Verlustabzug bei Körperschaften: Beschränkungen und Ausnahmen

Zusammenfassung

 
Überblick

Die Ermittlung des steuerlichen Einkommens einer Körperschaft erfolgt grundsätzlich analog den einkommensteuerlichen Vorschriften. Dazu gehört auch, dass für Verluste ein Verlustabzug i. S. d. § 10d EStG möglich ist. Dieser umfasst einen Verlustrücktrag in das Vorjahr und einen grundsätzlich zeitlich nicht befristeten Verlustvortrag auf die folgenden Jahre.

Da der Gesetzgeber aber einen "Handel" mit Verlustvorträgen verhindern will, ist der Verlustabzug durch § 8c KStG eingeschränkt. Werden mehr als 50 % der Anteile der Körperschaft übertragen, geht ein Verlustvortrag komplett unter. Ein sog. quotaler Verlustuntergang, wenn mehr als 25 % bis max. 50 % der Anteile übertragen werden, ist vom BVerfG beanstandet und vom Gesetzgeber rückwirkend aus § 8c KStG entfernt worden. Ab 2016 neu hinzugekommen ist ein fortführungsgebundener Verlustvortrag als weitere Ausnahmeregelung. Die Details all dieser Regelungen, vorteilhafte Ausnahmen und die historische Vorgängerregelung werden nachfolgend erläutert.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Die gesetzliche Grundlage für den Verlustabzug ist in § 8 Abs. 1 KStG i. V. m. § 10d EStG enthalten. Die ab 2008 geltenden und mehrfach geänderten Einschränkungen und Rückausnahmen zum Verlustabzug finden sich in § 8c KStG. Eine weitere Änderung wurde erforderlich, da das BVerfG den früher gesetzlich geregelten quotalen Verlustuntergang in § 8c Abs. 1 Satz 1 KStG a. F. für mit dem Grundgesetz unvereinbar erklärt hatte (BVerfG, Beschluss v. 29.3.2017, 2 BvL 6/11). Die Finanzverwaltung hat sich in einem BMF-Schreiben vom 28.11.2017 (BStBl 2017 I S. 1645) zu einzelnen Anwendungsfragen geäußert. Der ergänzende fortführungsgebundene Verlustvortrag ist in § 8d KStG enthalten. Die frühere Regelung des sog. Mantelkaufs war in § 8 Abs. 4 KStG a. F. enthalten und kann nach § 34 Abs. 6 Satz 3 KStG noch bis ins Wirtschaftsjahr 2012 hinein anzuwenden sein.

1 Grundlagen zum Verlustabzug

Erwirtschaftet eine Körperschaft einen Verlust, kann sie diesen grundsätzlich bei ihrer Einkommensermittlung abziehen. Für diesen Verlustabzug wird in § 8 Abs. 1 KStG auf die einkommensteuerrechtlichen Vorschriften verwiesen, die in § 10d EStG niedergelegt sind. Demnach kann ein steuerlicher Verlust

  • auf das Einkommen des dem Verlustjahr vorangegangenen Veranlagungszeitraums (VZ) zurückgetragen werden – Verlustrücktrag

oder

  • ohne eine zeitliche Begrenzung auf das Einkommen der dem Verlustjahr folgenden VZ vorgetragen werden – Verlustvortrag.

1.1 Verlustrücktrag

Der Verlustrücktrag ist der Höhe nach auf 1.000.000 EUR begrenzt. Für Verluste bis zum VZ 2012 lag das Rücktragsmaximum bei 511.500 EUR.

Ein Verlustrücktrag ist zwar die Grundregel, er ist aber nicht zwingend. Vielmehr besteht hier sowohl dem Grunde als auch der Höhe nach ein Wahlrecht. Wird kein entsprechender Antrag gestellt, nimmt das Finanzamt einen Verlustrücktrag in maximal möglicher Höhe vor.

1.2 Verlustvortrag

Der Verlustvortrag ist zeitlich unbegrenzt möglich; es besteht dazu auch kein Wahlrecht – weder dem Grunde noch der Höhe nach. Vielmehr wird der Verlustvortrag grundsätzlich bis zu der Höhe vom Gesamtbetrag der Einkünfte der Körperschaft abgezogen, dass sich ein Einkommen von 0 EUR ergibt.

 
Wichtig

Mindestbesteuerung

Seit 2004 ist für größere Verlustvolumina aber eine betragsmäßige Begrenzung zu beachten. Danach kann ein Verlustvortrag nur bis zu einem Sockelbetrag i. H. v. 1.000.000 EUR in vollem Umfang abgezogen werden. Ein diesen Sockelbetrag übersteigender Verlustabzug ist auf 60 % des verbleibenden Gesamtbetrags der Einkünfte begrenzt. Die damit verbundene zeitliche Streckung des Verlustvortrags ist verfassungsrechtlich grundsätzlich unbedenklich.

Ein – nach einem ggf. vorgenommenen Verlustrücktrag – verbleibender vortragsfähiger Verlustabzug wird durch einen gesonderten Feststellungsbescheid förmlich festgestellt.

2 Beschränkung des Verlustabzugs

Der Verlust einer Körperschaft kann von einem Abzug – ganz oder teilweise – ausgeschlossen sein. Dabei entfällt nicht nur der Verlustabzug (Rück- oder Vortrag), auch die Verluste des laufenden Wirtschaftsjahrs, soweit sie vor einem schädlichen Beteiligungserwerb angefallen sind, können nicht mit Gewinnen ausgeglichen werden, die nach diesem Zeitpunkt erzielt werden.

2.1 Grundregeln zum beschränkten Verlustabzug

Maßgebend ist, ob ein sog. schädlicher Beteiligungserwerb vorliegt. Dies ist eine Änderung auf der Gesellschafterebene in Form einer Übertragung von Gesellschaftsanteilen. Zwar lässt die Rechtsform einer Körperschaft im Allgemeinen keinen Durchgriff auf die Ebene der Gesellschafter zu. Doch für den Bereich des Verlustabzugs hält der Gesetzgeber es für angebracht, auch bei der mit Wirkung ab VZ 2008 eingeführten Neuregelung des § 8c KStG für die wirtschaftliche Identität einer Körperschaft auf den Gesellschafterkreis abzustellen.

Dabei werden folgende zwei Fallgruppen unterschieden:

  1. Kein Untergang

    Erfolgen Anteilsübertragungen, die ein Volumen bis zu 50 % umfassen, sind diese unschädlich. Ein bestehender Verlustvortrag bleibt in vollem Umfang rück- bzw. vortragsfähig, ein laufender Verlust in vollem Umfang ausgleichsfähig.

  2. Vollständiger...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Steuer Office Gold. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Steuer Office Gold 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge