Krankenversicherung 2020: Steigen die Beiträge trotz Rücklagen?
Zuletzt war die Lage der gesetzlichen Krankenkassen relativ entspannt. Dank der guten Konjunktur konnten die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) mit ihren 57 Millionen Mitgliedern stattliche Rücklagen aufbauen. Doch jetzt kommt einiges zusammen: Auf Geheiß der Politik müssen besonders hohe Reserven vom neuen Jahr an abgebaut werden. Die Krankenkassen verzeichnen aber auch weiter steigende Ausgaben für Leistungen und mehrere kostspielige Gesetze der großen Koalition. Daneben sollen 2020 auch bei den Gesundheitsmilliarden für die Pflege Antworten her.
Viele Krankenkassen verbuchten 2019 ein Defizit
Die «hohe Ausgabendynamik» der Krankenversicherung habe sich nochmals deutlich verstärkt, warnte die Chefin des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, gerade angesichts frischer Zahlen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres rutschten die 109 Krankenkassen tiefer ins Minus und verbuchten ein Defizit von 741 Millionen Euro - im Vorjahreszeitraum waren es knapp zwei Milliarden Euro Plus gewesen. Die Rücklagen der Krankenkassen betrugen Ende September noch 20,6 Milliarden Euro. Im Schnitt entsprach das weiter dem Vierfachen der vorgegebenen Mindestreserve, wie das Bundesgesundheitsministerium betonte. Was folgt daraus jetzt?
Spahn: Krankenversicherungsbeiträge sind keine Sparanlagen
Minister Jens Spahn hält den Druck aufrecht. Das aktuelle Minus in den Bilanzen sei «ein unechtes Defizit», das durch Rücklagen-Abbau entstehe. «Beitragsgelder sind aber keine Sparanlagen», argumentiert der CDU-Politiker. Bei Krankenkassen mit besonders hohen Reserven müssten Rücklagen Schritt für Schritt sinken. «Dadurch profitieren auch die Beitragszahler.» GKV-Chefin Pfeiffer kritisiert dagegen die Verpflichtung, Reserven nun «stärker abzubauen, als für eine nachhaltige Finanzplanung geboten wäre».
Krankenkassenbeitrag: Brisante Entwicklung 2021 erwartet
Die Rücklagen könnten im nächsten Jahr die steigenden Ausgaben der Krankenversicherung noch teilweise abpuffern, erwartet der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas. Brisanter werde es aber beim Blick in Richtung 2021: «Wenn die steigenden Ausgaben, getrieben auch durch eine Reihe gesetzgeberischer Maßnahmen und eine eventuell schwächere Konjunktur, diese Rücklagen aufbrauchen, wird sich die Kostenentwicklung auf die Beitragssätze auswirken.» Verbesserungen etwa bei Arztterminen und dem Pflegepersonal kosten schon 2020 mehr.
Krankenversicherungsbeitrag 2020
Was im Jahr 2020 mit den Beiträgen der Kassenmitglieder wird, ist nicht leicht zu entscheiden. Zum Gesamtbeitrag gehört zum einen der allgemeine Beitragssatz von 14,6 %. Stellschraube der Krankenkasse ist der zweite Bestandteil, der Zusatzbeitragssatz, den sie selbst festlegen können. Klar ist: Weit mehr als die Hälfte der Krankenkassen darf den Zusatzbeitrag 2020 schon mal nicht anheben - sie haben Reserven von mehr als einer Monatsausgabe.
Kassenindividueller Zusatzbeitrag 2020: Welche Krankenkasse senkt den Beitrag?
Die große Frage ist, wie viele Kassen für den Abbau von Rücklagen den Zusatzbeitrag tatsächlich senken. Eine nicht umgesetzte Erhöhung sei auch eine Form von Senkung, heißt es einigermaßen pragmatisch in Ministeriumskreisen. Versicherte müssten dann ja nicht so viel zahlen, wie sie sonst hätten zahlen müssen. Ins Kalkül ziehen dürften Krankenkassen auch, ob sie bei einer Senkung 2020 womöglich bald eine umso größere Anhebung machen müssten. Denn die Tendenz zeigt schon jetzt Mehrausgaben: Der durchschnittliche Zusatzbeitrag als amtlich errechnete Orientierungsgröße geht für 2020 um 0,2 % auf 1,1 % hoch.
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Klaus Köhler
20.12.2019 21:39 Uhr
"Eine nicht umgesetzte Erhöhung sei auch eine Form von Senkung, heißt es einigermaßen pragmatisch in Ministeriumskreisen. Versicherte müssten dann ja nicht so viel zahlen, wie sie sonst hätten zahlen müssen."
Mehr Rabulistik geht nicht...