Voraussetzungen für Krankschreibung per Videosprechstunde

Durch einen Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Änderung der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie können Vertragsärzte die Arbeitsunfähigkeit von Versicherten unter bestimmten Voraussetzungen auch per Videosprechstunde feststellen. Dies gilt auch bei Erkrankung eines Kindes. Nachfolgend stellen wir die Voraussetzungen im Einzelnen vor.

Inkrafttreten der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie

In der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie (AU-RL) wurde bislang gefordert, dass die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit und die Ausstellung der AU-Bescheinigung (Muster 1) nur durch eine unmittelbar persönliche ärztliche Untersuchung zu erfolgen hat. Aufgrund der berufsrechtlichen Lockerung des Verbots der ausschließlichen Fernbehandlung in den Berufsordnungen der Ärztekammern in Folge der Änderung der Musterberufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärzte durch den Deutschen Ärztetag (§ 7 Abs. 4 MBO-Ä) wurden in der AU-RL Regelungen aufgenommen, mit denen unter bestimmten Voraussetzungen die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit auch ohne persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt im Rahmen einer Videosprechstunde erfolgen kann. Die Änderungen der AU-RL sind nach Nichtbeanstandung durch das Bundesministerium für Gesundheit am 7.10.2020 in Kraft getreten.

Wann ist eine Krankschreibung per Videosprechstunde möglich?

In § 4 Abs. 5 der AU-RL wird nunmehr geregelt, wann die Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit per Videosprechstunde zulässig ist. Dafür ist es erforderlich, dass der Versicherte in der betreffenden Arztpraxis persönlich bekannt ist. Zudem muss die Krankheit geeignet sein, um diese mittels Videosprech-stunde zu untersuchen. Ein Anspruch der Versicherten auf Krankschreibung per Videosprechstunde besteht jedoch nicht.

Wie lange kann eine Krankschreibung per Videosprechstunde erfolgen?

Die erstmalige Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit ist für längstens sieben Kalendertage möglich. Eine Folgekrankschreibung kann per Videosprechstunde erfolgen, wenn die vorherige Krankschreibung aufgrund einer unmittelbar persönlichen Untersuchung erfolgte. 

Kind krank: Wann kann eine Feststellung per Videosprechstunde erfolgen?

Für die Feststellung einer erforderlichen Betreuung, Beaufsichtigung oder Pflege eines erkrankten Kindes und die in diesem Zusammenhang erforderliche Ausstellung der ärztlichen Bescheinigung (Muster 21) gibt es keine konkretisierenden gesetzlichen Vorgaben wie für die Ausstellung des Musters 1. Daher kann eine Feststellung einer Erkrankung des Kindes und der notwendigen Betreuung, Beaufsichtigung oder Pflege per Videosprechstunde im berufsrechtlich zulässigen Rahmen unter Wahrung des ärztlichen Sorgfaltsmaßstabs erfolgen, sofern die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung und Behandlung gewahrt wird. Dies hat der Arzt im Einzelfall zu prüfen und darüber zu entscheiden, ob er das Kind per Videosprechstunde behandeln kann.

Videosprechstunde: Umgang mit der eGK

Behandelt der Arzt einen ihn bekannten Versicherten, für den im selben oder vorherigen Quartal die eGK vorgelegt wurde und erklärt der Versicherte, dass sich die Daten nicht geändert haben, kann der Arzt die Versichertendaten aus den bei ihm hinterlegten Patientendaten übernehmen.

Anderenfalls prüft der Arzt im Rahmen der Videosprechstunde die Identität des Versicherten anhand der per Videotelefonie vorgelegten eGK. Kann diese nicht vorgelegt werden, erhebt der Arzt folgende Daten:

  • Bezeichnung der Krankenkasse,
  • Name, Vorname und das Geburtsdatum des Versicherten,
  • Art der Versicherung,
  • Anschrift des Versicherten und
  • Krankenversichertennummer,

die er für die Abrechnung nutzt. Der Versicherte hat zudem das Bestehen des Versicherungsschutzes zu bestätigen. Wird die Videosprechstunde für die Behandlung von Kindern genutzt, geben die Eltern die Daten bekannt. 

Kann im weiteren Verlauf des Quartals die eGK vom Versicherten nachgereicht werden, ist die Abrechnung auf Basis von deren Daten zu erstellen.

Sonderregelung zur eGK wegen Corona 

Die Ärzte können befristet bis zum 31.3.2021 die Übertragung der Versichertenstammdaten aus der Patientendatei vornehmen, wenn im aktuellen Quartal oder in einem der sechs Quartale, die der Durchführung der Videosprechstunde unmittelbar vorausgehen, ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt in derselben Arztpraxis stattgefunden hat und eine Prüfung des Leistungsanspruchs durch Vorlage der eGK erfolgt ist.

Portokosten für den Versand des Krankenscheins

Der Bewertungsausschuss nach § 87 Abs. 1 Satz 1 SGB V hat mit Wirkung zum 7.10.2020 als Kosten-pauschale für die Versendung des Musters 1 per Post die Gebührenordnungspositionen (GOP) 40128 und für die Versendung des Musters 21 die GOP 40129 jeweils in Höhe von 0,81 EUR beschlossen. Der Beschluss und damit die Abrechnung der GOP wurde verlängert bis 31.3.2021.