Reuber, Die Besteuerung der... / 5. Grundsatz der Unmittelbarkeit
 

Tz. 95

Stand: EL 107 – ET: 06/2018

§ 57 Abs. 1 AO (Anhang 1b) nennt als weiteren Grundsatz für die Anerkennung der Steuerbegünstigung die Unmittelbarkeit. Eine Steuerbegünstigung wegen Verfolgung gemeinnütziger, mildtätiger, kirchlicher Zwecke kann also nur dann erfolgen, wenn die Zwecke auch unmittelbar – der Verein (die Körperschaft) muss sie grundsätzlich selbst verwirklichen – verfolgt werden. S. hierzu auch BFH vom 23.10.1991, BStBl II 1992, 62 und BFH vom 26.04.1990, BStBl II 1991, 268 und s. AEAO zu § 57 AO TZ 1, Anhang 2.

 

Tz. 96

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Das Erfordernis der Unmittelbarkeit gilt grundsätzlich bei allen Steuern und Abgaben, wenn für die in der Satzung festgelegten Zwecke eine Steuerbegünstigung in Anspruch genommen werden soll (s. BFH vom 11.11.1970, BStBl II 1971, 372).

 

Tz. 97

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Vorausgesetzt wird, dass nach den Bindungen, die zwischen Körperschaft und der für sie tätigen Personen in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht bestehen, deren Wirken sich als eigenes Wirken der Körperschaft darstellt (s. hierzu auch FG Niedersachsen vom 18.03.2004, EFG 2004, 1650).

 

Tz. 98

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Die Leistungen, die von den steuerbegünstigten Zwecken dienenden Körperschaften erbracht werden, müssen die direkte Umsetzung der eigenen steuerbegünstigten satzungsmäßigen Zwecke bewirken. Es reicht folglich nicht aus, dass die Leistung in eine von einer anderen Person zu erbringende steuerbegünstigte Leistung eingeht (s. BFH vom 18.03.2004, BStBl II 2004, 798; s. BFH vom 07.03.2007, BStBl II 2007, 628 und BFH vom 16.12.2009, BStBl II 2009, 398 sowie BFH vom 17.02.2010, BStBl II 2010, 1006).

 

Tz. 99

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Die Unmittelbarkeit i. S. v. § 57 Abs. 1 AO (Anhang 1b) ist aber dann nicht gegeben, wenn sie die finanzielle, sachliche oder personelle Unterstützung einer anderen Körperschaft zum Ziel hat (s. FG Brandenburg vom 17.10.2001, EFG 2002, 121 und das bereits zitierte BFH-Urteil vom 07.03.2007. Die unmittelbare Betätigung wurde z. B. bei einer Krankenhausapotheke verneint, wenn sie anderen steuerbegünstigten Körperschaften für deren steuerbegünstigte Zwecke Medikamente liefert (s. BFH vom 18.10.1990, BStBl II 1991, 268).

 

Tz. 100

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In den nachfolgenden Fällen hat der BFH die Steuerbegünstigung nicht anerkannt, weil von den betroffenen Einrichtungen die steuerbegünstigten satzungsmäßigen Zwecke nicht unmittelbar verfolgt wurden. Dies ist z. B. der Fall bei

  • dem Bau einer Stadthalle – Mehrzweckhalle – (s. BFH vom 19.06.1974, BStBl II 1974, 664);
  • der Errichtung und dem Betrieb eines Regionalflughafens (s. BFH vom 21.08.1974, BStBl II 1975, 121);
  • einem Orden, der auf Verbreitung geistiger und sittlicher Werte gerichtet ist (s. BFH vom 13.12.1978, BStBl II 1979, 492);
  • der Gewährung von Unterkunft und Verpflegung an Lehrgangsteilnehmer eines Sportverbandes sowie die Reinigung und Instandhaltung von Trainingsräumen und -anlagen des Sportverbandes (s. BFH vom 25.02.1981, BStBl II 1985, 478);
  • dem Betrieb einer Krankenhausapotheke (s. BFH vom 18.10.1990, BStBl II 1991, 268);
  • der Übernahme von Projektträgerschaften – fachliche sowie verwaltungsmäßige Betreuung und Abwicklung von Projekten anderer Träger (s. BFH vom 30.11.1995, BStBl II 1997, 189);
  • Gehaltsabrechnungsstellen, die für steuerbegünstigte Körperschaften tätig werden (s. FinSen Berlin vom 29.12.1992, DB 1993, 511 und s. FG Baden-Württemberg vom 03.02.1993, EFG 1993, 619);
  • die Verpachtung von Gebäuden an einen gemeinnützigen Träger zum Betrieb von Altenpflege- und Behindertenwohnheimen (s. FG Baden-Württemberg vom 31.07.1997, EFG 1997, 1341);
  • dem Zentraleinkauf durch einen Dachverband (s. BFH vom 15.10.1997, R 94/94, DStRE 1997, 1014);
  • der kaufmännischen Verwaltung für gemeinnützige Einrichtungen (s. BFH vom 07.11.1996, BStBl II 1997, 366);
  • der Entwicklung eines Vergütungssystems für Krankenhausleistungen (s. BFH vom 07.03.2007, BStBl II 2007, 628);
  • Leistungen im Bereich des altenbetreuten Wohnens gegenüber einem (steuerpflichtigen) Rechtssubjekt (s. BFH vom 16.12.2009, I R 49/08, BStBl II 2011, 398);
  • Erbringung von Laborleistungen für Krankenhäuser (s. BFH vom 06.02.2013, BStBl II 2013, 603).

5.1 Tätigwerden von Hilfspersonen

 

Tz. 101

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Die Körperschaft darf sich bei ihrer Betätigung auch natürlicher und juristischer Personen (Hilfspersonen) bedienen, weil das Wirken von Hilfspersonen wie eigenes Wirken der Körperschaft anzusehen ist.

 

Tz. 102

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Hierfür ist erforderlich, dass die Körperschaft jederzeit rechtlich und tatsächlich auf die ausgeübten Tätigkeiten der Hilfsperson Einfluss nehmen kann. Der Hilfsperson sind klare Auflagen hinsichtlich der Durchführung der entsprechenden Maßnahmen und der dabei zu verwendenden Mittel verbunden mit der Verpflichtung, zu bestimmten Zeiten Rechenschaft über die einzelnen Aktivitäten und die hierfür verwendeten Mittel abzulegen, zu machen. Als Vertragsformen und Nachweise kommen z. B. Arbeits-, Dienst- oder Werkverträge in Betracht.

 

Tz. ...

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