auch Zeitgebühren für andere als in der StBVV vorgesehene Tätigkeiten zu vereinbaren. Allerdings ist auch hier § 11 StBVV zu beachten.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Steuer Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Steuer Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.



Meistgelesen