Dötsch/Pung/Möhlenbrock (D/... / 4.2.6 Stellungnahme zu § 8 Abs 7 S 1 Nr 1 und S 2 KStG
 

Tz. 40

Stand: EL 93 – ET: 06/2018

Die ges Festschreibung der früheren Praxis zur stlichen Behandlung dauerdefizitärer BgA ist im Interesse der Rechtssicherheit gewiss zu begrüßen. Jedoch wird das StR – wieder einmal – unsystematisch mit außerstlichen Erwägungen belastet. Der BFH hatte in seiner früheren Rspr die Rechts-Auff vertreten, dass es sich bei § 8 Abs 3 S 2 KStG allein um eine Gewinnkorrekturvorschrift handele, mit der weitergehende Zwecke, insbes auch solche sozialpolitischer Art, nicht verbunden seien (s Urt des BFH v 10.07.1996, BStBl II 1997, 230, und s Beschl des BFH v 25.01.2005, BStBl II 2006, 190). In seinem Urt v 22.08.2007 (BStBl II 2007, 961) hat er für den Fall, dass die stlichen Auswirkungen einer vGA – zB aus sozialpolitischen Gründen – unberücksichtigt bleiben sollten, einen ausdrücklichen Regelungsbefehl (ges Vorschrift) eingefordert, an welchem es (damals) jedoch fehle. Eine solche ausdrückliche Regelung enthält nunmehr § 8 Abs 7 KStG.

 

Tz. 41

Stand: EL 93 – ET: 06/2018

Fraglich ist, ob es sich bei der Vorschrift des § 8 Abs 7 iVm Abs 9 KStG um eine (neue) Beihilfe iSv Art 87 EGV an öff Unternehmen, die von der Europäischen Kommission hätte genehmigt werden müssen, handelt (allgemein zu dieser Rechtslage auch s Urt des BFH v 31.07.2013, BStBl II 2015, 123). Zu der insoweit aA des Gesetzgebers s Tz 15. Auch die Rspr (s Urt des FG Köln v 09.03.2010, EFG 2010, 1345; s Urt des FG SN v 09.12.2010, Az: 1 K 184/07 und s Urt des FG Ddf v 30.06.2017, Az: 6 K 1900/15 K) sieht § 8 Abs 7 KStG nicht als schädliche neue Beihilfe an. Die gegen dieses Urt des FG SN durch die Fin-Verw eingelegte NZB wurde vom BFH angenommen (Az: I R 58/11). Das Rev-Verfahren wurde später durch Rücknahme der Klage vor der mdl Verhandlung beendet, da die Kläger einen Vorlagebeschl des BFH an den EuGH zur beihilferechtlichen Zulässigkeit von Teilen der Querverbundsregelung befürchteten (s Mitteilung des Dt Städtetages v 12.11.2013, DStZ 2013, 881, und s Tz 69). Das urspr FG-Urt gilt somit als nicht ergangen.

Gegen die Regelung werden auch verfassungsrechtliche Bedenken iSe Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes (Art 3 GG) vorgebracht (s Kohlhepp, in Sch/F, KStG, § 8 Rn 832 und s Frotscher, in F/D, KStG, § 8 Rz 582); aA s Paetsch (in R/H/N, KStG, § 8 Rn 1829).

Nach Frotscher (in F/D, KStG, § 8 Rn 582) liegt die Rechtfertigung der Regelung in der Förderung der Allgemeinheit im Gegensatz zum (bei einer vGA idR vorliegenden) Handeln zum Vorteil einzelner AE (ebenso s Meier/Semelka in H/H/R, § 8 KStG Rn 542).

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