Reuber, Die Besteuerung der... / III. Maßgebender Gewerbeertrag
 

Tz. 48

Stand: EL 117 – ET: 06/2020

Maßgebend für die Ermittlung und Festsetzung des Gewerbesteuermessbetrages ist der Gewerbeertrag, der in dem jeweiligen Erhebungszeitraum bezogen wurde (§ 10 Abs. 1 GewStG, Anhang 7).

Besteht die Gewerbesteuerpflicht für den steuerschädlichen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb während des gesamten Kalender-/Wirtschaftsjahres, ist Erhebungszeitraum das Kalender-/Wirtschaftsjahr. Bei einem von dem Kalenderjahr abweichenden Wirtschaftsjahr gilt der Gewerbeertrag als in dem Erhebungszeitraum bezogen, in dem das Wirtschaftsjahr endet (§ 10 Abs. 2 GewStG, Anhang 7).

1. Steuermesszahl und Steuermessbetrag für den Gewerbeertrag

 

Tz. 49

Stand: EL 117 – ET: 06/2020

Für Zwecke der Festsetzung der Gewerbesteuer durch die hebeberechtigte Gemeinde wird von den zuständigen Finanzämtern nach Ablauf des Erhebungszeitraumes ein Steuermessbetrag vom Gewerbeertrag festgesetzt (§ 14 Satz 1 GewStG, Anhang 7).

 

Tz. 50

Stand: EL 117 – ET: 06/2020

Erhebungszeitraum ist das Kalenderjahr (§ 14 Satz 2 GewStG, Anhang 7). Besteht die Gewerbesteuerpflicht nicht während eines ganzen Kalenderjahres, so tritt an Stelle des Kalenderjahres der Zeitraum der Steuerpflicht (abgekürzter Erhebungszeitraum).

 

Tz. 51

Stand: EL 117 – ET: 06/2020

Ein Messbetrag vom Gewerbeertrag wird erst dann festgesetzt, wenn

 

Tz. 52

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Natürliche Personen und Personenhandelsgesellschaften können ihren Gewerbeertrag um einen Freibetrag von max. 24 500 EUR (§ 11 Abs. 1 Nr. 1 GewStG, Anhang 7) kürzen. Gewerbebetriebe kraft wirtschaftlicher Betätigung (§ 2 Abs. 3 GewStG, Anhang 7), Betriebe gewerblicher Art (§ 4 KStG, Anhang 3) sowie steuerbefreite steuerbegünstigte (gemeinnützige) Einrichtungen, Krankenhäuser, Altenheime und Pflegeeinrichtungen i. S. d. § 3 Nr. 6 und 20 GewStG (Anhang 7) steht ein Freibetrag von 5 000 EUR zu, um den der auf 100 EUR abgerundete Gewerbeertrag (max. auf 0 EUR) gekürzt werden kann (§ 11 Abs. 1 Nr. 2 GewStG, Anhang 7).

 

Tz. 53

Stand: EL 117 – ET: 06/2020

Auf den nach Abzug des Freibetrages auf 100 EUR abgerundeten übersteigenden Betrag wird eine Steuermesszahl für den Gewerbeertrag i. H. v. 3,5 % angewendet (s. § 11 Abs. 2 GewStG, Anhang 7).

 

Tz. 54

Stand: EL 117 – ET: 06/2020

Der Freibetrag i. H. v. 5 000 EUR wird höchstens bis zur Höhe des abgerundeten Gewerbeertrags gewährt (§ 11 Abs. 1 Nr. 2 GewStG, Anhang 7).

2. Beispiele

 

Tz. 55

Stand: EL 117 – ET: 06/2020

 

Sachverhalt 1

Der Gewinn aus Gewerbebetrieb (Gewerbeertrag) des Jahres 01 des Tanzsportvereins "Rot-Weiß" (wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb) beträgt nach Gegenüberstellung der Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben 5 660 EUR. Die Bruttoeinnahmen für 01 betragen mehr als 35 000 EUR. Hinzurechnungen und Kürzungen sind nicht vorzunehmen.

Ergebnis 1

Der Gewerbesteuermessbetrag ermittelt sich wie folgt:

 
Gewinn aus Gewerbebetrieb (§ 7 GewStG) 5 660 EUR
Abrundung (§ 11 Abs. 1 Satz 2 GewStG) auf volle 100 EUR nach unten 5 600 EUR
./. Freibetrag (§ 11 Abs. 1 Nr. 2 GewStG) ./. 5 000 EUR
verbleiben 600 EUR
× Steuermesszahl 3,5 % von 500 EUR 21 EUR
(§ 11 Abs. 2 GewStG)  
Steuermessbetrag 21 EUR
 

Sachverhalt 2

Wie Sachverhalt 1, aber der Gewinn aus Gewerbebetrieb (Gewerbeertrag) beträgt 4 900 EUR.

Ergebnis 2

Der Freibetrag des § 11 Abs. 1 Nr. 2 GewStG i. H. v. 5 000 EUR wird nicht überschritten, daher ist kein Messbetrag nach dem Gewerbeertrag festzusetzen.

 

Sachverhalt 3

Wie Sachverhalt 1, aber die Bruttoeinnahmen betragen 32 500 EUR und es wurde ein Gewinn in gleicher Höhe wie in Sachverhalt 1 erzielt.

Ergebnis 3

Ein Messbetrag ist nicht festzusetzen, weil die Besteuerungsgrenze des § 64 Abs. 3 AO von 35 000 EUR Bruttoeinnahmen nicht überschritten wird.

 

Sachverhalt 4

Der Verein "Stramme Jungs" e. V. hat in 01 einen Verlust aus allen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben i. H. v. 7 000 EUR erzielt.

Die Bruttoeinnahmen aus allen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben sind höher als 35 000 EUR (Besteuerungsgrenze nach § 64 Abs. 3 AO).

Im Jahr 02 beträgt der Gewinn aus allen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben 15 000 EUR. Auch hier wird die Besteuerungsgrenze des § 64 Abs. 3 AO überschritten. Hinzurechnungen und Kürzungen nach §§ 8, 9 GewStG sind nicht vorzunehmen.

Ergebnis 4

Jahr 01

 
Verlust aus Gewerbebetrieb 01 7 000 EUR
Verlustfeststellung 31.12.01 7 000 EUR

Der Verlust wird in einem Verlustfeststellungsbescheid festgestellt. Ein Verlustrücktrag ist nicht möglich.

Jahr 02

 
Gewinn aus Gewerbebetrieb 02 15 000 EUR
./. vortragsfähiger Verlust aus 01 (§ 10a GewStG)  ./. 7 000 EUR
verbleiben 8 000 EUR
./. Freibetrag (§ 11 Abs. 1 Nr. 2 GewStG)  ./. 5 000 EUR
verbleiben 3 000 EUR
× Steuermesszahl 3,5 % von 3 000 EUR 105 EUR
(§ 11 Abs. 2 GewStG)  
Steuermessbetrag 105 EUR
 

Sachverhalt 5

Im Jahre 01 erzielt der Verein "Grün-Gelb Schwarzenberg" aus allen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben einen Verlust i. H. v. 5 750 EUR. Die Bruttoeinnahmen ...

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