Reuber, Die Besteuerung der Vereine, Musikvereine

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Musikvereine können steuerbegünstigten (gemeinnützigen) Zwecken dienende Körperschaften sein, wenn sie die Kunst und Kultur fördern (s. § 52 Abs. 2 Nr. 5 AO, Anhang 1b). Kunst und Kultur werden beispielsweise von Musik-, Spielmannszügen, Orchestern und Trachtenkapellen gefördert. Professionelle (gewinnorientierte) Blaskapellen und Orchestergemeinschaften sind keine künstlerischen Vereinigungen, jedenfalls keine gemeinnützigen Körperschaften, und können aus diesem Grunde nicht als steuerbegünstigten Zwecken dienende Körperschaften anerkannt werden. Einzelheiten s. "Musiker" und s. "Musikkapellen". Die Steuerbegünstigung wegen Gemeinnützigkeit ist bei den Musikvereinen dann gefährdet, wenn die Grenzen der nur untergeordneten Geselligkeit des § 58 Nr. 7 AO (Anhang 1b) überschritten werden.

Auftritte, bei denen die Musikvereine Einnahmen erzielen, sind kulturelle Veranstaltungen i. S. v. § 68 Nr. 7 AO (Anhang 1b und s. AEAO zu § 68 Nr. 7 AO TZ 13, Anhang 2).

Gewinne, die in einem Zweckbetrieb erwirtschaftet werden, sind ertragsteuerfrei.

Die OFD Hannover (Vfg. vom 03.08.1995, AZ: S 0184–7 – STO 214 – S 2729–326 StH 233) hat klargestellt, dass eine kulturelle Veranstaltung auch dann vorliegt, wenn ein Kulturverein bei einer Veranstaltung eines anderen Vereins kulturelle Darbietungen erbringt. Voraussetzung ist aber, dass derartige Darbietungen Inhalt der Satzung sind.

Ob Veranstaltungen, bei denen die Mitglieder des Musikvereins auftreten, steuerbegünstigt sind, soll bei der Beurteilung keine Rolle spielen. Etwaige Honorare, die für die Auftritte vom einladenden Verein gezahlt werden, sind als Betriebsausgaben im Zweckbetrieb "Kultur" zu erfassen.

Umsatzsteuerlich sind die Entgelte, soweit die Befreiungsvorschrift des § 4 Nr. 20 Buchst. a UStG (Anhang 5) nicht eingreift, mit dem ermäßigten Steuersatz zu versteuern (s. § 12 Abs. 2 Nr. 8 Buchst. a bzw. Nr. 7 Buchst. a UStG, Anhang 5). Zur umsatzsteuerlichen Behandlung von Leistungen, die von Musikgruppen erbracht werden, s. "Musikkapellen" und s. "Musiker".

Steuerbegünstigte Musikvereine können Zuwendungen/Spenden in Empfang nehmen und die entsprechenden Zuwendungs-/Spendenbestätigungen ausstellen. Bei Mitgliedsbeiträgen darf jedoch gem. § 10b Abs. 1 Satz 8 EStG (Anhang 10) keine Zuwendungsbestätigung ausgestellt werden, wenn die im Verein ausgeübte kulturelle Betätigung in erster Linie der Freizeitgestaltung dient. Anders sind demnach Mitgliedsbeiträge an Kulturfördervereine zu werten (Zuwendungsbestätigung möglich und Mitgliedsbeitrag beim Mitglied einkommensteuerlich nach § 10b EStG, Anhang 10 abzugsfähig).

Beachte!

Mitgliedsbeiträge an Vereine, die die aktive kulturelle Betätigung ihrer Mitglieder fördern und in erster Linie der Freizeitgestaltung dienen (z. B. Laientheater, Laienchöre oder Laienorchester, von Musik-, Gesangs- und Theaterspielvereinen), können grundsätzlich nicht als Zuwendungen/Spenden behandelt werden.

Im Rahmen eines steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs (begründet beispielsweise durch ertragbringende Konzert- oder Festveranstaltungen mit Versorgungs- und weiteren Leistungen, die nicht mehr als Zweckbetrieb anzuerkennen) gilt für die steuerliche Abzugsfähigkeit von Aufwendungen: Als Aufteilungsmaßstab z. B. bei Ausgaben für das Notenmaterial, Uniformen und Verstärkeranlagen kommt die Zahl der Stunden, die einschließlich der Proben auf die jeweiligen Tätigkeitsbereiche entfallen, in Betracht (s. auch OFD Kiel Vfg. vom 27.11.2002, KStK § 5 KStG Karte H 14).

Auch die Personal- und Sachkosten für die allgemeine Verwaltung können grundsätzlich im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb mit partieller Steuerpflicht abgezogen werden, soweit sie bei einer Aufteilung nach objektiven Maßstäben teilweise darauf entfallen. Bei Kosten für die Errichtung und Unterhaltung von Vereinsheimen sollte eine sachgerechte Schätzung und Zuordnung der Kosten von den Finanzbehörden akzeptiert werden. S. "Musikkapellen".

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