Reuber, Die Besteuerung der... / 3. Formel für die Berechnung des Gleitzonenentgelts und Übergangsregelungen
 

Tz. 102a

Stand: EL 115 – ET: 03/2020

Die sog. Gleitzone wurde ab 01.07.2019 auf 1300 EUR angehoben und neu ausgerichtet. Dies zeigt sich auch in einer veränderten Begrifflichkeit. Das Gesetz spricht nun von einem Übergangsbereich von 450,01 bis 1300,00 EUR. Es wird sichergestellt, dass die reduzierten Rentenversicherungsbeiträge nicht mehr zu geringeren Rentenleistungen führen. Midijobber erwerben mit der derzeitigen Regelung geringere Rentenleistungen, wenn die Rentenversicherungsbeiträge nicht vom tatsächlichen Arbeitsentgelt, sondern von der fiktiven beitragspflichtigen Einnahme gezahlt werden. Zur Vermeidung dieser Nachteile können Arbeitnehmer in der Rentenversicherung auf die Reduzierung des beitragspflichtigen Arbeitsentgelts verzichten. Durch die Einfügung des neuen Absatzes 1a in § 70 SGB VI wird sichergestellt, dass die geringeren Rentenversicherungsbeiträge im Übergangsbereich ab 01.07.2019 aus der verminderten Beitragsbemessungsgrundlage nicht zu geringeren Rentenansprüchen führen. Die früher gegebene Möglichkeit, zur Vermeidung rentenrechtlicher Nachteile auf die Anwendung der beitragsrechtlichen Regelung des § 163 Abs. 10 zu verzichten, entfällt. Die begünstigenden beitragsrechtlichen Regelungen in der ab dem 01.07.2019 gültigen Fassung finden deshalb auch für Versicherte Anwendung, die bisher auf die Anwendung der Gleitzone in der gesetzlichen Rentenversicherung verzichtet haben. Bisher erteilte Verzichtserklärungen verlieren ab dem 01.07.2019 ihre Wirkung.

Die Berechnung der fiktiven beitragspflichtigen Einnahme erfolgt ab Juli 2019 nach folgender Formel:

F × 450 + ([1300/(1300 ./. 450)] ./. [450/(1300 ./. 450)] × F) × (Arbeitsentgelt ./. 450).

Die Neuregelung führt grundsätzlich zu einer Entlastung der Arbeitnehmer im Gleitzonenbereich.

3.1 Gleitzonenformel 2018 bis Ende Juni 2019

 

Tz. 104

Stand: EL 115 – ET: 03/2020

Für 2018 und bis Ende Juni 2019 gilt folgende Gleitzonenformel:

Gleitzonenentgelt = F × 450 + (2,125 ./. 1,125 × F) × (Monatsbrutto ./. 450)

 

Praxis-Beispiel

Der Faktor F wird vom Bundesministerium für Gesundheit und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ermittelt. Er beträgt 30 % geteilt durch den durchschnittlichen Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz. Für 2018 und bis Ende Juni 2019 gilt F = 30 % / 39,75 %.
(39,75 % = 14,6 % Krankenversicherung + 1,0 % KV-Zusatzbeitrag + 2,55 % Pflegeversicherung + 18,6 % Rentenversicherung + 3,0 % Arbeitslosenversicherung). Daraus folgt:

 
Gesamtbeitrag Gleitzonenentgelt × Gesamtbeitragssatz
Arbeitgeberanteil Monatsbrutto × Beitragssatz (Arbeitgeber)
Arbeitnehmeranteil Gesamtbeitrag ./. Arbeitgeberanteil

Berechnungsbeispiel (2018) – Arbeitnehmer mit Kind (NRW)

 
Angenommene Beitragssätze:
KV 14,6 %, Zusatzbeitrag KV 1,0 %, PV 2,55 %, RV 18,6 %, AloV 3,0 %
Regelmäßiges monatliches Entgelt 600,00 EUR
Gleitzonenentgelt gemäß obiger Formel 531,01 EUR
Krankenversicherung  
Gesamtbeitrag (531,01 × 7,3 % × 2) 77,52 EUR
abzgl. Arbeitgeberbeitragsanteil (600,00 EUR × 7,3 %) 43,80 EUR
= Arbeitnehmerbeitragsanteil (Gesamtbeitrag abzgl. Arbeitgeberbeitragsanteil) 33,72 EUR
Arbeitnehmer-Zusatzbeitrag (531,01 EUR × 1,0 %) 5,31 EUR
Pflegeversicherung  
Gesamtbeitrag (531,01 EUR × 1,275 % × 2) 13,54 EUR
abzgl. Arbeitgeberbeitragsanteil (600,00 EUR × 1,275 %) 7,65 EUR
= Arbeitnehmerbeitragsanteil (Gesamtbeitrag abzgl. Arbeitgeberbeitragsanteil) 5,89 EUR
Rentenversicherung  
Gesamtbeitrag (531,01 EUR × 9,3 % × 2) 98,76 EUR
abzgl. Arbeitgeberbeitragsanteil (600,00 EUR × 9,3 %) 55,80 EUR
= Arbeitnehmerbeitragsanteil (Gesamtbeitrag abzgl. Arbeitgeberbeitragsanteil) 42,96 EUR
Arbeitslosenversicherung  
Gesamtbeitrag (531,01 EUR × 1,5 % × 2) 15,94 EUR
abzgl. Arbeitgeberbeitragsanteil (600,00 EUR × 1,5 %) 9,00 EUR
= Arbeitnehmerbeitragsanteil (Gesamtbeitrag abzgl. Arbeitgeberbeitragsanteil) 6,94 EUR
 

Hinweis:

Die Bestandschutzregelung für Beschäftigungen mit einem Arbeitsentgelt zwischen 400,01 EUR und 450 EUR endete am 31.12.2014.

3.2 Gleitzonenformel 2017

 

Tz. 103

Stand: EL 115 – ET: 03/2020

Sobald das regelmäßige monatliches Arbeitsentgelt die Grenze für "Minijobs", derzeit 450 EUR, übersteigt, werden auch für den Arbeitnehmer Beiträge zur Sozialversicherung fällig. Bei Midijobs, also bei Beschäftigungen mit Arbeitsentgelten in der Gleitzone von 450,01 bis 1300 EUR (wenn die Grenze von 850 EUR regelmäßig nicht überschritten wird), werden diese abgemildert. Eine spezielle Formel sorgt dafür, dass eine starke Reduzierung der Beiträge im unteren Gleitzonenbereich erfolgt, während sich die Beiträge im oberen Bereich den allgemeinen Beitragssätzen zunehmend anpassen.

 

Praxis-Beispiel

Für die Berechnung der reduzierten Sozialversicherungsbeiträge wird das sogenannte Gleitzonenentgelt bestimmt, welches unterhalb des Monatsbruttos liegt. Dann wird der Gesamtbeitrag zur Sozialversicherung (also von Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammen) anhand der allgemeinen Beitragssätze prozentual vom Gleitzonenentgelt berechnet. Zieht man davon den sich weiterhin am gesamten Monatsbrutto orientierenden Beitragsanteil des Arbeitgebers ab, so erhält man den (niedri...

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