12.02.2013 | Top-Thema Änderungen bei Reisekosten und Unternehmensbesteuerung

Organschaft

Kapitel
Organschaft mit sitz im EU-Ausland möglich
Bild: Haufe Online Redaktion

Punktuelle Änderungen gibt es bei der Organschaft, insbesondere Erleichterungen bei den Voraussetzungen. Diese gelten nach Inkrafttreten des Gesetzes für alle noch offenen Fälle. Die einheitliche und gesonderte Feststellung des Einkommens kommt ab dem Feststellungszeitraum 2014.

Doppelter Inlandsbezug nach § 14 Abs. 1 Satz 1 KStG

Eine Organgesellschaft war nach bisheriger Gesetzeslage nur möglich bei Sitz und Geschäftsleitung im Inland. Dieser doppelte Inlandsbezug wurde bereits mit dem BMF-Schreiben vom 28.3.2011, BStBl. 2011 I, Seite 119, aufgegeben. Jetzt wird diese Regelung in das Gesetz übernommen und § 14 Abs. 1 Satz 1 KStG entsprechend geändert.

Eine Organschaft kann also auch dann vorliegen, wenn sich die Geschäftsleitung einer Kapitalgesellschaft im Inland befindet und der Sitz entweder im Inland oder in einem EU- oder EWR-Staat.

Diese Fälle sind möglich:

 

Geschäftsleitung

Sitz

Organschaft möglich?

Inland

Inland

ja

Inland

Mitgliedsstaat der Europäischen Union

ja

Inland

Vertragsstaat des EWR-Abkommens

ja

Inland

Staat außerhalb der EU / des EWR

nein

Mitgliedsstaat der Europäischen Union

Inland

nein

Mitgliedsstaat der Europäischen Union

Mitgliedsstaat der Europäischen Union

nein

Mitgliedsstaat der Europäischen Union

Vertragsstaat des EWR-Abkommens

nein

Vertragsstaat des EWR-Abkommens

Inland

nein

Vertragsstaat des EWR-Abkommens

Mitgliedsstaat der Europäischen Union

nein

Vertragsstaat des EWR-Abkommens

Vertragsstaat des EWR-Abkommens

nein

 

Der Grund für diese Änderung: § 14 Abs. 1 Satz 1 KStG verstößt nach Auffassung der Europäischen Kommission gegen die Niederlassungsfreiheit, die sowohl im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union als auch im EWR-Abkommen vereinbart ist.

Diese Änderung gilt in allen noch offenen Fällen.

Fehlerhafte Bilanz kann korrigiert werden

Ein wirksamer Gewinnabführungsvertrag ist Voraussetzung für die körperschaftsteuerliche Organschaft (§ 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 KStG). Er muss auf mindestens fünf Jahre abgeschlossen sein und während der gesamten Geltungsdauer durchgeführt werden. 

Eine Erleichterung bringen hier die neu eingefügten Sätze in § 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 KStG. Danach können fehlerhafte Bilanzansätze nachträglich korrigiert werden, der Gewinnabführungsvertrag gilt dann trotzdem als durchgeführt.

Das gilt aber nur, wenn

  • der Jahresabschluss wirksam festgestellt wurde,

  • der Fehler nicht hätte erkannt werden müssen und

  • ein von der Finanzverwaltung beanstandeter Fehler korrigiert wird.

Das ist allerdings nur nötig, soweit die Fehlerkorrektur in der Handelsbilanz erforderlich ist. Ein Fehler in der Bilanz führt also nicht mehr zwangsläufig zu einem Wegfall der Organschaft.

Die neuen Regeln rund um den Gewinnabführungsvertrag gelten in allen noch offenen Fällen.

Gesonderte und einheitliche Feststellung wird eingeführt

Die gesonderte und einheitliche Feststellung wird es auch für die Organschaft geben. Dafür wurde in § 14 KStG der Absatz 5 neu eingefügt. Das heißt, das Einkommen der Organgesellschaft und damit zusammenhängende Besteuerungsgrundlagen werden gesondert und einheitlich festgestellt, und zwar gegenüber dem Organträger und der Organgesellschaft. Die Erklärung zu den gesonderten und einheitlichen Feststellungen wird mit der Körperschaftsteuererklärung der Organgesellschaft verbunden.

Diese Änderung gilt aber erst für Feststellungszeiträume ab 2014, und nicht wie ursprünglich geplant schon ab 2013.

Verlustübernahmevereinbarung nach § 17 KStG

GmbHs und andere Gesellschaften, die nicht unter das Aktiengesetz fallen, sollten die Änderung in § 17 KStG beachten. 

Die Verpflichtung zur Vereinbarung einer Verlustübernahme besteht zwar unverändert. Doch es reicht nicht mehr, die Verlustübernahme entsprechend dem § 302 Aktiengesetz zu vereinbaren. Vielmehr muss in der Vereinbarung jetzt ausdrücklich auf § 302 Aktiengesetz in der jeweils gültigen Fassung verwiesen werden.

Dies gilt für Gewinnabführungsverträge, die nach dem Tag des Inkrafttretens des Gesetzes abgeschlossen oder geändert werden. Wurde der Gewinnabführungsvertrag vorher abgeschlossen, muss die Verlustübernahme bis zum 31.12.2014 nach den geänderten Voraussetzungen vereinbart werden. Ausnahme: Die Organschaft wird vor dem 1.1.2015 beendet.

Neuregelung der doppelten Verlustnutzung nach § 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 KStG

Negative Einkünfte des Organträgers bleiben bei der inländischen Besteuerung unberücksichtigt,

  • wenn der Organträger unbeschränkt steuerpflichtig ist und

  • soweit sie in einem ausländischen Staat, der nicht Mitglied der EU oder EWR ist, berücksichtigt wurden.

Das gilt entsprechend für die negativen Einkünfte einer Organgesellschaft, deren Sitz sich nicht im Inland befindet. Dies gilt in allen noch offenen Fällen.

Schlagworte zum Thema:  Organschaft, Körperschaftsteuer, Verlustübernahme, Gewinnabführungsvertrag, Reisekosten, Unternehmenssteuer

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